Fußball

Real Madrid rätselt über die Tränen von Ronaldo

Der Superstar kokettiert mit seinem Abschied von den Königlichen: "Ich bin traurig. Und die Menschen hier wissen warum."

- Vermeintlich war alles in Butter. Sein Klub hatte 3:0 gegen Granada gewonnen, und Cristiano Ronaldo war wieder mal der Hauptdarsteller des Abends gewesen. Und dennoch fiel den Fans von Real Madrid auf, dass der Portugiese am Sonntag schlechter Laune war. Ronaldo hatte zwar zwei Tore geschossen - es waren die Treffer Nummer 150 und 151 für Real -, er bejubelte sie aber nicht.

Nach dem 1:0 verzog er nur die Mundwinkel und ließ die Umarmungen seiner Mitspieler missmutig über sich ergehen. Nach dem 2:0 reckte er kurz den linken Arm in die Höhe, ehe er in die eigene Hälfte zurücktrottete. Nach gut einer Stunde wurde der Stürmer dann ausgewechselt, er hatte einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen. "Ich bin sehr glücklich über die 150 Tore, aber das Wichtigste ist Real Madrid. Wir wollen weiter siegen, die Liga begann für uns erst heute richtig", sagte Ronaldo pflichtschuldig. Als er aber gefragt wurde, warum er sich über seine Treffer so wenig gefreut hatte, wurde der 27-Jährige unerwartet persönlich. "Ich bin traurig, und das weiß der Klub", gab Ronaldo an und fügte hinzu: "Nicht aus persönlichen, sondern aus beruflichen Motiven. Die Menschen hier wissen warum, und ich will dazu weiter nichts sagen."

Offenbar hatte es vor dem Spiel ein Treffen mit Klubpräsident Florentino Perez und Ronaldos Agent Jorge Mendes gegeben. Laut "Marca" soll Ronaldo seinem Boss mitgeteilt haben, er fühle sich nicht mehr gewollt: "Er hält es nicht mehr aus. CR7 bringt Real durcheinander und lässt die Alarmglocken schrillen", schrieb die Zeitung. Unter anderem sei Ronaldo sauer, weil der Klub seine Freunde Kaka, Ricardo Carvalho und Fabio Coentrao schlecht behandle oder gar aussortiere. Angeblich habe er nach dem Sieg über Granada in der Kabine geweint.

Playstation, TV und Sex

Was es auch immer sein mag, das den Portugiesen dazu treibt, sich wie ein kleines Kind aufzuführen - es passt zu seiner bisherigen Karriere. Die ist sportlich glorreich, und doch hinterlässt ein Blick auf den genialen Fußballspieler auch immer ein leeres Gefühl. So grandios begabt er am Ball ist, so zielsicher schaffte er es, sich selbst in Misskredit zu bringen. Schlimmer noch: So beliebt der Fußballspieler Ronaldo ist, so ungeliebt ist der Mensch dahinter. Er ist ein Mann für die VIP-Tribüne, nicht für die Fankurve.

"Lebe wohl, portugiesischer Pfau", schrieb der "Daily Telegraph", als Cristiano Ronaldo sich 2009 für die Rekordablöse von 94 Millionen Euro von Manchester United zu Real Madrid verabschiedete, "wir werden die Schönheit seines Spiels vermissen, die eleganten Slaloms und die blitzartigen Schüsse, aber nicht seine Theatralik, und dass er so von sich selbst eingenommen ist".

Die Marke "CR7" (eine Mischung aus seinen Initialen und seiner Rückennummer) hat viel Glamour, aber wenig Herz. Abseits des Platzes machte er durch teure Sportwagen, Affären mit Models - inklusive Paris Hilton - und seinem Bekenntnis zur Ganzkörperrasur auf sich aufmerksam. Viel mehr ist nicht bekannt vom Menschen Ronaldo, dessen Vorlieben seine Ex-Freundin Nereida Gallardo so zusammenfasste: "Playstation, TV und Sex."

Ibrahimovic kassiert mehr

Auf dem Spielfeld fällt er neben seiner technischen Brillanz des Öfteren auch durch Schnöseligkeit und unfaire Aktionen auf. Im Viertelfinale der WM 2006 gegen England, das Portugal im Elfmeterschießen gewann, forderte er offen eine Rote Karte für Wayne Rooney, mit dem er damals gemeinsam in Manchester spielte. Als der englische Stürmer tatsächlich vom Platz gestellt wurde, quittierte Ronaldo das mit einer hämischen Geste. Dass die gegnerischen Fans ihn hassen, habe vor allem einen Grund, behauptet er: "Weil ich hübsch, reich und ein großartiger Fußballspieler bin. Eine andere Begründung habe ich nicht. Sie sind einfach neidisch."

Dass er sich nun durch kryptische Andeutungen offenbar aus dem Klub jammern möchte, passt ins Bild. Der Zeitpunkt seiner öffentlichen Unmutsbekundung allerdings überrascht insofern, als dass das internationale Transferfenster Freitag geschlossen wurde. Erst im Januar könnte Ronaldo gehen. Aber wohin? Es kommen nur eine Handvoll Klubs in Frage, die sich einen wie ihn leisten können.

Da Erzrivale Barcelona wohl keine Anlaufstelle wäre, kämen zuvorderst zwei von Scheichs finanzierte Klubs in Frage: Paris St. Germain und Manchester City. Auch der FC Chelsea oder mancher Verein aus den Regionen der ehemaligen Sowjetunion könnte einen solchen Transfer stemmen. Tatsächlich gibt es Meldungen, dass Paris Ronaldo ein Angebot vorgelegt haben soll. Auch der russische Klub Anschi Machatschkala, bei dem der langjährige Barcelona-Angreifer Samuel Eto'o spielt, wird als Interessent gehandelt. Eine andere Variante wäre, dass Ronaldo den Verein gar nicht wirklich verlassen will, sondern nur mehr Geld fordert. Damit zumindest spekuliert die Sportzeitung "As": "Er verdient eine Menge, aber nicht mehr als der Ersatzmann Kaka. Spieler wie Zlatan Ibrahimovic oder Samuel Eto'o bekommen noch mehr."