Uefa

Platini greift erstmals durch und friert Preisgelder für 23 Klubs ein

Supercup-Sieger Atletico Madrid und Fenerbahce betroffen

- Der europäische Fußball-Dachverband Uefa treibt seine Bemühungen um wirtschaftliche Vernunft im europäischen Fußball voran und hat die Preisgelder von 23 Vereinen vorläufig eingefroren. Zu den prominentesten Opfern zählen Europa-League-Sieger Atletico Madrid (gewann kürzlich auch den Supercup gegen Chelsea), der spanische Champions-League-Teilnehmer FC Malaga sowie die Europa-League-Teams Rubin Kasan, Fenerbahce Istanbul und Sporting Lissabon.

Den Klubs wird vorgeworfen, ausstehende Zahlungen an andere Teams, ihre Spieler oder Steuerbehörden nicht geleistet zu haben. Dies verstößt gegen die Regeln des Financial Fair Plays, mit denen die Europäische Fußball-Union künftig ökonomische Auswüchse verhindern will.

Deutsche Vereine sind von den Strafen nicht betroffen. "ECA-Mitglieder haben das Financial Fairplay-Projekt seit 2010 vorbehaltlos unterstützt. Dennoch scheint es, dass einige Klubs die Botschaft nicht verstanden haben", sagte Karl-Heinz Rummenigge, Vorsitzender der Klub-Vereinigung ECA und zugleich Vorstands-Chef des FC Bayern München. "Die Zeit ist gekommen, diese Regeln ernst zu nehmen. Die ECA wird das Financial Fair Play weiter unterstützen." Rummenigge hat die Durchsetzung des Financial Fairplay zuletzt zur "Nagelprobe für Uefa-Präsident Michael Platini" erklärt. Der Franzose zeigt mit den jetzigen Maßnahmen erstmals Härte. Er scheint es tatsächlich ernst zu meinen.

Die Klubs mussten bis zum 30. Juni Stellungnahmen zu den fehlenden Zahlungen abgeben. Die Untersuchungskammer der Uefa-Finanzkontrollkammer für Klubs (FKKK) hatte auf einer Sitzung im August die Versäumnisse festgestellt. Bis zum Ende des Monats müssen die Vereine ihre Zahlungen leisten, sonst werden die für diese Saison zu erwartenden Preisgelder weiter einbehalten.

Und das könnte schmerzhaft sein, denn die eingehaltenen Summen gehen mitunter in die Millionenhöhe. In der Champions League beträgt allein die Startprämie 8,6 Millionen Euro. In der Europa League bekommt jeder Klub 1,3 Millionen Euro Antrittshonorar.

Die Uefa strebt eine strikte Finanzkontrolle im europäischen Fußball an. "Wer sich nicht an die Regeln hält, wird Schwierigkeiten bekommen", hatte Michel Platini am 31. August erklärt. Mit der Saison 2014/15 droht Vereinen, die gegen das Financial Fairplay (FFP) verstoßen, im schlimmsten Fall sogar der Ausschluss aus dem Europapokal.

Kernpunkt des Financial Fairplay ist, dass Vereine nicht mehr Geld ausgeben, als sie erwirtschaften und dadurch die Schuldenspirale gestoppt wird. Im Jahr 2011 lag der Schuldenstand im europäischen Fußball laut der Uefa bei 1,7 Milliarden Euro und damit erstmals seit Jahren stabil auf dem Vorjahresniveau.

Allerdings gab es dennoch wieder schwer nachvollziehbare Ausreißer nach oben. So leistete sich Paris St. Germain im Sommer neue Spieler für insgesamt 147 Millionen Euro, die von der Qatar Sports Investment übernommen wurden. Die Gruppe gehört Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, dem Kronprinzen von Katar, der damit die von ihm gehaltenen Fernsehrechte aufwerten will. Aber auch Russlands Klubs investierten mit 225 Millionen Euro mehr denn je, obwohl den horrenden Ausgaben dort nur lächerliche Einnahmen gegenüberstehen.

Folgende Klubs sind von den jüngsten Maßnahmen der Uefa betroffen: FK Banja Luka, FK Sarajevo, FC Zeljeznicar (alle Bosnien-Herzegowina), ZSKA Sofia (Bulgarien), Hajduk Split, NK Osijek (beide Kroatien), Maccabi Netanya (Israel), FK Shkendija (Mazedonien), FC Floriana (Malta), FC Podgorica, FC Rudar Pjevlja (beide Montenegro), Ruch Chorzow (Polen), Dinamo Bukarest, Rapid Bukarest, FC Vaslui (alle Rumänien), Rubin Kasan (Russland), Partizan Belgrad, FC Vojvodina Novi Sad (Serbien) sowie Eskisehirspor (Türkei).