Aufstellung

Hertha setzt auf Routinier Franz und Schüler Sprint

Viertligist Worms ist Erstrunden-Gegner

- Erwartet wird eine Rekordhitze. 36 Grad sind für Rheinland-Pfalz vorhergesagt. Weshalb auf der Internetseite von Wormatia Worms die Besucher des DFB-Pokalspiels fürsorglich darum gebeten werden, sich "vorher mit Sonnenmilch einzucremen und eine Mütze mitzubringen". Damit der Favorit Hertha BSC heute ab 14.30 Uhr beim Südwest-Regionallisten auf alles vorbereitet ist, hat Trainer Jos Luhukay bereits unter der Woche in Berlin beim Training darauf geachtet: Bis zu fünf Liter sollen die Spieler trinken, um die erwartete Hitzeschlacht zu bestehen.

Wäre der DFB-Pokal ein Wunschkonzert, sagt Trainer Luhukay, würde Hertha zur Pause so hoch führen, dass die Partie da bereits entschieden wäre. Doch beim Anhang in Berlin gibt es ein weitverbreitetes Pokal-Unbehagen. Zu oft sind die Blau-Weißen an unterklassigen Gegnern gescheitert. Hier sei nur erinnert an das Aus bei den (damaligen) Drittligisten TuS Koblenz im Oktober 2010 (1:2), beim Wuppertaler SV im Oktober 2007 (0:2) oder beim FC St. Pauli im Dezember 2005 (3:4 n.V.). Natürlich lässt Luhukay die Vergangenheit nicht gelten, sondern schaut nach vorn. Sein Ziel heute in Worms ist unmissverständlich: "Für den Verein Hertha BSC, für die Mannschaft und für jeden Einzelnen bei uns ist es wichtig, die zweite Runde im Pokal zu erreichen."

Sportlich darf man gespannt sein auf die Reaktion der Mannschaft nach dem ebenso deutlichen wie öffentlichen Donnerwetter des Trainers nach der 1:3-Pleite beim FSV Frankfurt. Youngster Marvin Knoll sagte: "Ich fand die Reaktion vom Trainer gut. Das war ein Weckruf." Auch Kapitän Peter Niemeyer meint: "Die Leistung die wir gebracht haben, hat so eine Reaktion gerechtfertigt. Das ist bei der Mannschaft gut angekommen. Es waren klare Worte, ich mag klare Worte."

In der Aufstellung des Zweitligisten wird es im Pokal-Erstrundenspiel Veränderungen geben. Im Tor wird der A-Jugendliche Philip Sprint (19) stehen. Der Schüler soll Spielpraxis bei den Profis sammeln. Schließlich sind für die kommende Zweitliga-Partie gegen Jahn Regensburg sowohl Thomas Kraft als auch Sascha Burchert gesperrt. In der Abwehr gibt nach achtmonatiger Zwangspause Maik Franz (31) sein Comeback, er ersetzt den ebenfalls gesperrten Manndecker Roman Hubnik. Auch Fabian Lustenberger und Peer Kluge werden wohl auflaufen. Die Rotation will Luhukay nicht als Strafe verstanden wissen. Aber er ist nach wie vor auf der Suche nach einer Formation, "die als echtes Kollektiv auftritt."

606 Kilometer südwestlich von Berlin erwartet Hertha "ein David-gegen-Goliath-Spiel", so Peter Niemeyer. "Es wird so sein, dass die unterklassige Mannschaft sich durch Ehrgeiz und Motivation auf ein anderes Level hocharbeitet. Das wird eine schwere Aufgabe."

Neben sportlichen Aspekten geht es für Hertha auch ums Prestige. Zwar kann der Bundesliga-Absteiger, dessen Ansehen in den vergangenen sieben Monaten bundesweit heftig gelitten hat, im Fall eines Sieges nichts gewinnen. Im Fall einer Niederlage indessen...Und Hertha sollte gewarnt sein: Der haushohe Favorit TSG Hoffenheim und Trainer Markus Babbel haben gestern beim Berliner AK erlebt, wie sich eine Pokal-Blamage anfühlt.

Und wie immer geht es im Profifußball auch ums Geld. Im ERW-Stadion will Hertha den Grundstein für einige Zusatzeinnahmen legen. Bekanntlich weist die Etatplanung für diese Saison bislang deutlich mehr Ausgaben als Einnahmen aus.

"Wir haben im Vorjahr gesehen, wie schnell es gehen kann, wenn man die ersten Runden übersteht", sagte Manager Michael Preetz. Erst im Viertelfinale des DFB-Pokals war Endstation für Hertha mit einer unglücklichen Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach (0:2 n.V.). Wirtschaftlich bescherte der Wettbewerb Hertha eine Einnahme von zwei Millionen Euro.

Für die Erstrunden-Teilnahme fließen aktuell 109.000 Euro in die Klubkasse. Die zweite Pokalrunde ist dann bereits mit mindestens 273.000 Euro dotiert.