Tennis

Stebe bewahrt Deutschland vor dem Abstieg

Davis-Cup: Kühnens Vertrag soll verlängert werden

- Nach dem Matchball gab es kein Halten mehr. Alle stürzten sie auf Cedrik-Marcel Stebe zu: Kapitän Patrik Kühnen, Florian Mayer, die Betreuer, das Team. Hier jubelte eine echte Mannschaft über den Klassenerhalt in der Weltgruppe. Der Youngster hatte die Nerven behalten und für die Auswahl des Deutschen Tennis Bundes (DTB) mit seinem überraschenden 6:4, 6:1, 6:4-Erfolg nach 2:04 Stunden über Lleyton Hewitt den entscheidenden Punkt zum 3:2-Sieg gegen Australien gesichert.

Zuvor hatte Mayer vor rund 5000 Zuschauern auf der traditionsreichen Anlage am Rothenbaum mit seinem 6:4, 6:2, 6:3-Sieg gegen Bernard Tomic die Hoffnungen am Leben gehalten. "Klar stand ich wieder unter Druck, ich habe super gespielt", sagte Mayer, "es war ein geiles Gefühl, und die Zuschauer haben uns wieder toll unterstützt." Deutschland stand mit dem Rücken zur Wand, nachdem am Sonnabend das Doppel Philipp Petzschner/Benjamin Becker 3:6, 2:6, 6:2, 6:7 (4:7) gegen Hewitt/Chris Guccione verloren hatte. Aber erstmals seit einer Partie gegen Rumänien im Jahr 2001 drehte eine deutsche Mannschaft einen 1:2-Rückstand nach dem Doppel noch.

Und das, obwohl kurzfristig der eigentlich für das letzte Match vorgesehene Petzschner ausgefallen war. Der Bayreuther hatte sich eine Reizung im linken Knie zugezogen. Stebe wirkte in der Anfangsphase hypernervös und gab zweimal seinen Aufschlag ab. Als er aber ein Break zum 1:3 schaffte, war der Knoten geplatzt. Er wurde immer selbstbewusster, machte nur noch wenige Fehler und ließ den 31 Jahre alten Altmeister aus Australien kaum noch zum Zuge kommen. Stebe gewann danach zwölf der folgenden 14 Spiele. Im dritten Satz konnte der Deutsche Hewitt das Service zum 4:3 abnehmen.

Kühnen hat mit diesem Erfolg nach den monatelangen Querelen um das Team, die im Rauswurf von Philipp Kohlschreiber eskalierten, seine Position gestärkt. Er hat gepokert und gewonnen. "Wir haben hier gesehen, dass sich alle voll reinhängen und alles geben", sagte Präsident Karl-Georg Altenburg, "in diesem Sinn war das Wochenende ein Fortschritt." Den Rauswurf des Querulanten Kohlschreiber trug das Präsidium voll mit. Teamgeist soll nicht nur eine Phrase bleiben, sondern in Zukunft tatsächlich gelebt werden. Die Vertragsverlängerung von Patrik Kühnen scheint deshalb tatsächlich nur noch Formsache. "Wir setzen uns demnächst zusammen und dann sollte es keine Überraschungen geben", sagte Altenburg. Der Münchner soll nun sogar noch mehr Einfluss bekommen und nach dem Vorbild von Barbara Rittner auch für den Jugendbereich zuständig werden.