Kriminalität

Strafanzeige gegen Hertha

Landeskriminalamt ermittelt wegen illegaler Werbung für Wettanbieter im Olympiastadion

- Das Landeskriminalamt hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Fußballklub Hertha BSC eingeleitet. Das erfuhr diese Zeitung aus Polizeikreisen, die Pressestelle bestätigte den Vorgang auf Anfrage (Vorgangsnummern: 120327-0928-028173, 120223-0951-028173, 120127-0855-028173). Demnach soll der Verein gegen den Glücksspiel-Staatsvertrag verstoßen und illegal mit dem österreichischen Sportwetten-Anbieter "cashpoint" geworben haben. Polizeisprecher Stefan Redlich sagte auf Anfrage, dass von Amtswegen eine Strafanzeige gefertigt worden sei, die nun bei der Staatsanwaltschaft liege (Aktenzeichen Az. 233 Js 1856/12). Deren Sprecher Martin Steltner konnte sich am Dienstag nicht zu Einzelheiten äußern.

Außerdem hat das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) Mitte Mai gegen Hertha BSC ein Zwangsgeld in Höhe von 50.000 Euro verhängt, weil bis zum Ende der Saison 2011/2012 die Werbung für "cashpoint" an den Banden im Stadion gehangen hatten - obwohl nach Informationen dieser Zeitung bereits im Jahr 2006 die Abteilung des Innensenats gegen Hertha eine Untersagungsverfügung erlassen hatte.

Dazu sagte Ingo Schiller, Finanz-Geschäftsführer von Hertha BSC: "Wir haben Einspruch gegen das Zwangsgeld von 50.000 Euro eingelegt. Daraufhin ist es zurückgenommen worden." Allerdings habe das LABO eine neue Anhörung bei Hertha BSC angesetzt, die derzeit laufe. Zu der Strafanzeige von Amtswegen sagte Schiller: "Mir sind keine Ermittlungen des Landeskriminalamtes bekannt."

Was beim Glücksspiel richtig ist und was falsch, darüber wird in Deutschland schon lange gestritten. Es geht um Milliarden-Summen. Und die Frage, was fließt auf welchen Wegen wohin. Mittendrin stecken Sportvereine, vor allem bekannte Profiklubs. Seit Jahren gibt es juristische Auseinandersetzungen zu dem Thema. Seit Jahren will die Politik das Glücksspiel-Gesetz reformieren. In Deutschland wurde ein neuer Glücksspiel-Staatsvertrag ausgehandelt, der seit dem 1. Juli in Kraft ist. Den haben alle Bundesländer - mit Ausnahme von Schleswig-Holstein - auf den Weg gebracht. Derzeit wartet die Branche auf eine Stellungnahme der Europäischen Kommission in Brüssel zu dem Thema. Wieviel Freigabe des Marktes darf sein, wieviel Regulierung zum Schutz etwa vor Wettsucht muss sein?

Hertha wurde, wie andere Fußball- Profivereine auch, seit längerem von Wettanbietern umworben. In den Jahren 2010 und 2011 hieß es jedoch in der Klubführung, aufgrund der unklaren rechtlichen Situation sei es nicht sinnvoll, Verträge abzuschließen. Als die Innenministerkonferenz den neuen Glücksspiel-Vertrag im vergangenen Herbst auf den Weg brachte, meinte der Klub, dass die rechtliche Grundlage ausreichend sei. So präsentierte Hertha BSC den Wettanbieter Cashpoint am 26. Januar diesen Jahres als neuen Exklusivpartner. Der Vertrag hat eine Laufzeit bis Juni 2013. Damals sagte Schiller: "Wir freuen uns, mit Cashpoint einen weiteren Partner von der Attraktivität bei Hertha überzeugt zu haben."

Im Kern geht es um die Frage, ob dieser Vertrag rechtens ist.

Seither ist das Unternehmen mit Werbebanden im Olympiastadion präsent, veranstaltet Gewinnspiele in der Halbzeit, hat eine Loge gemietet und präsentiert sich regelmäßig im Stadionmagazin. Der 1996 gegründete Wettanbieter sitzt in Gerasdorf bei Wien, ist aber in der Rechtsform einer Limited Company (Ltd.) in Birkirkara auf Malta registriert. Mittlerweile hat Cashpoint auch eine Lizenz in Schleswig-Holstein erworben. Das Unternehmen ist zudem Namenssponsor in der Zweiten Liga von Österreich bei Cashpoint SCR Altach. Neben Fußball- Wetten werden auch solche für Pferde-, Hunde- und Kamel-Rennen angeboten.

Nun ist Hertha nicht der einzige Profiklub, der Geschäfte mit der Glücksspiel-Industrie macht. Branchenführer FC Bayern hat mehrere Werbespots für den Anbieter Bwin gedreht. In den Spots, die unter anderem in der Pause des Champions-League-Finales gegen den FC Chelsea zu sehen waren, spielen Präsident Uli Hoeneß, Aufsichtsratschef Karl-Heinz Rummenigge und die Stars Arjen Robben, Thomas Müller, Mario Gomez, Holger Badstuber und Manuel Neuer mit. Regelmäßig wirbt der Anbieter auf den Banden in der Münchener WM-Arena.

Bundesligist Werder Bremen hat im Juli einen Drei-Jahres-Vertrag mit dem Wettanbieter Tipico abgeschlossen, der Hamburger SV und die TSG Hoffenheim sind mit dem selben Partner liiert. Der FC Schalke 04 hat eine Partnerschaft mit bet-at-home.

Auf die Frage, ob der Vertrag mit Cashpoint ein Fehler war, antwortete Hertha-Geschäftsführer Schiller: "Mir wäre mulmig, wenn wir die ersten wären. Das sind wir aber deutlich nicht." Aber im Moment ist niemand zufrieden mit der Situation. Schiller: "Bei diesem Thema herrscht eine große rechtliche Unsicherheit. Das betrifft viele Vereine und Wettanbieter."