Motorsport

Eine Schande für die Formel 1

Weil sie nie hart genug bestraft werden, bauen Grosjean und Maldonado immer wieder Unfälle

- Es gibt da diese hübsche Geschichte von Pastor Maldonado, die sie sich bei Williams nach diesem Wochenende wieder besonders oft erzählen werden. Sie spielt irgendwann vor dem Saisonstart in Caracas, der Hauptstadt von Maldonados Geburtsland Venezuela. Zahlreiche Fans waren zum alten Flughafengelände gekommen, unter ihnen auch Staatspräsident Hugo Chavez, der den Aufstieg Maldonados mit seinen Überweisungen an den Williams-Rennstall überhaupt erst möglich gemacht hatte. Sie alle wollten aus nächster Nähe begutachten, wie der erste Formel-1-Fahrer in der Geschichte ihres Landes ein paar Showrunden in seinem neuen Williams-Boliden dreht.

Auch ein GP2-Pilot war eingeladen worden, er sollte den Untergrund vorab auf seine Tauglichkeit für das superflache Geschoss testen. Nach wenigen Kurven kapitulierte er vor den welligen Waschbetonplatten, aus den fußbreiten Löchern dazwischen wucherte Unkraut. Maldonado stieg trotzdem ein und gab sofort Vollgas. Der empfindliche Rennwagen wurde hin- und hergeworfen wie ein Tischtennisball im Herbststurm. "Ein bisschen ruckelig, aber es macht Spaß", gab er per Funk durch und drückte das Gaspedal wieder bis auf das Bodenblech. Die Mechaniker hatten sich da schon längst abgewendet.

Auch beim Großen Preis von Belgien hat der 27-Jährige wieder fleißig Punkte gesammelt im Kampf um den Status als größtes Crashkid der Formel 1. Phasenweise liefen gegen ihn drei Untersuchungen gleichzeitig, wegen eines Fehlstarts, die Verwicklung in den spektakulären Startunfall sowie die Kollision mit Sauber-Mann Sergio Perez. Doch bevor die Stewards ihn bestrafen konnten, hatte sich Maldonado schon den Frontflügel kaputtgefahren und war ausgeschieden. Nun wird er nächste Woche in Monza zehn Ränge nach hinten versetzt.

Übertroffen wird seine Bilanz von zwei kollisionsbedingten Ausfällen und noch einmal so vielen, die ihn einen Platz in den Punkterängen kosteten, nur noch von der des Schweizers Romain Grosjean. Zum siebten Mal war der 25-Jährige in diesem Jahr in einen Erstrunden-Unfall verwickelt. Der Automobil-Weltverband Fia verdonnerte ihn zu 50.000 Euro Strafe und sperrte ihn für das nächste Rennen.

Im Feld war die Empörung groß über den wieder einmal fahrlässigen Umgang mit der Sicherheit im Straßenverkehr. "Es gibt diese Tendenz gerade bei jungen Fahrern, aber es wäre besser, wenn sie gerade am Anfang ihrer Karriere die Regeln mehr respektieren würden", sagte Alonso, der trotz Atemnot und Rückenschmerzen nach dem Unfall am Freitag in Monza wieder im Cockpit sitzen will. "Was passiert ist, ist eine Schande." Der ebenfalls in den Unfall involvierte Lewis Hamilton hatte Grosjean noch auf der Strecke beschimpft.

Und der Schweizer? Er war sich zunächst keiner Schuld bewusst. "Ich hatte einen sehr guten Start, und dann machte es bumm", schilderte er das Geschehen nach seiner Rückkehr in die Box, später sagte er: "Einige der Crashs in dieser Saison waren nicht mein Fehler. Manche haben vielleicht mit Mangel an Erfahrung zu tun, andere sind einfach Fehler. Jetzt ist es Zeit, damit aufzuhören." In Monza ersetzt ihn wohl Testfahrer Jerome d'Ambrosio.

Einerseits war am Sonntagnachmittag der Schock über die Beinaheverletzung des WM-Führenden noch zu spüren. Andererseits frohlockte etwa Red-Bull-Teamchef Christian Horner: "Das sah spektakulär aus, zum Glück ist es glimpflich geendet. Als wir dann gesehen haben, dass es allen gut geht, haben wir den Ausfällen nicht allzu viel hinterhergeweint." Sebastian Vettel profitierte kräftig und rückte bis 24 Zähler heran an den Spanier.

Das Red-Bull-Duo weiß, dass es in der Formel 1 mehr als anderswo um spektakuläre Bilder geht und dass die in dieser Saison bisher rar gesät waren. Deswegen blicken sie den ausstehenden acht Rennen gleich doppelt positiv entgegen: In der WM ist es wieder spannend und nach Monza kehrt auch Crashkid Grosjean wieder zurück auf die Strecke.