Handball

Sigurdsson baut Füchse-Town

Isländer steht bis 2017 bei den Berlinern dafür, auch Nachwuchsspieler ins Profiteam einzubauen

- Heiner Brand war sehr angetan. Am Donnerstag weilte der ehemalige Handball-Bundestrainer in Berlin und sah sich bei den Füchsen um. Stolz zeigte Geschäftsführer Bob Hanning, seit Jahren mit Brand befreundet, was der Bundesligist im Jugendbereich schon auf die Beine gestellt hat und was zudem in Hohenschönhausen immer mehr Gestalt annimmt. Schule, Internat und Trainingsstätte für den Nachwuchs liegen nah beieinander. Spätestens im nächsten Sommer wird auch das Profiteam im Sportforum trainieren, eine Dependance der Geschäftsstelle soll ebenfalls auf dem Gelände zu finden sein. "Füchse Town" wird sich das Ganze nennen.

Brand war vor allem an der Jugendarbeit interessiert, schließlich ist er mittlerweile Leiter der Nachwuchsförderung beim Deutschen Handball-Bund (DHB), die Ausbildung der jungen deutschen Spieler ist ihm also schon per Amt eine Herzensangelegenheit. Als wichtig sieht er es auch an, dass es Nachwuchskräfte ins Profiteam schaffen, dass sie Chancen bekommen, Verantwortung übernehmen können - und eines Tages als gestandene Bundesligaspieler für die Nationalmannschaft im Einsatz sind.

Doch dafür muss auch der Klub die entsprechende Philosophie haben, was auf die Füchse, allen voran Hanning, zutrifft. Der Geschäftsführer nennt dies einen "ganzheitlichen Ansatz". Und nicht zuletzt bedarf es eines Trainers, der willens ist, immer wieder "Frischlinge" ins Profiteam einzubauen. Dagur Sigurdsson, der Coach der Füchse, ist so einer. Auch das war, neben den sportlichen Erfolgen, die der Isländer in den vergangenen Jahren in Berlin gefeiert hat, ein wichtiger Grund für Manager Hanning, den Vertrag mit Sigurdsson vorzeitig zu verlängern (wir berichteten). Der im Sommer 2013 auslaufende Kontrakt ist nun bis Saisonende 2016/2017 fixiert.

Sigurdsson sprach auch gleich die beiden Bereiche an, denen er sich verpflichtet fühlt. "Wir haben noch viel vor: Sportlich wollen wir uns auf höchstem Niveau halten, gleichzeitig wollen wir aber auch eigenen Spielern Chancen geben." Sicherlich, so der 39-Jährige, sei dies "ein schwieriger Weg, aber das ziehen wir durch". Hanning hob darauf ab, dass man die Entscheidung über die lange Zusammenarbeit mit Sigurdsson "nicht aufgrund der momentanen sportlichen Leistung" getroffen habe, sondern "aus tiefster Überzeugung". Sigurdsson zeigte sich "froh und stolz", weiter in Berlin arbeiten zu können. Ausdrücklich nicht als Scherz wollte er diesen Satz verstanden wissen: "Ich habe gehofft, dass mich die Füchse weiter haben wollen."

Füchse und Sigurdsson, eine lange Verbindung mit Perspektive. Wobei niemand das Aktuelle aus den Augen verlieren will. Die Saison beginnt am Sonntag (17.30 Uhr) mit einem Heimspiel in der Schmeling-Halle gegen Aufsteiger GWD Minden. "Man darf nicht abwarten, sondern muss gleich angreifen", fordert Sigurdsson, in dessen Kader für die neue Spielzeit in Jonas Thümmler und Maximilian Kroll wieder zwei Junge aus dem eigenen Nachwuchs stehen.

Mit Zuversicht gehen die Berliner in die Saison in der Bundesliga und der Champions League. Wobei Hanning abseits des Sportlichen "eine Baustelle" bearbeiten muss, die ihn ziemlich nervt. Die Füchse haben nämlich bei einigen Spielen in der europäischen Eliteliga größere Hallenprobleme. Nicht immer ist die Schmeling-Halle, "unser Heimathafen", an den entsprechenden Terminen frei. Mal ist die deutsche Meisterschaftsendrunde im Hallenhockey im Weg, mal ist die Halle bereits durch die BR Volleys belegt.

Für die Füchse bedeutet das, dass der Auftakt am 30. September - wahrscheinlich gegen Minsk - im Velodrom ausgetragen werden muss. Der Heimvorteil ist damit passé. Die Partie am 10. Februar 2013 gegen Barcelona wird wohl in der O2 World stattfinden. Insgesamt eine "alles andere als glückliche Situation", so Hanning. Das Ganze liege aber nicht allein am Hallenbetreiber, auch die Europäische Handball-Föderation (EHF) habe ihren Anteil daran. Erst sehr spät wurden nämlich jetzt die genauen Termine zumindest für die ersten sieben Begegnungen herausgegeben. "Wir konnten da gar keinen Dauerkartenvorverkauf machen", klagte Hanning. Das müsse besser werden.