Nationalmannschaft

Junge Österreicher träumen von neuen Fußball-Märchen

Arnautovic: "Wir wollen die Nation glücklich machen"

- "Es gibt keine größere Rivalität. Es gibt bei uns keinen Spieler, den das nicht kitzelt. Wir wollen ihnen ein Haxl stellen", sagt Kapitän Christian Fuchs von Schalke 04 vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen den Erzrivalen Deutschland an diesem Dienstag (20.30 Uhr/ARD) in Wien. Mit neun Legionären aus der deutschen Bundesliga glaubt Österreich 34 Jahre nach Cordoba an ein neues Fußball-Wunder gegen den Lieblingsfeind.

1978 bei der WM in Argentinien hatte der Außenseiter den Weltmeister durch einen 3:2-Erfolg blamiert. "Vergesst Cordoba", meint Fuchs: Die aktuelle Generation ist wild entschlossen, mit dem ersten Pflichtspielsieg gegen die "Piefkes" seit damals ihr eigenes Fußball-Märchen zu schreiben. "Cordoba? Ich weiß nicht mal, wo das ist. In Kolumbien?", spöttelt Bremens Marko Arnautovic. Am 21. Juni 1978 war von allen nominierten Spielern nur der Deutsche Miroslav Klose schon geboren - und gerade erst zwölf Tage alt.

Seit Cordoba gab es für Österreich nur noch ein 4:1 bei einem Freundschaftsspiel 1986, zuletzt aber sieben Niederlagen in Folge. Das soll sich im mit 47.000 Zuschauern ausverkauften Happel-Stadion ändern. "Die Deutschen sind auch nur Menschen mit zwei Beinen. Man kann ihnen weh tun, wir wollen die ganze Nation glücklich machen", sagt Arnautovic und fügt mit einem Schmunzeln an: "Der Schlüssel zum Erfolg für uns ist: Ich mache ein Tor, und unser Keeper hält alles." Der Keeper ist Robert Almer - und bei Fortuna Düsseldorf nur die Nummer 2. "Ich muss nicht Stammspieler sein, um Top-Leistungen zu bringen. Auf mich ist Verlass", sagt Almer.

Krankl tippt auf ein erneutes 3:2

Die Öffentlichkeit ist dennoch skeptisch. Die "Kleine Zeitung" sieht Deutschland "schier unbezwingbar" und "in einer anderen Dimension". Verbandspräsident Leo Windtner meinte, man werde alles tun, "um das Unmögliche vielleicht möglich zu machen. Aber wir sind krasser Außenseiter." Auch wenn Österreichs Stürmer-Legende Hans Krankl, der "Held von Cordoba", meint, dass das DFB-Team "ein wenig schwächelt" und ein 3:2 voraussagt, glaubt Windtner: "Deutschland agiert auf einem Niveau, von dem wir weit entfernt sind."

Damit sich dies ändert, nahmen die 2012 in vier Spielen noch ungeschlagenen Österreicher (drei Siege, ein Remis) im vergangenen Jahr den früheren Bundesliga-Coach Koller unter Vertrag. "Ich glaube, dass er unsere Stärken gut zusammenführt", sagt der Stuttgarter Martin Harnik über den 51 Jahre alten Schweizer. Koller hat für das Duell einen "genauen Plan in meinem Kopf" - sowohl was die Aufstellung betrifft als auch die Ausrichtung. Alle neun Bundesliga-Legionäre werden wohl beginnen, und: "Wir müssen auch in der Offensive etwas machen, dürfen nicht nur hinten drin stehen." Alle Spieler müssten "ihr Optimum bringen. Die Deutschen sind trotz all der hausgemachten Probleme immer noch eine Top-Mannschaft." Schwer wiegt der Ausfall des verletzten David Alaba von Bayern München. "Ihn kann man nicht eins zu eins ersetzen", sagt Harnik über "Österreichs Fußballer des Jahres".