Interview mit Kaweh Niroomand

"Gemeinsam haben wir mehr Gewicht"

Berlins Profiklubs gründen gemeinsame Interessenvertretung. Kaweh Niroomand erklärt die Gründe

- Sechs Profisport-Vereine der Hauptstadt, Hertha BSC, 1. FC Union, Alba, Eisbären, Füchse und BR Volleys, haben die "Initiative Berliner Proficlubs" gegründet. Die Konkurrenten Hertha und Union mit gemeinsamen Zielen? Alba und Eisbären, Füchse und BR Volleys an einem Tisch? Über die Gründe für die in Deutschland einzigartige Interessensvereinigung sprach Morgenpost-Redakteur Dietmar Wenck mit Kaweh Niroomand, Geschäftsführer der BR Volleys und Sprecher der Initiative.

Berliner Morgenpost:

Sie sind harte Konkurrenten auf dem Berliner Markt. Sie kämpfen um Zuschauer und Sponsoren, um den Nachwuchs und selbst um entsprechende Berichterstattung in den Medien. Was soll dieser Zusammenschluss bringen, Herr Niroomand?

Kaweh Niroomand:

Wir haben erkannt, dass wir bei aller Konkurrenz übergreifend gemeinsame Interessen haben. Historisch entstanden ist das so, dass wir uns schon länger unter dem Dach der Initiative Sportmetropole Berlin treffen. Da sitzen die sechs Profiklubs zusammen mit allen wesentlichen staatlichen Stellen. Die Tourismusgesellschaft Visit Berlin, die IHK, Partner Berlin, die Senatsverwaltung für Inneres und Sport, die die Federführung hat. Dazu die großen Veranstalter: Olympiastadion, Max-Schmeling-Halle, O2 World. Ziel war, eine Marketing-Plattform zu schaffen, auf der die Sportstadt nach außen hin besser dargestellt und vermarktet werden kann.

Warum jetzt die Trennung?

Die "Sportmetropole Berlin" besteht ja weiter. Aber wir haben festgestellt, dass es auch Themen gibt, die nur für uns Klubs bedeutsam sind.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel, wenn wir darüber reden, dass der Sport beim Thema Förderung wie ein Sportverein behandelt wird, beim Thema der Besteuerung aber wie ein Wirtschaftsunternehmen. Wenn wir mit einer Initiative in die Schulen gehen wollen, wie es Henning Harnisch für Alba entwickelt hat, und es dem Senat vorstellen. Tun wir das gemeinsam, hat es viel mehr Gewicht. Genau so ist es, wenn wir soziale Initiativen oder Aktionen, beispielsweise Richtung Integration, stadtübergreifend anpacken wollen.

Gibt es für die Initiative einen gemeinsamen Etat?

Nein.

Sie haben aufgezählt, was Sie zusammen besser voranbringen wollen. Was stört Sie denn am Umgang mit den Sportvereinen?

Jeder macht gern Sport oder schaut gern zu. Aber die Wertigkeit, die der Sport in dieser Stadt haben müsste, wenn man das etwa mit der Kultur vergleicht, die fehlt. Wir wollen eine Stimmung schaffen, die mehr den Interessen des Sports gerecht wird.

In welchen Bereichen? Geht es um Geld?

Es geht uns zunächst in erster Linie um Anerkennung, was der Sport leistet. Was ich vorhin sagte: bei der wirtschaftlichen Förderung, bei der Integration, in der Nachwuchsarbeit fehlt uns das. Warum dann nicht sich zusammenschließen, um mit einer Stimme zu sprechen? Wie ein Interessensverband? In der Wirtschaft oder Kunst ist das durchaus üblich.

Das klingt nach Lobbyismus. Und damit negativ.

Lobbyismus kann negativ sein, wenn Sie etwas bekommen, was eigentlich nicht gerecht ist. Weil Sie es nur bekommen, weil Sie über Vitamin B verfügen. Lobbyismus in dem Sinne, dass Sie die Wertigkeit der Arbeit, die Sie gemeinsam leisten, mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken, ist positiv. Der Sport insgesamt und die sechs Vereine leisten Enormes. 2,4 Millionen Zuschauer kamen vergangene Saison zu unseren Heimspielen. Der Profisport ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Berlin, die Klubs schaffen Arbeit für Tausende. Sie fördern den Tourismus, den Konsum.

Fühlen Sie sich als Sport benachteiligt? Etwa der Kultur gegenüber?

Der Kulturhaushalt des Landes Berlins ist natürlich überhaupt nicht zu vergleichen mit dem, was das Land Berlin für den Spitzensport tut. Aber zur Sportförderung zählen ja auch die Sportstätten, die Bäder. Insofern muss man bei solchen Vergleichen vorsichtig sein. Uns geht es darum: Aus unserer Sicht gibt es kaum eine Bewegung in der Stadt, die so identitätsstiftend ist wie unsere Profiklubs. Wir treten Woche für Woche europaweit mit dem Namen Berlin auf. Wir sind Werbeträger, Imageträger für die Stadt. Das ist keine Neuigkeit. Aber wir denken, es ist an der Zeit, das gemeinsam zu formulieren.

Wenn Sie von Identität reden: Geht davon nicht für jeden der sechs Klubs etwas verloren, wenn Sie jetzt dauernd gemeinsam auftreten? Insbesondere bei Hertha ist die Gefahr da doch sehr groß.

So ein Quatsch, auf keinen Fall! Wir wollen im Hintergrund arbeiten, wo es gemeinsame Interessen durchzusetzen gilt. Keine Sorge: An gemeinsame Vereinsschals ist nicht gedacht.