Schwimmen

Britta Steffen verspürt wieder Leidenschaft

Berlinerin setzt trotz Olympiadebakel ihre Karriere fort und träumt von 2016: "Da geht noch was"

- Die Entspannung tat gut. Lange Spaziergänge im feinen Ostseesand, Radtouren mit Blick aufs Wasser. Endlich kam Britta Steffen auch mal wieder dazu, ein paar Bücher zu lesen. Und immer wieder kam die Schwimm-Olympiasiegerin mit fremden Menschen in Kontakt. Sie sprachen ihr nach dem erfolglosen Abschneiden in London Mut zu. "Das hat mich bestätigt, dass man authentisch bleiben soll", sagt Steffen. Mit jedem Tag reifte die Entscheidung über ihre Zukunft ein bisschen mehr heran, am Ende des Urlaubs stand der Entschluss dann fest: Die Doppel-Olympiasiegerin von 2008 setzt ihre sportliche Karriere bis mindestens zur Heim-EM 2014 in Berlin fort: "Ich habe gefühlt, dass ich noch nicht am Ende bin. Es geht auf jeden Fall noch was."

Seit Montag wieder im Training

Schon nach ihrem letzten Auftritt bei den Olympischen Spielen in London hatte die 28 Jahre alte Steffen im Aquatics Centre im Angesicht der Enttäuschung über ihre Zukunft philosophiert und eingeräumt, immer noch viel Spaß am Schwimmen zu haben. "Aber man möchte auch vorne mitschwimmen", hatte sie gesagt. Das gelang ihr in London freilich nur über die 50 Meter Freistil, wo sie als Vierte knapp eine Medaille verpasste. Über die doppelte Distanz war die Weltrekordhalterin hingegen als Zwölfte des Halbfinales völlig chancenlos gewesen. Auch deshalb will Steffen sich künftig auf die Sprintstrecke konzentrieren, "denn bei den 50 Metern habe ich mir bewiesen, dass ich es noch kann. Die 100 Meter werden noch mitgeschwommen." Seit Montag befindet sich Steffen wieder im Training.

Schwimmen ist ein höchst trainingsintensiver Sport, der dem Athleten viel Disziplin und Fleiß abverlangt. Das weiß natürlich auch Steffen. Schon in London ahnte sie, dass sie für die 100 Meter enorm viel Arbeit vor sich hätte. "Da müsste ich die nächsten zwei Jahre über meine Grenzen trainieren und beruflich zurückstecken." Dazu ist die Berlinerin, die ihr Studium Wirtschaftsingenieurwesen/Fachgebiet Umwelt abgeschlossen hat, offenbar nicht mehr bereit. Zumal die Konkurrentinnen ihr in London über die prestigeträchtige Freistilstrecke, auf der Steffen in 52,07 Sekunden den Weltrekord hält, klar die Grenzen aufgezeigt haben.

Die neue Herausforderung bereitet Britta Steffen schon jetzt viel Freude. Sie spüre noch eine enorme Anziehungskraft, ins Wasser zu gehen, sagt sie. "Das ist immer auch eine Frage der Leidenschaft, glaube ich. Und die Leidenschaft ist bei mir ungebrochen, sonst hätte ich mich die letzten Jahre nicht so motivieren können." Die EM 2014 in Berlin ist für Steffen gesetzt, mit der Kraft, die jetzt wieder durch ihren Körper strömt, kann sie sich sogar einen Start bei Olympia 2016 vorstellen. "Es ist auf jeden Fall ein Traum, noch mal an Olympia teilzunehmen. Aber dazu muss absolut die Gesundheit stimmen, und der Spaß und auch der Erfolg."

Kampf um Trainer Warnatzsch

Steffen neue Ausrichtung bringt auch eine veränderte Saisonplanung mit sich. So wird die Berlinerin zum ersten Mal überhaupt die komplette Weltcup-Saison auf der Kurzbahn mit acht Stationen in knapp sechs Wochen bestreiten (ab 2. Oktober). Damit wird sie automatisch eine Wettkampfhärte erlangen, die den deutschen Schwimmern nach dem medaillenlosen Abschneiden von vielen Experten abgesprochen wurde und als einer der Gründe für das Debakel in London herhält.

Während Steffen nun also klare Vorstellungen von ihrer Zukunft hat, ist noch offen, wer sie am Beckenrand künftig betreuen wird. Ihr Coach Norbert Warnatzsch hatte noch in London seinen Rücktritt angekündigt. Steffen und Warnatzsch arbeiten seit Jahren sehr eng und vertrauensvoll miteinander zusammen. "Das letzte Wort über Norberts Karriereende ist noch nicht gesprochen. Es wird noch Gespräche geben", sagt Steffen. "Egal wie: Wir werden uns auf gar keinen Fall verloren gehen."