Tennis

Petkovic rechnet gnadenlos ab: "Ich war selbstsüchtig"

Deutsche Tennisdamen in New York ohne Siegchancen

- Am Ende brachen dann doch noch alle Dämme bei Andrea Petkovic. Fluchtartig verließ die vom Verletzungspech gebeutelte Darmstädterin den Presseraum und konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Dabei hatte sie noch Minuten zuvor ihre sportliche Situation nach dem keineswegs überraschenden Erstrunden-Aus bei den US Open gegen die Schweizerin Romina Oprandi (2:6, 5:7) erläutert. In blumiger Sprache wie gewohnt, aber gleichzeitig gefasst und analytisch.

Erst die bittere Selbsterkenntnis, zu der sie während ihrer insgesamt achtmonatigen Zwangspause gekommen war, löste bei Petkovic einen Weinkrampf aus. "Ich war egozentrisch und selbstsüchtig geworden. Mein Leben hat sich im letzten Jahr nur noch um Tennis gedreht", klagte die 24-Jährige nach ihrer ersten Grand-Slam-Turnier-Teilnahme seit einem Jahr mit belegter Stimme.

Es war eine gnadenlose Abrechnung mit sich selbst, die ganz spontan im Bauch des größten Tennis-Stadions der Welt stattfand. Und mit der dunklen Seite der Macht, die viele gefährliche Reize bereit hält, wie "Petko" jetzt weiß. "Ich habe Freunde und Familie vernachlässigt. Und jetzt, als ich verletzt war, waren genau sie für mich da", sagte die Hessin und fing an, leise zu schluchzen.

Nach ihrem Sprung auf Platz neun der Weltrangliste in der vergangenen Saison war Petkovic in TV-Shows aufgetreten und hatte bei Plauschs mit TV-Größen wie Hape Kerkeling oder Harald Schmidt ihre neue Popularität genossen. Ein Universal-Talent wie sie, ausgestattet mit einem Einser-Abi, vielseitig interessiert und um keinen frechen Spruch verlegen, kommt eben an. Auch abseits ihres Arbeitsplatzes. Und das gefällt Petkovic offenbar besonders.

Lisicki erneut verletzt

Doch ausgerechnet die hartnäckige Rückenblessur und die Knöchel-OP, die die konstanteste Grand-Slam-Spielerin von 2011 aus der Bahn warfen, scheinen sie außerhalb des Courts wieder zurück auf den Pfad der Tugend geführt zu haben. Bei Petkovic klingt das so: "Aus schlechten Dingen können gute werden. Ich bin als Mensch gewachsen."

Gute Voraussetzungen also, um geläutert die Mission Rückkehr in die Weltspitze anzugehen. Dass der Sprung in die Top 10 kein Selbstläufer wird, weiß Petkovic spätestens seit Montag. "Ich bin acht Monate ausgefallen und rechne damit, dass es genauso lange dauert, um wieder dahin zu kommen, wo ich war", sagte die Rechtshänderin. Gegen Oprandi halfen auch weder Wutausbrüche noch ein ominöses DIN-A4-Blatt, das sie sich am Ende des zweiten Satzes beim Seitenwechsel zu Gemüte führte. "Da standen ein paar mentale Sache drauf. Bleib ruhig und so weiter", erklärte "Petko", der die fehlende Matchpraxis gegen die um 19 Plätze schlechter eingestufte Oprandi deutlich anzumerken war. 38 unbedrängte Fehler unterliefen der Deutschen, die ihre Hilflosigkeit selbst am meisten spürte. "Alles weg", sagte Petkovic. Das schwierigste sei, dass sie akzeptieren müsse, momentan auch gegen schwächer platzierte Gegnerinnen zu verlieren.

Von Verletzungssorgen ist auch Petkovics Fed-Cup-Kollegin Sabine Lisicki genervt. Ihr Erstrunden-Aus gegen Sorana Cirstea (6:4, 2:6, 2:6) kam für die zuletzt von einer Bauchmuskelzerrung geplagten Berlinerin dann auch nicht überraschend. "Seit Wimbledon hatte ich Schmerzen und konnte nicht genügend trainieren. Aber absagen wollte ich die US Open nicht. Es ist ein Grand Slam - und ich bin eine Kämpferin", meinte die 22-Jährige.