Prozess

"Er nahm ein großes Messer und ging auf die Straße"

Fußball-Profi Breno zündete sein Haus an und sitzt im Gefängnis. Jetzt spricht seine Frau

- Das Drama um Breno, den ehemaligen Spieler des FC Bayern München, ist noch immer nicht restlos aufgeklärt. Zwar wurde der 22-Jährige am 4. Juli 2012 wegen schwerer Brandstiftung zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Doch die Umstände, unter denen der Brasilianer im September 2011 seine Villa anzündete, sind weiter unklar. Das Haus im Münchner Stadtteil Grünwald war komplett abgebrannt, der Sachschaden wurde auf rund eine Million Euro geschätzt.

Maulkorb vom FC Bayern

Nun hat Brenos Frau Renata in der brasilianischen Sportzeitung "Globo Esporte" Details aus der Brandnacht offenbart. Ihr sei es vom FC Bayern verboten worden zu sprechen, aber nun solle die Welt erfahren, was sich wirklich zugetragen habe. Ihr Mann sei in der Nacht vom 19. auf den 20. September betrunken gewesen. Er habe an diesem Tag erfahren, dass sein Knie zum vierten Mal operiert werden müsse und habe Bier, Portwein und Whisky getrunken. "Ich habe die Kinder schlafen gelegt und ihn gebeten, mit dem Trinken aufzuhören, schließlich würde er am nächsten Tag operiert. Aber da sprach er schon wirres Zeug", sagte die 32-Jährige. Breno habe Wahnvorstellungen gehabt und sei davon ausgegangen, dass sein Landsmann und Teamkollege Rafinha von der Polizei verfolgt werden würde: "Die Jungs wollen ihn fangen", soll er geschrien haben. "Er fing an zu sagen, dass er Rafinha und seinen Freunden helfen müsse, weil die Polizei hinter ihnen her sei. Er fing an, die Straße nach oben zu laufen. Er war in Bermuda-Shorts und fing an, sich auf dem Boden zu rollen", sagte Brenos Frau.

Anschließend sei ihr Mann wieder ins Haus zurückgekehrt. "Er wollte aus dem Fenster springen. Ich habe ihm umarmt und gebetet. Ich schaffte es nicht, ihn davon abzuhalten. Er ist aus vier Meter Höhe gefallen. Er stand auf, rannte und sagte, dass er Rafinha helfen müsse. Er nahm ein großes Messer und ging auf die Straße." Sie habe daraufhin das Haus verlassen und sei mit dem Auto mehrmals um den Block gefahren. Erst als sie die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und Polizei anrücken sah, kehrte sie zurück.

"Ich habe die Polizisten angeschrien, sie mögen ins Haus gehen und meinen Mann retten. 20 Minuten lang habe ich um den Tod von Breno geweint", sagte Renata, ehe sie von den Beamten erfahren habe, dass ihr Mann in einem Streifenwagen saß.

Arbeit in der Wäscherei

Vom Krankenhaus aus rief Breno sie dann an und berichtete, dass er sich nicht daran erinnern könne, das Feuer gelegt zu haben. "Er sagte, dass er, als er wieder nach Hause kam und niemanden vorfand, durchgedreht sei und gedacht habe, dass ich ihn verlassen hätte", erzählte Renata und beteuerte: "Mein Mann ist kein Krimineller." Das Münchner Landgericht sprach den 22-Jährigen Anfang Juli schuldig. Er sitzt in der JVA Stadelheim ein. "Er hat keine Depressionen, arbeitet heute in der Gefängniswäscherei. Sie lassen ihn sogar joggen und Fahrrad fahren", sagte Brenos Frau, die heute mit ihren Kindern in München in einer 50-Quadratmeterwohnung lebt und auf Jobsuche ist. "Ich hoffe, dass der Prozess noch einmal neu bewertet wird", sagte die Brasilianerin.