Zweite Liga

Union redet sich vor dem Spiel in Ingolstadt stark

Neuhaus fordert von seiner Mannschaft Mumm und Mut

- Es wurde geredet in den vergangenen Tagen. Viel geredet. In Gruppen- oder auch in Einzelgesprächen versuchte Uwe Neuhaus, seinen Spielern den Rücken zu stärken und Selbstvertrauen einzuimpfen. Dass der Trainer des 1. FC Union mehr Psychologe denn Übungsleiter sein musste, überrascht nach nur einem mageren Zähler aus vier Partien nicht wirklich. Folglich forderte der Coach vor der Partie heute beim FC Ingolstadt (18 Uhr, Sky): "Ich brauche eine Mannschaft, die Mumm und Mut hat."

Ein hehres Vorhaben, nur: Woher nimmt ein Team Mut, das bislang weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist? Das spielerisch wenig überzeugte? Das seine Torchancen nicht nutzt, dafür hinten immer wieder anfällig ist? "Wir können Mut schöpfen aus unseren Trainingsleistungen und aus unserem Teamgefüge", sagt Fabian Schönheim. Unions Innenverteidiger, zu Saisonbeginn von Mainz 05 an die Alte Försterei gewechselt, hat einen Zusammenhalt beim Tabellen-16. ausgemacht, der in der derzeitigen Situation wichtiger kaum sein könnte. "Jeder ist für den anderen da, wir pushen uns gegenseitig", sagt Schönheim. Man ist sich der Schwere der Situation bewusst, will sich davon aber nicht beeindrucken lassen. Man darf es auch nicht. "Wer mit Angst ins Spiel geht, ist bei uns fehl am Platze", verdeutlichte Schönheim: "Jeder von uns muss mit so viel Selbstvertrauen in die Partie gehen, auch Fehler machen zu dürfen." Nur sollte dann auch immer jemand da sein, der sie ausbügelt.

Man bleibt ruhig beim 1. FC Union. Auch weil die derzeitige Lage keineswegs eine neue ist. "Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir in einer so schwierigen Situation sind", erklärte Trainer Neuhaus. Schon vor zwei Jahren, in der Spielzeit 2010/11, steckte Union lange im Tabellenkeller fest. Die Gründe seinerzeit waren ähnlich wie die gegenwärtigen: fehlende Qualität auf dem Platz, dazu ein prall gefülltes Lazarett. Was damals galt, soll auch heute gelten: Die Verletztenmisere "darf für die Spieler kein Alibi sein", forderte Neuhaus. Und fügte ein wenig nachdenklich hinzu: "Wir haben ja schon einmal gezeigt, dass wir uns aus einer solchen Situation befreien können. Das ist jedoch keine Garantie, dass es uns nun wieder gelingt."

Apropos Mutmacher: Fabian Schönheim hat noch ein Detail ausfindig gemacht, weshalb sich die Unioner keineswegs chancenlos auf den Weg nach Bayern machen. "Inzwischen weiß jeder, wie der andere tickt", sagte der 25-Jährige. Auch mit der Kommunikation, vor allem mit dem ebenfalls neuen Kroaten Roberto Puncec, werde es von Woche zu Woche besser. Wo er selbst zum Gelingen in Ingolstadt beitragen werde (wie gewohnt in der Innenverteidigung oder auf der linken Seite als Ersatz für Patrick Kohlmann), sei ihm egal. "Wenn der Trainer sagt, ich spiele links, dann spiele ich links. Der Erfolg des Teams steht absolut im Vordergrund", sagte Schönheim. Wobei er schon gesteht, dass er sich in der Mitte wohler fühlt.

Es ist wie so oft bei Mannschaften, die einen kapitalen Fehlstart in die Saison hingelegt haben: Spieler und Verantwortliche reden sich stark, greifen nach jedem Strohhalm, der ein wenig mehr Optimismus bringen könnte. Dazu gehört natürlich auch das Starkreden des Gegners. Also sagte Uwe Neuhaus: "Die Ingolstädter werden nicht von sich behaupten, gut in die Saison gestartet zu sein." Dennoch werde der Sieg zuletzt gegen Paderborn dem heutigen Gegner sicherlich Auftrieb geben. Trotz der bislang nur fünf Zähler (Platz zehn) zählt der Union-Coach die Donaustädter "schon noch zu den kleineren Geheimfavoriten" auf den Aufstieg in die Bundesliga.

Eine Rolle, die einige zu Saisonbeginn eigentlich dem 1. FC Union zugedacht hatten. Dazu bedarf es jedoch endlich des ersten Sieges. Die nächste Gelegenheit ist heute Abend in Ingolstadt.