Deutsche Mannschaft

Schwimmerin Bruhn macht den Tag für Deutschland perfekt

Davor dreimal Rad-Gold für Graf, Teuber und Eskau

Triple-Triumph in Brands Hatch und Kirsten Bruhn als Goldfisch: Erst sorgten die Radsportler Tobias Graf und Michael Teuber bei den Paralympics innerhalb von wenigen Minuten für einen Auftakt nach Maß auf der traditionsreichen Rennstrecke, dann legte Handbikerin Andrea Eskau mit ihrem Sieg vor Dorothee Vieth nach. Schwimmerin Bruhn sorgte am Abend im Aquatics Centre für Deutschlands 13. Goldmedaille. Für Nils Grunenberg aus Berlin reichte es bei den Männern über 100 m Brust immerhin zu Silber hinter Lee Woo Geun (Südkorea).

Für die deutschen Zeitfahrer gab es zudem noch überraschend Silber für Hans-Peter Durst und für Norbert Mosandl, der sich nur dem früheren Formel-1-Piloten Alessandro Zanardi geschlagen geben musste. Bronze ergatterte Bernd Jeffre.

Sieg gegen die Muskelmänner

Teuber, der am Dienstag aus Frustration über die Klassifizierungen seinen Rücktritt von der Bahn verkündete hatte, raste mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch zu seinem insgesamt vierten paralympischen Gold. "Dass ich es diesen muskelbepackten Kerlen, die neu in meiner Klasse sind, mit meinen dünnen Beinchen gezeigt habe, allein durch Wille, Ausdauer und Erfahrung, macht mich stolz", sagte der 44-Jährige.

War es für Teuber nach enttäuschenden Resultaten auf der Bahn, die erste Medaille in London, machte Graf den Medaillensatz komplett. Nach Platz drei im Zeitfahren über 1000 m und Rang zwei in der Einer-Verfolgung über 3000 m krönte der 28-Jährige seine starken Leistungen mit Gold. "Das ist einfach nur geil. Gehofft habe ich schon darauf, aber gerechnet habe ich nicht damit", sagte der linksseitig oberschenkelamputierte Graf.

Zanardi erlebt "etwas Magisches"

Nach ihrem Triumph 2008 im Straßenrennen demonstrierte die querschnittsgelähmte Handbikerin Eskau, die bei den Winterspielen in Vancouver 2010 Silber im Langlauf und Bronze im Biathlon geholt hatte, durch ihren Triumph im Zeitfahren ihre Vielseitigkeit. Vieth, die rund 1:42 Minuten langsamer als ihre Landsmännin war, gewann nach zweimal Bronze in Peking ihre dritte paralympische Medaille.

Handbiker Durst, dessen Start nach einem Unfall mit einem alkoholisierten Radfahrer inklusive Trümmerbruch im linken Daum lange fraglich war, musste sich im Mixed lediglich der Australierin Carol Cooke beugen.

Gleich bei seinem ersten Paralympics-Auftritt sicherte sich Zanardi (Italien), dem nach einem Horror-Unfall vor elf Jahren auf dem Lausitzring beide Beine amputiert werden mussten, Gold. "Hier ist etwas Magisches in meinem Leben passiert", sagte der 45-Jährige. Bronzemedaillengewinner Jeffre entschied das interne Rennen gegen Team- und Vereinskollege Nico Merklein für sich. Gold ging in dieser Schadensklasse an Rafal Wilk aus Polen.

Kirsten Bruhn, die seit einem Motorradunfall 1991 auf der griechischen Insel Kos inkomplett querschnittsgelähmt ist, ließ der Konkurrenz bei ihrem letzten Auftritt in London keine Chance und siegte wie schon 2004 in Athen und 2008 in Peking über die 100 m Brust. Die zweitplatzierte Song Ling Ling (China) schlug über 11 Sekunden nach Bruhn, die zuvor bereits Silber über 100 m Freistil gewonnen hatte, an. Verena Schott aus Berlin beendete das Rennen als Fünfte.

Torben Schmidtke und Christoph Burkard sicherten sich Silber und Bronze. Der 23-jährige Potsdamer Schmidtke schlug über 100 m Brust in 1:25,23 Minuten als Zweiter hinter Jewgeni Bohodajko (Ukraine) an, der in der Weltrekordzeit von 1:20,17 Minuten gewann. Burkard wurde in 1:27,09 Dritter.

Rollstuhlfechterin Simone Briese-Baetke hat den ganzen großen Triumph verpasst. Die 46-Jährige unterlag im Degen-Finale Jana Saysunee aus Thailand mit 8:15 - Silber.