Formel-1

Nur Startplatz zehn in Spa: Vettel steht bei Red Bull in der Kritik

10.000 Euro Strafe für den Formel-1-Weltmeister

- Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel spürt nach elf von 20 Weltmeisterschaftsrennen des WM-Jahres 2012 gewaltigen Erwartungsdruck. So sehr, wie es sich der 25 Jahre alte Red-Bull-Pilot nach zwei Titelgewinnen 2010 und 2011 nicht hätte träumen lassen. Vorläufiger Tiefpunkt: Im Abschlusstraining zum Großen Preis von Belgien (Sonntag, 14 Uhr bei RTL und Sky) schlich der Blondschopf gesenkten Hauptes in seine Box. Das Top-Ten-Finale verpasst, ein Desaster. Und nur weil Teamkollege Mark Webber wegen eines Getriebewechsels um fünf Plätze nach hinten (wie Nico Rosberg) versetzt wurde, geht Vettel von Position zehn ins Rennen. Dazu kam eine Strafe in Höhe von 10.000 Euro durch den Weltverband Fia für eine unerlaubte Startsimulation in der Boxengasse.

Die Poleposition sicherte sich Jenson Button (England) im McLaren vor dem überraschend starken Sauber-Piloten Kamui Kobayashi (Japan). Dritter: Kimi Räikkönen (Finnland) im Lotus.

"Ich muss mich steigern"

Vettels Erklärungsversuch für seinen Startplatz war in Wirklichkeit eine Verlegenheitsantwort. "Ich war einfach zu langsam, aber es ist ein langes Rennen, bei dem viel passieren kann." Fest steht: Bei Red Bull und besonders bei Vettel fehlt die Souveränität der letzten Jahre. Das Auto, lange technisch das Nonplusultra der Formel 1, ist nicht mehr in allen Bereichen das Maß der Dinge. Im Gegenteil, der zu Saisonbeginn teilweise als Flop bezeichnete Ferrari von Fernando Alonso (Startplatz fünf) ist in der Summe der Eigenschaften momentan ebenbürtig. Womit die Fahrer ins Spiel kommen. Red-Bull-Manager Helmut Marko hat gegenüber Vettel unverblümt von einer "Qualifikationsschwäche" gesprochen. "Der Helmut hat mir das gesagt. Es ist sein gutes Recht. Ich war eigentlich mit meiner Runde zufrieden, aber das nutzt nichts, wenn man eine Hundertstel zu langsam ist", blieb Vettel vage.

42 Punkte Rückstand auf Alonso und, besonders bitter, auch deren zwei auf den Australier Webber. Nur Platz drei im aktuellen WM-Ranking. Nichts ist in der Formel 1 so alt wie der letzte Triumph. "Ich weiß, dass ich mich steigern muss - und steigern kann", gab sich Vettel realistisch. Die Betonung lag dabei auf einen "Ich muss mich steigern", nicht auf einem "Wir müssen uns steigern". Red Bull arbeitet in dieser Saisonphase sowohl für den Deutschen als auch für Webber. Der 36-Jährige hat seinen Vertrag bis einschließlich 2013 in der Tasche, sieht sich seiner ersten echten Weltmeisterschafts-Chance gegenüber und hat seine fahrerischen Nachteile aufgrund der gegenüber 2011 veränderten technischen Gegebenheiten (Heckpartie, Reifen) wettgemacht. Und eine Teamorder gibt es auch nicht.

"Ich fühle mich wohl und ich sehe mich immer noch im Kampf um den WM-Titel, auch wenn Fernando einen großen Vorsprung hat", hatte Webber im Vorfeld von Spa - nach vier Wochen Sommerpause - wissen lassen. Diese Lockerheit und die gewohnte Sicherheit, in jeder Situation in einem Spitzenauto zu sitzen, fehlt Vettel momentan. Er braucht einen Befreiungsschlag. "Nur wenn das Wetter Kapriolen schlägt, wird für Sebastian im Rennen ein richtig gutes Ergebnis möglich sein", sagte RTL-Experte Niki Lauda.

Ebenfalls nicht zufrieden ist Jubilar Michael Schumacher. Der Rekordweltmeister geht von Position 13 in sein 300. Rennen. "Ich habe kein schlechtes Gefühl gehabt. Meine schnellste Runde war gut. Wir haben uns über das Wochenende gesehen verbessert. Aber es fehlen eben hier und da Kleinigkeiten, die sich summieren. Wir müssen es nehmen, wie es kommt und das Beste draus machen", gab Schumacher, der am 25. August 1991 seinen ersten Grand Prix in Spa bestritten hatte, zu Protokoll. Dass er auch 2013 für Mercedes am Start sein wird, ist zwar noch nicht verkündet, aber ein offenes Geheimnis.