Personalien

Herthas trickreiches Millionen-Puzzle für den Aufstieg

Wie Pekariks Preis gedrückt wurde und Dynamo Kiew weitere Millionen für Raffael zahlen muss

- Bei Hertha herrscht die Ruhe vor dem Sturm. Noch ein Tag, dann steigt das Derby beim 1. FC Union (Montag 20.15 Uhr, Alte Försterei/DSF live). Die Mannschaft bereitete sich mit Trainer Jos Luhukay im Geheimtraining auf den vierten Spieltag der Zweiten Liga vor. Die Verantwortlichen atmeten nach einem hektischen Freitag kurz durch. Am letzten Transfertag war der Hertha-Kader noch einmal überholt worden. "Wir sind zufrieden, wie der letzte Tag gelaufen ist", sagte Manager Michael Preetz.

Die Schlüsselpersonalie an diesem Tag war entgegen den Erwartungen nicht die von Adrian Ramos, sondern der Wechsel von Nikita Rukavytsya (25). Dessen Vertrag in Berlin wäre 2013 ausgelaufen, es ging um die Frage: verlängern oder verkaufen? Der Australier ist ein komplizierter Spieler. Seine Schnelligkeit sowie die Schusstechnik sind zwei überragende Qualitäten. Denen aber gravierende taktische Defizite sowie ein "Hasenfuß-Gehabe" gegenüberstehen. Die Verhandlungen mit Mainz zogen sich. Am Ende einigte sich Hertha mit dem FSV auf eine Ablöse von 900.000 Euro für Rukavytsya.

Das war die zweite Einnahme bei Hertha binnen weniger Stunden. Am Tag zuvor war Sebastian Neumann für einen niedrigen sechsstelligen Betrag an Drittligist Osnabrück abgegeben worden. Da nun zwei Spieler auch von der Gehaltsliste verschwanden, nutzte Hertha den so entstandenen finanziellen Spielraum. "Wir wollten die Qualität im Defensivverbund erhöhen", sagte Manager Preetz.

Den größten Bedarf hatte Hertha auf der Position des rechten Verteidigers. Da der dort vorgesehene Christoph Janker wegen Leistenproblemen wohl erst Ende Oktober spielfähig ist und Youngster Alfredo Morales (22) nicht in die Gänge kommt. Deshalb wurde Peter Pekarik (25) vom VfL Wolfsburg losgeeist. Dafür bedurfte es eines langen Telefonates zwischen dem Hertha-Manager und Felix Magath. Pekarik durfte den VfL danach ablösefrei verlassen und unterschrieb einen Zwei-Jahres-Vertrag.

Im Aufstiegsfall muss Hertha allerdings eine kleinere Summe nach Wolfsburg überweisen. "Der VfL ist uns sehr entgegengekommen", sagte Preetz. Der Slowake, in Wolfsburg 2009 Deutscher Meister, überzeugte trotz seiner erst 25 Jahre mit seiner Erfahrung. 40 Länderspiele hat der rechte Außenverteidiger absolviert, war 2010 WM-Teilnehmer in Südafrika. In der vergangenen Saison war Pekarik an Kayserispor ausgeliehen. "Er hat in der Türkei alle Spiele von der ersten bis zur letzten Minute gemacht, das gefällt mir", sagte Preetz. Stabilität ist ein Schlüsselfaktor für Klubs, die aufsteigen wollen. Bekanntlich ist Hertha in dieser Saison noch auf der Suche danach. Beim Derby indessen fehlt der Neue, Pekarik stößt nach der Länderspiel-Pause zum Kader.

Ein weiterer Nutznießer dieser Verpflichtung ist Herthas Marcel Ndjeng. Der hat auf Wunsch von Trainer Jos Luhukay als rechter Verteidiger ausgeholfen. Jetzt wird Ndjeng seine angestammte Position im rechten Mittelfeld einnehmen.

Für jenen Profi jedoch, um den es im Vorfeld die meisten Schlagzeilen gegeben hatte, bleibt alles, wie es war: Für den wechselwilligen Kolumbianer Ramos hatte es kein einziges Kaufangebot gegeben. Stattdessen waren diverse Klubs an einer Ausleihe interessiert, darunter der FSV Mainz. Da Hertha in dem Fall aber einen neuen Stürmer hätte verpflichten müssen, waren die Berliner daran nicht wirklich interessiert. Manager und Trainer entschieden: Dann bleibt Ramos. "Wir sind nicht zufrieden mit dem, was Adrian in dieser Saison gespielt hat", sagte Michael Preetz. "Aber der Wille ist bei ihm da, er gibt sich Mühe."

Zuletzt hatte es von eigenen Anhängern bei der Einwechslung Pfiffe gegen Ramos gegeben. Bei Hertha wissen sie, dass der das mediale Spiel nur schlecht beherrscht. Zumeist schweigt der Stürmer. Aber wenn er mal ein Interview gibt, sagt er, dass er Berlin toll findet, aber so schnell wie möglich weg wolle.

Perdedaj vor Wechsel zu Lyngby BK

Grundsätzlich hält die sportliche Leitung Ramos für einen besseren Offensivspieler als etwa Rukavytsya. Aber dem Kolumbianer wurde auch klargemacht, dass es seine schwachen Leistungen seien, die dafür sorgen, dass es keine Kaufinteressen gibt. Preetz: "Diesen Spieß kann Adrian mit guten Leistungen umdrehen."

Eine weitere Personalie macht derzeit die Hertha-Fans nervös. Der populäre, aber von Luhukay aussortierte Fanol Perdedaj (21) stand am Freitag auf der Transferliste. Bisher gab es keinen Abschluss, weil Publikumsliebling "Paradise" (so hatte ihn Ex-Trainer Otto Rehhagel getauft) nach Dänemark will, dort endet die Wechselperiode erst Montagnacht. Läuft alles glatt, wechselt U21-Nationalspieler Perdedaj zu Lyngby BK, dem Tabellenführer der zweiten dänischen Liga.

Insgesamt hat Hertha mit seinen Personalrochaden zum Ende der Transferperiode einige Einnahmen zu verzeichnen. 900.000 für Rukavytsya, dazu Neumann und mutmaßlich Perdedaj von der Gehaltsliste. Dem gegenüber steht das neue Salär Pekariks. Es hat aber noch einen weiteren Grund, dass Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller vermeldet, er sehe mit Wohlgefallen, "dass die letzten drei Tage der Transferperiode Hertha ungeplante Einnahmen sowie Kostenentlastungen gebracht haben". Somit wird das sehr hohe Minus von ursprünglich 13 Millionen Euro, mit dem Hertha diese Saison geplant hatte, deutlich kleiner ausfallen.

Zudem dürften sich die größten Anhänger von Dynamo Kiew außerhalb der Ukraine in der Hertha-Chefetage befinden. Zur Ablöse von acht Millionen Euro für Raffael hatte sich am Mittwoch eine weitere Million für die Berliner addiert, weil Kiew mit dem Ex-Herthaner die Champions League erreicht hat (3:1/1:2 gegen Mönchengladbach). Wie die Morgenpost exklusiv erfuhr, enthält der Raffael-Vertrag eine weitere Klausel. Demnach bekommt Hertha in den Jahren 2013, 2014, 2015 und 2016 jeweils eine weitere Million - falls Kiew die Königsklasse erreicht.