Kommentar

Tickets ohne Erfolgsgarantie

Raik Hannemann über die Selbstüberschätzung der Fans

Maß und Distanz sind im deutschen Fußball verloren gegangen. Und zwar schon länger. Da stürmen Anhänger den Platz, Profis gehen mit der Faust auf den Schiedsrichter los oder feiern mit verbotenen Bengalos in der Hand. Ganz zu schweigen von den Hundertschaften Polizei, die rund um ein Spiel an den Bahnhöfen oder in Innenstädten gebraucht werden, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Und nun wird ungeliebten Spielern auch noch im Privaten aufgelauert.

Angefangen hat das alles damit, den Fan als etwas anderes darzustellen als einen ganz normalen Kunden. Sicher sind bunte Choreographien im Zuschauerblock schön anzusehen, fallen die turmhohen Werbebanden so ja nicht ganz so auf. Kollektiver Gesang kann eine Mannschaft wunderbar antreiben. All diese Emotionen sind vor allem gut für den Verkauf des Produkts Fußball, nur eben leider nicht dauerhaft zu kontrollieren.

Um den Fan als Kunden nicht zu verlieren, wurde leider viel zu oft und viel zu lange suggeriert, dass er ein Recht habe, bei Misserfolg sauer zu sein. Dabei hat er doch nur eine Eintrittskarte gekauft, und zwar ohne die Garantie auf Erfolg.

Im populistischen Überschwang hat es der Fußball verpasst, sich selbst vor dieser Entwicklung zu schützen. Stattdessen darf sich die Ultra-Bewegung als Gralshüter aufführen, so lief die Diskussion über Bengalos viel zu lange ohne klares Nein. Nun aber ist es allerhöchste Zeit für ein unzweideutiges Kundengespräch.