Hertha BSC

Ramos feiert Versöhnung mit den Fans

Der Kolumbianer erzielt bei Herthas 2:0 gegen Aalen den erlösenden Führungstreffer

- Es war eine rauschende Versöhnung. Die Kollegen hatten Adrian Ramos nach vorn, hin zur Ostkurve geschoben. Die feierte gut gelaunt den 2:0-Heimsieg über den VfR Aalen. Ramos applaudierte den Fans für deren Unterstützung. Als er sich wieder einreihen wollte in die Spieler-Kette, begann es: leise, und von Mal zu Mal lauter "Adrian Ramos"-Sprechchöre. Thomas Kraft schob Ramos erneut zu den Fans. Weil sich der Kolumbianer nach Meinung des Torwartes nicht enthusiastisch genug bedankte, nahm Kraft die Arme von Ramos und winkte damit in die blau-weiße Menge.

Es erinnerte an die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Ramos hatte in einem schwierigen Spiel nach einer Stunde den Bann gebrochen und das wegweisende Führungstor geköpft. Ronny sorgte in der Schlussminute für den 2:0-Endstand. Es war der dritte Hertha-Sieg in Folge. Von Rang 16 haben sich die Berliner in der Zweiten Liga auf Platz fünf vorgeschoben.

Vor dem Strafraum verschanzt

Vor der Fankurve wurde aber mehr gefeiert als das Ende einer Flaute, wie sie jeder Torjäger mal durchmacht. Nach 176 Tagen gelang dem kolumbianischen Nationalstürmer wieder ein Treffer. Das Zerwürfnis indessen ging tiefer. Ramos hatte abgesehen von einem Doppelpack im März (beim 3:1 in Mainz) im gesamten Jahr nicht getroffen. Außer beim Relegations-Hinspiel gegen Fortuna Düsseldorf, wo sich sein Eigentor in der Addition als das entscheidende zum Bundesliga-Abstieg herausstellen sollte (1:2/2:2).

In den ersten beiden Heimspielen war Ramos auch deshalb von den Hertha-Anhängern ausgepfiffen worden, weil er im Sommer geäußert habe, er finde Hertha und Berlin toll, wolle aber erstklassig spielen. Nun ist die Transferperiode beendet, es hat sich kein Käufer für Ramos gefunden. Und gegen Aalen wiederholte sich etwas, was die Fans seit Jahren von ihm kennen: Transferfenster geschlossen - und prompt steigt die Form bei Ramos.

Vor 34.712 Zuschauern im Olympiastadion lieferten sich die Mannschaften das, was Trainer einen zähen Abnutzungskampf nennen. "Wir hatten selten eine Mannschaft zu Gast, die völlig ohne Stürmer gespielt hat", sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Der VfR verschanzte sich mit allen Spielern vor dem eigenen Strafraum. Ronny hatte in der Anfangsviertelstunde mehrere gute Szenen. Sami Allagui hatte Pech, dass ihm ein Elfmeter verweigert wurde, als dem Hertha-Stürmer das Standbein weggezogen worden war (8.).

Nach 20 Minuten jedoch lief der Schwung langsam ins Leere. Ramos verfehlte aus der Distanz knapp das Tor (29.), viel mehr passierte nicht. Positiv bei Hertha machte sich der Einsatz von Peter Pekarik bemerkbar, dem slowakischen Nationalspieler gelang ein ordentliches Debüt (siehe Extra-Text). Ebenfalls eine gute Partie spielte Fabian Lustenberger, der als Innenverteidiger den Vorzug vor Roman Hubnik erhalten hatte. "Weil ich den Gegner sehr defensiv erwartet habe, wollte ich einen flexiblen Spieler auf der Position, der auch ins Mittelfeld durchschieben kann", sagte Trainer Jos Luhukay. "Fabian hat das sehr gut gemacht."

Was sich auch in der zweiten Hälfte nicht änderte: Hertha tat sich schwer, Druck aufzubauen. Zweimal war Sandro Wagner gefährlich, schob den Ball aber aus vier, fünf Metern am rechten Pfosten vorbei (51.), sechs Minuten später segelte der Ball von seinem linken Knie nur Zentimeter neben das Tor. Dazwischen lag die einzig gefährliche Situation der Gäste. Selim Aydemir setzte sich gegen drei Herthaner durch, zirkelte den Ball aber am Hertha-Tor vorbei (55.).

Wenn aus dem Spiel heraus nichts geht, lautet eine alte Fußball-Weisheit, bleiben noch Standardsituationen. Marcel Ndjeng schlug eine Ecke in den Strafraum, Ramos köpfte den Ball zum erlösenden 1:0 ein (60.). Wie es um den Teamgeist bestellt ist, zeigte sich beim Jubel. Kapitän Niemeyer beorderte alle Feldspieler zum sensiblen Kolumbianer. "Ich glaube, jeder im Stadion hat gesehen, wie sehr jeder sich für ihn gefreut hat", sagte er. Den schönsten Spielzug des Nachmittages hatte sich Hertha für die 68. Minute aufgehoben. Ronny spielte einen seiner tödlichen 30-Meter-Pässe in den Rücken der Abwehr, Ramos sprintete im richtigen Moment, schob den Ball an Aalens Torwart Daniel Bernhardt vorbei. Das Spielgerät rollte gegen den Innenpfosten und blieb dann einen halben Meter vor der Linie liegen.

Auch wenn die Zuschauer nun gern Zauberfußball gesehen hätte, dem Trainer waren die Punkte wichtiger. Luhukay holte die Offensiven Allagui und Wagner vom Platz, brachte mit Nico Schulz und Felix Bastians zwei Defensivkräfte. Und Ronny zeigte, dass er selbst im erschöpften Zustand wertvoll sein kann. Nach einem energischen Antritt von Schulz über die linke Seite, schob Ronny dessen Vorlagen ins Tor, 2:0, die Partie war entschieden (90.). Torwart Kraft wusste, wen er loben wollte: "Nach so einer langen Zeit, die für Adrian nicht leicht war, war es wichtig, heute das erlösende Tor gemacht zu haben. Er ist Gold wert für uns. Nachdem das Wechseltheater um ihn beendet war, ist er unglaublich konzentriert und stark im Training."