1. FC Union Berlin

Mattuschka macht mobil

Unions Kapitän weiß, wie man das Lokalderby gewinnt. Und er ist rechtzeitig wieder in Form

- Gut 25 Meter vom Tor entfernt hatte er sich den Ball zurecht gelegt. Vielleicht war es auch noch ein kleines Stückchen weiter. Nach vier Schritten Anlauf schickt der Mann im roten Dress den Ball schließlich auf seine Flugbahn. Durch die Hertha-Mauer hindurch. An Torwart Maikel Aerts vorbei. Hinein ins Union-Glück. Torsten Mattuschka weiß, wie Derby geht, wie man es gewinnt. Nicht nur wegen seines Siegtreffers an jenem kalten Februartag im Jahr 2011, der den 1. FC Union zum "Stadtmeister" kürte und der Startschuss für einen Saisonrest gewesen ist, an dessen Ende der souveräne Klassenerhalt stand.

"Im Derby haben wir die Chance, vieles wieder gut zu machen." Worte, die Mattuschka seinerzeit gewählt hat, als Union in akuter Abstiegsgefahr schwebte. Worte, die der Kapitän des Fußball-Zweitligisten aus Köpenick auch dieser Tage wieder zum Besten gibt. Nicht dass die Rot-Weißen schon wieder in höchster Not am Liga-Ende stehen würden, dafür ist die Saison mit drei Spieltagen noch zu jung und zu wenig aussagekräftig. Doch wehret den Anfängen: Union ist mit nur einem mageren Zähler Tabellen-16. Da käme ein Erfolg gegen den Lokalrivalen aus Charlottenburg gerade recht.

Und Mattuschka weiß, dass es nicht zuletzt auch auf ihn ankommen wird. "Wir haben schwere Aufgaben vor uns, es wird nicht leichter", sagt der Kapitän. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sich im Lager des Kontrahenten gerade ein wenig Unruhe, fast schon Sorge breit macht (siehe Text oben). So fordert der 31-Jährige: "Die Führungsspieler sind gefragt, vorne weg zu gehen. Dann werden wir hoffentlich die Wende schaffen."

Da trifft es sich gut, dass gerade seine Formkurve steil nach oben zeigt. Sogar ein Extra-Lob vom Trainer gab es nach dem 0:2 beim SV Sandhausen am vergangenen Freitag. Mattuschka sei da "der beste Mann" gewesen und im Vergleich zu den Vorwochen "in richtig guter Verfassung". Das hatte in den ersten beiden Partien, als Unions Nummer 17 zunächst auf der Bank hatte Platz nehmen müssen, noch ganz anders ausgesehen. Nun ist der Kapitän jedoch zurück, um das Union-Schiff wieder richtig flott zu machen.

Mattuschkas kurzfristiges Ziel: das Derby gegen Hertha. Mittelfristig will sich der Mittelfeldspieler wieder unverzichtbar machen in der Startelf, sich gegen seinen Konkurrenten Tijani Belaid durchsetzen. Denn eines hat sein Trainer schon deutlich gemacht: "Mattuschka und Belaid zusammen auf dem Platz - das wird es nicht geben. Einer muss sich durchsetzen." Klappt es mit der Erfüllung des mittelfristigen Zieles, ist auch "Tusches" persönliches Saisonziel in greifbarer Nähe: eine Verlängerung seines im kommenden Sommer auslaufenden Vertrages, die bei 24 Einsätzen in der Saison automatisch in Kraft tritt.

Bange wird dem langjährigen Unioner - Mattuschka spielt bereits seit den Oberliga-Tagen 2005/06 für den Klub - allerdings nicht. Er vertraut darauf, dass sich die Köpenicker auch in dieser kritischen Phase als echtes Team präsentieren werden. "Wir sind als Mannschaft so gefestigt, dass wir uns selbst befreien können", ist er sich sicher. Wer das nicht kapiere, der sei schlicht fehl am Platz. Deutliche Worte, so wie man es von ihm gewohnt ist. "Nach dem Mist, den wir in Sandhausen gespielt haben, sind wir unseren Fans viel schuldig", so Mattuschka. Soll heißen: "Wir nutzen die Chance für eine Wiedergutmachung und behalten alle Punkte in Köpenick."

Die Fans im Stadion an der Alten Försterei werden jedenfalls gespannt hinschauen, sollte sich Mattuschka am Montagabend den Ball für einen Freistoß vor dem Hertha-Tor zurecht legen. Vielleicht gut 25 Meter entfernt, vielleicht auch ein wenig mehr. Vier Schritte Anlauf wird es geben, bis der Ball auf seine Flugbahn geschickt wird...