Investitionen

Russlands Oligarchen rüsten kräftig auf

In diesem Sommer wurde fast doppelt so viel Geld wie in der spanischen Liga ausgegeben

- Der letzte Tag gestaltete sich dann doch äußerst gemächlich. Keine Millionensummen mehr, die noch hektisch verhandelt wurden, wie es in manchen Jahren in den letzten Stunden einer Transferperiode üblich war, nur ein paar Ausleihen wurden am Donnerstagabend aus Russland vermeldet.

Dynamo Moskau etwa holte Österreichs Nationalspielers Jakob Jantscher von Red Bull Salzburg. Der 23-Jährige war in seiner Heimat zum besten Spieler der Liga gewählt worden, doch international zählt Jantscher nun wahrlich nicht zu den Größen der Branche. Oder aber David Bentley von Tottenham, er ließ sich am Schlusstag nach Rostow verleihen. Ansonsten aber blieb es ruhig.

Als Nachzügler Europas hatten die Russen ihren Transfermarkt bis Donnerstagabend offen gehalten. Doch trotz des beschaulichen Schlusstages tat sich einiges in diesem Sommer in der Premier Liga. Mehr als 225 Millionen Euro gaben die 16 Klubs für Transfers aus, knapp 100 Millionen Euro mehr als die Spanier. Lediglich England, Italien, Deutschland und aufgrund des Transferwahnsinns von Paris St. Germain auch Frankreich lagen vor den Russen.

90 Millionen Euro für zwei Spieler

Meister Zenit St. Petersburg etwa holte für 55 Millionen Euro den Brasilianer Hulk vom FC Porto, einen, den auch Klubs wie der FC Chelsea gerne gehabt hätten. Dazu noch Axel Witsel, den 23-jährigen Belgier von Benfica Lissabon, für 40 Millionen Euro. Zu viel Geld für jemanden, der zwar mit reichlich Talent gesegnet sei, aber noch nichts Großes geleistet habe, mahnten Kritiker und sprachen vom russischen Prinzip.

Doch so ganz entspricht das nicht mehr der Realität. Einst zog es vor allem alternde Stars wie Roberto Carlos oder Samuel Eto'o, die der Kaukasusklub Anschi Machatschkala mit Geld nur so zuschüttete, gen Osten. Natürlich gibt es das auch heute noch: Lassana Diarra, bei Real Madrid aussortiert, verdient jetzt sein üppiges Salär beim Eto'o-Verein. Und auch Hulk und Witsel sind dem überdimensionalen Gehalt, das vermeintliche Stars in der Liga beziehen, nicht abgeneigt. Doch das ist nicht mehr alles. "Die russische Liga hat qualitativ einen enormen Sprung gemacht", sagt Luciano Spalletti, Zenits Trainer und verweist auf die ausländischen Fachleute, die sich mittlerweile fast jeder Klub leistet. Der ehemalige HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer etwa ist Sportdirektor in St. Petersburg, Spartak Moskau wird vom Spanier Unai Emery trainiert, der zuvor Valencia befehligte.

Der Liga aber haftet noch immer etwas Exotisches und auch Befremdliches an. Spiele in politischen Krisenregionen wie Grosny beispielsweise oder aber Geschichten wie jene von Kevin Kuranyi, der Deutsche spielt seit 2010 für Dynamo Moskau. Er war erst kurze Zeit bei seinem neuen Klub, als der Vereinspräsident die Mannschaft zum Schusstraining bat. Nur waren eben keine Bälle im Spiel, sondern Kalaschnikows. Es blieb eine einmalige Angelegenheit, sagt Kuranyi. Und dass die Rahmenbedingungen vergleichbar mit westeuropäischen Vereinen wären: "In den kommenden Jahren werden einige internationale Topstars in Russland spielen."

Seit Russland die Weltmeisterschaft 2018 zugesprochen bekam, rüstet es in der Liga auf. Schon vor Jahren hatte auch Staatschef Wladimir Putin seine finanzkräftigen Gefolgsleute angewiesen, sich im Sport verdient zu machen. Große Konzerne wie der Mineralöllieferant Lukoil (Spartak Moskau) oder Energieriese Gazprom (St. Petersburg) stehen hinter den teils aberwitzigen Ausgaben. Oder aber solch dubiose Oligarchen wie Suleiman Kerimow (Machatschkala) und Tschetscheniens Oberhaupt Ramsan Kadyrow (Terek Grosny), der zwar das Präsidentenamt bei Terek im November 2011 abgab, aber immer noch im Hintergrund die Geschicke lenkt.

Hohe Ausgaben, wenig Einnahmen

All jene Konzerne und Oligarchen sind es auch, die bislang die unglaublichen Verluste ausgleichen. Die Liga hat diesmal nach England das höchste Transferminus erwirtschaftet, weil den Ausgaben nur lächerliche Einnahmen gegenüberstehen. Einen Fehler "im Mechanismus des russischen Fußballs", sehen Kritiker wie der Oligarch Wladimir Potanin. Ein Gros von überbezahlten Spielern beherrsche die Klubs. "In unserer Liga wachsen keine großen Meister mehr heran", sagt Potanin. Die werden bislang nur gekauft - und das für immer höhere Summen, mit denen andere kaum noch mithalten können.