Fußball

Sturmlauf für die Integration

Alle 18 Bundesligisten werben an diesem Wochenende für die Aktion "Geh Deinen Weg"

- Uli Hoeneß musste über die Bundeskanzlerin schmunzeln. Ganz versteckt tat er es natürlich, nur die Mundwinkel zuckten ein wenig, als Angela Merkel im Bundeskanzleramt eine Anekdote erzählte. Sie habe einmal bei einer Veranstaltung zu jungen Migranten gesagt: "Ich bin eure Bundeskanzlerin. Egal, ob ihr gerade erst hier lebt oder schon seit 300 Jahren." So lange lebt der Präsident des FC Bayern München zwar noch nicht in diesem Land, aber doch schon 60 Jahre, und das hat gelangt, um eine Menge mitzuerleben - im Fußball und in der Gesellschaft.

"Geh Deinen Weg", heißt die Aktion, die sie bewarben. Am Wochenende werden alle 18 Bundesligavereine mit dem Slogan auf der Brust auflaufen. Die Deutschland-Stiftung Integration und die Deutsche Fußball Liga haben das mit den Sponsoren der Klubs ausgehandelt. Der Fußball soll werben für Integration und ein friedliches Miteinander. "Ich kann mir keinen stärkeren Partner dafür vorstellen", sagte die Bundeskanzlerin. Es ist in der Tat ein starkes Zeichen, das die Bundesliga da setzt. "Es wird uns helfen, eine wichtige Botschaft zu verbreiten", sagte Merkel. Die Botschaft, dass Ausländer in Deutschland willkommen seien und die Chance hätten, in diesem Land aufzusteigen. Das "Geh Deinen Weg"-Logo wird sich auch auf den Bällen wiederfinden. Zudem verlesen die Mannschaftskapitäne eine Botschaft. Der Kernsatz: "Vielfalt, respektvolles Miteinander und gelungene Integration sind nicht nur beim Fußball, sondern auch in der Gesellschaft Voraussetzungen für den Erfolg."

Für die Bundesliga schließt sich damit ein Kreis. Vor 20 Jahren trugen die Vereine "Mein Freund ist Ausländer" auf den Trikots, es war ein Signal gegen die fremdenfeindlichen Anschläge von Solingen und Rostock. Nun also Integration. "Die Liebe zum Sport verbindet die Menschen. Im Fußball geschieht Integration automatisch, sie muss nicht verordnet werden", sagte Ligapräsident Reinhard Rauball.

Die Aktion kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Profi-Fußball viel mehr mit sich selbst zu tun hat als in den Jahren zuvor. Hilflos beschimpfte Hannover-Präsident Martin Kind einige Fans seines Teams als "Arschlöcher", weil sie einen zum VfL Wolfsburg gewechselten Spieler beleidigt hatten. In Dortmund wurde ohnmächtig ein rechtsradikales Plakat im Stadion registriert, und beim 1. FC Köln reichten sie Abwehrspieler Kevin Pezzoni lieber die Papiere, statt ihn vor den Chaoten zu schützen, die vor seiner Haustür gewütet hatten. Zudem meldete sich ein schwuler Bundesligaprofi im Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung zu Wort und stellte dem angeblich so toleranten Fußball ein schlechtes Zeugnis aus: "Ich wäre nicht mehr sicher, wenn meine Sexualität an die Öffentlichkeit käme." Uli Hoeneß weiß um die brisante Situation. "Themen wie Gewalt oder Homophobie sind keine Probleme des Fußballs, sondern gesellschaftliche Themen", sagte der Bayern-Präsident, "wichtig ist, dass wir uns dieser Themen annehmen, statt die Augen davor zu verschließen." Er sei beispielsweise überzeugt, dass sich in den kommenden Jahren die ersten schwulen Fußballspieler outen werden, "und dann kommt es darauf an, wie die Vereine darauf vorbereitet sind". Kanzlerin Merkel ermutigte die Betroffenen sogar, sich mit einem Bekenntnis an die Öffentlichkeit zu wagen: "Dass immer noch Ängste bestehen, was das eigene Umfeld anbelangt, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber wir können ein Signal geben: Ihr müsst keine Angst haben."

Merkel wird jedenfalls am Sonnabend das Spiel zwischen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen im Stadion anschauen. Jürgen Klopp, Dortmunds Meistertrainer, hat sich übrigens auch zur neuen Initiative geäußert: "Ich finde Geh Deinen Weg gut. Aber ich würde noch hinzufügen: am besten den richtigen."