Real Madrid

Königliche Katastrophe

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Lars Wallrodt

Real Madrid startet schlecht in die Saison - und Spielmacher Mesut Özil droht der Verlust seines Stammplatzes

- Dass in Deutschland gelassen mit Niederlagen umgegangen wird, kann nicht gerade behauptet werden - im Fußball schon gar nicht. Das Halbfinalaus der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft ist das beste Beispiel: Um ein Haar wäre der nationale Notstand ausgerufen und allen Nicht-Hymnen-Singern stante pede der Personalausweis entzogen worden. Doch gegen die Fußballmentalität der Spanier ist die der Deutschen genügsam wie ein sattes Faultier. Besonders sensibel sind die Iberer mit Real Madrid und dem FC Barcelona. Letztere Mannschaft wurde in der vergangenen Saison verspottet, weil sie als Titelverteidiger weder Meisterschaft noch Champions League gewann. Ähnliches droht nun den Madrilenen. Denn der Saisonstart ist gründlich misslungen.

Schon das Auftaktspiel vor einer Woche gegen den FC Valencia verhagelte Fans und Presse die Laune, obwohl ein 1:1 nun wahrlich kein Weltuntergang ist. Der ist erst jetzt eingetreten. Am Sonntag verlor Real das zweite Ligaspiel gegen den FC Getafe 1:2 (1:0) und hat nun bereits fünf Punkte Rückstand auf den Erzrivalen aus Barcelona. Der hatte sich zuvor bei Lionel Messi bedanken können, der mit zwei Treffern für das 2:1 nach zwischenzeitlichem 0:1 bei Osasuna Pamplona verantwortlich gewesen war.

Bei Real Madrid herrscht blankes Entsetzen. Der Auftritt beim FC Getafe war blamabel. "Dieses Spiel kann ich so nicht akzeptieren. Es war keine frustrierende Niederlage, sie war total verdient", schimpfte Trainer Jose Mourinho. Zwar ging Madrid durch Gonzalo Higuain (27. Minute) in Führung. Doch Valera (53.) und Abelaziz Barrada (75.) drehten die Partie. Trauriger Höhepunkt: Reals Fabio Coentrao sah in der Nachspielzeit die Rote Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung, obwohl er gar nicht auf dem Platz stand. Nun wird es ungemütlich für Mourinhos Stars. Nicht nur, weil der Trainer eine schonungslose Analyse ankündigte. Auch die Presse hat sich eingeschossen. Wobei die Deutschen Mesut Özil und Sami Khedira, zuletzt zweimal auf die Bank verbannt, nicht unerwähnt bleiben. "Real ist immer noch im Urlaub", titelte "As". Über Özil - er hatte in der Startformation gestanden und die Führung vergeben, als er in der ersten Hälfte aus fünf Metern nur die Latte getroffen hatte - hieß es: "Er kommt nicht aus dem Quark, ist geistig nicht auf der Höhe." Das Konkurrenzblatt "Marca" zeigte sich gnädiger: "Özil ist der einzige Spieler Reals, der den Ball derzeit länger als fünf Sekunden am Fuß halten kann."

Der Spielgestalter hat allerdings plötzlich ein wesentlich größeres Problem als vogelfrei formulierende Journalisten. Wie am Montagvormittag offiziell bestätigt wurde, wird der kroatische Mittelfeldspieler Luka Modric vom englischen Premier-League-Klub Tottenham Hotspur zu Real Madrid wechseln. "Die starke Affinität zwischen unseren beiden Klubs hat zur Zementierung einer längerfristigen Partnerschaft und zum erfolgreichen Transfer von Luka Modric geführt", schwurbelte Real-Präsident Florentino Perez. Laut Medienberichten haben sich die Vereine auf eine Ablöse in Höhe von 42 Millionen Euro geeinigt. Der 26-Jährige soll einen Vertrag bis 2017 unterschreiben und gilt als Wunschspieler Jose Mourinhos.

Modrics Wechsel ist Özils Problem. Der Kroate ist ebenfalls ein Mann für das Zentrum, der nur gelegentlich auf der defensiveren Sechserposition zum Einsatz kam. Kaum vorstellbar, dass beide gemeinsam auf dem Feld stehen werden. Zumal die offensiven Außenpositionen mit Cristiano Ronaldo und Angel di Maria so prominent besetzt sind, dass Mourinho dort kaum experimentieren wird. "Es wird viel darüber gesprochen, dass Modric Xabi Alonso und Khedira entlasten soll, aber der wahre Grund ist, dass er Mesut Özil Beine machen wird", spekuliert "Marca". Özil reagierte gelassen. "Bei Real hast du immer Konkurrenz, ob die nun Kaka oder Luka Modric heißt. Real ist ein Klub, der nie nur aus elf Spielern besteht, sondern aus 20 oder mehr Weltklasseleuten. In einer Mannschaft mit diesem Anspruch und diesen hohen Zielen musst du dich ohnehin immer beweisen", sagte er der Berliner Morgenpost.