Tabellenführer

Füchse haben Kiel im Kopf und Melsungen vor der Brust

Tabellenführer will in zwei Heimspielen die Liga-Spitze halten

- Über das Auftaktprogramm haben sie bei den Füchsen vortrefflich diskutiert. Ist es nun gut, gleich zu Beginn allen drei Aufsteigern zu begegnen oder eher ein Nachteil. Die Neuen seien ja immer besonders heiß darauf, die etablierten Mannschaften zu ärgern, hatte Geschäftsführer Bob Hanning betont und seine Mannen eindringlich davor gewarnt, Minden, Neuhausen und Essen als leichte Beute einzustufen. Nicht immer haben die Berliner in den Partien bislang geglänzt, am Ende aber gingen sie stets als der souveräne Sieger vom Platz. Und weil die Füchse auch EHF-Pokalsieger Göppingen bezwangen, grüßen sie heute vor der Partie gegen MT Melsungen (19 Uhr, Max-Schmeling-Halle) von der Spitze der Handball-Bundesliga.

Wiedersehen mit Stenbäcken

Berlins Trainer Dagur Sigurdsson legt stets größten Wert darauf, von Spiel zu Spiel zu denken. Das sei zwar für die Öffentlichkeit "manchmal ein bisschen langweilig", sagt er, doch diese rigide Fokussierung dürfte gerade in dieser Woche der Weg zum Erfolg sein. Nach der Partie gegen Melsungen steht am Sonntag das Spitzenspiel gegen den deutschen Rekordmeister THW Kiel an. Und auch wenn Melsungen nicht der ganz große Name im deutschen Handball ist, so sind die Nordhessen doch immer gefährlich. Immerhin haben die Füchse in der vergangenen Saison dort nur ein Remis geschafft. Und einer dürfte heute Abend besonders motiviert sein. Jonathan Stenbäcken spielte im Vorjahr noch in Berlin, wurde dann aufgrund fehlender Qualität abgegeben. In Melsungen kommt der Schwede immer besser zurecht.

"Wir müssen uns auf Melsungen fokussieren und Kiel gedanklich ausschalten", fordert Hanning vor dem Anwurf heute und freut sich auf die beiden anstehenden Aufgaben. "Wir haben mit möglichst wenig Aufwand bislang den höchsten Ertrag erzielt. Allerdings kommen jetzt die Spiele, die mich interessieren", sagt der Manager. Und dann erlaubt Hanning einen Blick in seine Seelenleben. "Wenn wir auch Melsungen schlagen und dann mit 10:0 Punkten gegen Kiel antreten, hoffen etwa 99 Prozent der Bevölkerung, dass wir auch Kiel ärgern."

Es wäre aber auch zu schön, den Branchenprimus mal einen Punkt oder gern auch zwei Punkte abzujagen. In der vergangenen Spielzeit hatte der Nordklub nicht einen einzigen Bundesliga-Zähler abgegeben und am Ende gar das Tripel aus Meisterschaft, Pokal und Champions League geschafft.

Doch auch die Füchse haben längst bewiesen, dass sie zur Topmannschaft gereift sind. Bereits zwei Mal hintereinander haben sie sich direkt für die Champions League qualifiziert, wieder einmal führen sie zu Saisonbeginn die Beletage des deutschen Handballs an. "Wir wollen wieder in den Europapokal, da dürfen wir zu Hause keine Punkte abgeben", sagt Nationalspieler Sven-Sören Christophersen selbstbewusst. Natürlich gelte dieser Ausspruch nicht unbedingt für das Duell mit dem THW Kiel, räumt er ein und lächelt verschmitzt: "Aber wir gucken mal, was am Sonntag geht."

Vor der Kür gegen Kiel steht aber heute erst einmal die Pflicht gegen Melsungen an. "Wir haben vier Siege, aber es gibt noch einiges zu verbessern. Wir alle können noch mehr leisten", gibt Kapitän Torsten Laen den Takt vor. Der Däne erlaubt sich aber schon voraus zu denken: "Ein Sieg gegen Melsungen wäre die beste Vorbereitung auf Kiel."