Hertha

Pleitentournee durch Wuppertal, Kiel und Koblenz

Es gibt nur wenige Orte in Deutschland, wo sich Hertha im DFB-Pokal noch nicht blamiert hat

- Hertha BSC hat in Worms eine peinliche Tradition fortgesetzt: das permanente Ausscheiden gegen unterklassige Mannschaften. Egal, ob die Trainer Jürgen Röber, Huub Stevens, Lucien Favre oder Jos Luhukay heißen, egal, welche Spielergeneration auf dem Platz gestanden hat: Kein Verein im deutschen Profifußball dürfte sich so oft als Favorit blamiert haben wie der Hauptstadt-Klub.

Im Oktober 2010 ließen sich die Berliner von einem 61-Meter-Tor bei Drittligist TuS Koblenz übertölpeln, Raffael kassierte die Rote Karte, am Ende hieß es 1:2. Im Oktober 2007 gegen den Wuppertaler SV hatte Josip Simunic eine seiner Jähzorn-Attacken, kassierte ebenfalls die Rote Karte - Hertha unterlag mit 0:2. Noch peinlicher war der Auftritt des damaligen Bundesligisten beim drittklassigen FC St. Pauli kurz vor Weihnachten 2005. Die Mannschaft mit den Stars Marcelinho, Gilberto, Niko Kovac, Bastürk, Pantelic und Friedrich führte in der Verlängerung mit 3:2, ging am Ende am Millerntor jedoch mit 3:4 unter.

Unvergessen auch der selbstgefällige Auftritt von Alexander Madlung in Braunschweig. Der Hertha-Verteidiger gab in seiner Heimatstadt fleißig Autogramme, während der Berliner Mannschaftsbus im Dunkel der Nacht verschwinden wollte. Madlung war beim Bundesligisten nach 76 Minuten eingewechselt worden - und hatte mit einem Eigentor 120 Sekunden später das 2:3 von Hertha beim damaligen Drittligisten Eintracht Braunschweig verschuldet. Irgendwann reichte es Kapitän Dick van Burik, er brüllte aus dem Bus: "Alex, spinnst du eigentlich? Wir wollen los."

Im September 2004 hatte sich Hertha nach Strich und Faden bei Drittligist Holstein Kiel blamiert. Der Bundesligist hatte sich nach 120 Minuten zu einem 1:1 gestolpert. Im Elfmeterschießen verschossen alle Berliner Profis: Roberto Pinto, Andreas Schmidt und Michael Hartmann, 3:0 stand am Ende auf der Anzeigetafel des Holsteinstadions.

Nur der Vollständigkeit halber sei das Scheitern als Bundesligist gegen Zweitligisten erwähnt: Im September 2009, als Hertha im Elfmeterschießen an 1860 München scheiterte (2:2, 1:4), unter anderem, weil Kapitän Arne Friedrich entgegen der Anweisung von Trainer Lucien Favre nicht zum Strafstoß antreten wollte. Im Oktober 1998 führte Zweitligist und Lokalrivale Tennis Borussia Hertha BSC vor, der Bundesligist um Michael Preetz, Kjetil Rekdal, Dariusz Wosz und Rene Tretschok war mit dem 2:4 vor 40.120 staunenden Zuschauern im Olympiastadion noch gut bedient.

Damit nicht genug: Die Reihe der Peinlichkeiten lässt sich verlängern. Im Oktober 1999 brachte Hertha mit Preetz, Deisler, Roy und Thom das unrühmliche Kunststück fertig, als Bundesligist bei einer Überzahl von elf gegen neun Spieler dennoch bei einem Zweitligisten zu verlieren. Beim FSV Mainz waren Jürgen Klopp (Gelb-Rot/63. Minute) und Marcio (Rot/ 99.) vom Platz geflogen. Resultat nach 120 Minuten: Mainz 2, Hertha 1.