Borussia Dortmund

Joker Götze erlöst den Meister

Dortmund gewinnt Auftaktspiel der 50. Bundesligasaison 2:1 gegen starke Bremer. Auch Reus trifft bei seinem Debüt

- Es war der Moment, an dem Jürgen Klopp die Arme hochriss und sich dann doch wieder darüber freuen konnte, dass die längste Sommerpause in der Historie der Fußball-Bundesliga endlich vorüber ist. Als Mario Götze, gerade drei Minuten zuvor eingewechselt, in der 81. Minute ein Zuspiel von Robert Lewandowski zum 2:1 (1:0)-Siegtreffer für Borussia Dortmund gegen Werder Bremen verwandeln konnte. Zehn Minuten später konnten die Fans des Deutschen Meisters jubeln - ihre Mannschaft blieb auch im 29. Liga-Spiel in Folge ungeschlagen.

Der Rahmen für die Eröffnungspartie der Jubiläumssaison konnte kaum feierlicher sein. 80.645 Zuschauer, ein Großaufgebot von Ehrengästen, die Nationalhymne und zwei Bundesliga-Helden der ersten Stunde: Hans Tilkowski, ehemaliger Nationaltorhüter von Borussia Dortmund, und Arnold "Pico" Schütz, Ehrenkapitän von Werder Bremen, trugen gemeinsam die Meisterschale herein. Beide hatten sich am 24. August 1963 gegenübergestanden, als die beiden Traditionsvereine am ersten Bundesliga-Spieltag der Geschichte aufeinandergetroffen waren.

Ähnlich wie vor 49 Jahren, als Timo Konietzka nach nur 58 Sekunden das erste Tor der neuen Liga erzielen konnte, erwischten die Dortmunder auch diesmal den besseren Start. Es passte in den feierlichen Rahmen, dass ausgerechnet Marco Reus bei seinem Bundesliga-Debüt für die Borussen den ersten Treffer der Spielzeit markieren konnte.

Der Treffer in der 10. Minute zeigte die alten und offenbar auch neuen Stärken des Titelverteidigers: Schnelles Umschalten von Defensive auf Offensive und genaues Passspiel in die Spitze, wie es die Fans schon aus den beiden vergangenen Spielzeiten gewohnt waren. Die Präzision aber, mit der Reus nach klugem Zuspiel von Jakub Blaszczykowski dann Bremens Keeper Sebastian Mielitz aus spitzem Winkel überwand, offenbarte eine neue Facette im Spiel des BVB: Für effektives Ausnutzten der Torchancen war die Mannschaft von Jürgen Klopp nicht immer bekannt. Gestern dagegen konnte dank Reus gleich die erste Möglichkeit zur 1:0-Führung genutzt werden.

Umso verwunderlicher, dass der Treffer den Gastgebern nicht die nötige Sicherheit verlieh: Die Borussen leisteten sich speziell in den darauf folgenden Minuten unnötige Ballverluste im Spielaufbau und offenbarten Abstimmungsprobleme in der Defensive. Einmal verfehlte der starke Eljero Elia das Dortmunder Tor nur knapp (17. Minute), einmal scheiterte der neu verpflichtete Bremer Flügelstürmer an Roman Weidenfeller (18). Sechs Minuten später hatten die Gäste Pech, als Marco Arnautovic den Pfosten traf. "Das Ergebnis ist gut, wichtig waren die drei Punkte, aber die Art und Weise hat mir nicht gefallen", sagte Dortmunds Nationalspieler Mats Hummels.

Die Bremer, bei denen mit Theodor Gebre Selassie, Kevin de Bruyne und Elia drei Zugänge in der Startelf standen, zeigten ein flinkes Kombinationsspiel und machten den Dortmundern das Leben schwerer als erwartet. Werder-Coach Thomas Schaf ließ seine Mannschaft in einem flexiblen 4-3-3-System agieren, das nach Ballverlusten zu einem 4-1-4-1 wurde, um die Defensive zu stärken. Insbesondere das Offensivtrio Arnautovic, de Bruyne und Elia harmonierte gut. "Am Ende hat das Quäntchen Glück gefehlt", haderte der Bremer Kapitän Clemens Fritz, "Bei den Dortmundern springt der Ball vom Pfosten rein, bei uns vom Pfosten weg."

Schwachpunkt der Dortmunder war das Defensivverhalten. In der Rückwärtsbewegung waren die Mittelfeldspieler wenig konsequent, so bekam speziell die rechte Abwehrseite, wo der neu verpflichtete Oliver Kirch den wegen einer Muskelverhärtung fehlenden Lukasz Piszczek ersetzen musste, einige Probleme. Es gehe darum, erneut die nötige Gier zu entwickeln, um erfolgreich sein zu können, hatte Klopp seinen Spieler vor Anpfiff mit auf den Weg gegeben - seine Spieler beherzigten es nur zum Teil.

So blieben die Bremer auch in der zweiten Halbzeit immer gefährlich. Wie groß noch die Abstimmungsprobleme beim Meister sind, offenbarte die 75. Minute, als Arnautovic ungehindert flanken und Gebre Selassie ungestört zum 1:1 einköpfen konnte. Dabei wäre es geblieben, hätte Klopp nicht mit der Einwechselung von Götze bewiesen, dass er auch neuen Saison ein glückliches Händchen hat.