Kommentar

Das Ende der Union-Träume

Michael Färber über einen Weckruf

Das war es also mit dem ersten Duell der Saison um die Stadtmeisterschaft. Und was hat es uns gebracht neben 90 emotionalen und kampfbetonten Spielminuten? Vor allem die Erkenntnis: Auch Hertha BSC kann Derby. Und Freistöße. Ronnys Treffer in der 73. Minute war zudem eine exakte Kopie des legendären Union-Siegtreffers von Torsten Mattuschka vor zwei Jahren: durch die Mauer hindurch, am verdutzten Torwart vorbei. Hertha gewann durch diesen Erfolg gestern Abend Selbstvertrauen für das Unternehmen Wiederaufstieg.

Für Union bedeutete er das Ende aller Romantik. Getreu dem Motto "Wehret den Anfängen" sollte jeder Gedanke, derzeit mit den Spitzenteams der Zweiten Liga - und Hertha BSC zählt dazu - mithalten zu können, ausgeblendet werden. Um das hehre Saisonziel, die Plätze fünf bis sieben, erreichen zu können, ist Kampf allein zu wenig. Es war eben dieses spielerische Momentum, welches die Blau-Weißen gegen die Rot-Weißen hat triumphieren lassen.

Und das verdient. Auch wenn man in Köpenick weiter auf den ersten Sieg in dieser Spielzeit warten muss, einen Grund, nervös zu werden, gibt es (noch) nicht. Dafür ist die Saison mit 30 ausstehenden Partien lang genug. Allen Romantikern sei an dieser Stelle das Derby vor 19 Monaten im Olympiastadion ins Gedächtnis gerufen. Für die damals unterlegenen Herthaner war es der Startschuss für eine Rückrunde, an deren Ende der Aufstieg stand. Bleibt zu hoffen, dass man beim 1. FC Union den Weckruf vernommen hat.