Olympia

Verliert Superstar Phelps seine Medaillen?

Zu früh in Umlauf gebrachte Werbebilder verletzen eine IOC-Regel. Steffen Deibler könnte nachträglich Bronze bekommen

- So eine Badewanne in der Mitte eines großen Raumes hat etwas von Luxus. Wenn dann auch noch Schwimmstar Michael Phelps darin planscht und cool in die Kamera blickt, ist nicht mehr viel an diesem Bild auszusetzen. Wozu er die Schwimmbrille braucht, bleibt zwar ein Rätsel, aber vielleicht ist sie das neue Accessoire - so wie die Luxustasche neben der Wanne. Szenenwechsel. Phelps sitzt, die Beine leger übereinander geschlagen, auf einem Sofa. Sein Anzug ist schwarz und dreiteilig, die Krawatte gut gebunden. Neben ihm sitzt, mit einer Tasse Tee in der Hand, die 77-jährige ehemalige Kunstturnerin Larissa Latynina. Das ist zweifelsohne ein Coup - die zwei meistdekorierten Sportler Olympischer Spiele in einer gemeinsamen Werbekampagne.

So weit, so schön. Schön ist das alles für Michael Phelps, der daran gut verdienen wird. Für ein französisches Luxuslabel, weil es den größten Schwimmer aller Zeiten als Botschafter gewinnen konnte. Und für die Frauen, die noch einmal die Bauchmuskeln des abgetretenen US-Stars bestaunen können. Die Sache hat jedoch einen Haken: Michael Phelps könnte diese Werbekampagne mit seinen sechs olympischen Medaillen aus London bezahlen. Daran glaubt zwar keiner so recht, aber Fakt ist: Diese Fotos sind zu früh in Umlauf geraten und haben eine Regel des Internationalen Olympischen Komitee (IOC) verletzt. Die Aufregung ist groß.

Es geht um Regel 40 der olympischen Charta, mit der das IOC seine Top-Sponsoren schützen will. Kurz vor den Spielen, währenddessen und kurz danach dürfen Athleten nicht ihre eigenen Sponsoren oder Marken präsentieren. Dieses Mal galt die Sperre bis zum 15. August. Wer sich nicht daran hält, kann seine Olympia-Medaillen verlieren. Für Phelps würde das bedeuten, dass er statt insgesamt 22 olympischer Medaillen nur noch 16 hätte.

Eigentlich wäre alles problemlos gelaufen: Der Start der Kampagne war für den 16. August geplant. Doch die Bilder kursierten schon vorher im Internet. Die Frage ist nun: Wer hat die olympische Regel verletzt?

Sowohl das Label als auch Phelps-Manager Peter Carlisle sahen sich schon zu dem Statement genötigt, dass keiner von ihnen etwas damit zu tun habe. "Michael hat die Regel nicht verletzt. Alles was zählt, ist, ob der Athlet dieser Nutzung zugestimmt hat. Und Michael hat diese Bilder nicht freigegeben", sagt Carlisle. Es ist schwer vorstellbar, dass ein Profi wie Phelps mit einem professionellen und erfahrenen Management solch einen Fehler begeht. Nicht weniger wahrscheinlich ist, dass das Luxuslabel bewusst den Groll eines weltbekannten Sportlers und der Sportnation USA auf sich zieht. Am ehesten kommt da ein Akt eines Einzelnen, eines Unwissenden in Frage. Nichtsdestotrotz sei ein kleiner Schlenker erlaubt: Sollte Phelps tatsächlich seine Medaillen aus London verlieren, kämen die deutschen Beckenschwimmer doch noch zu einer Olympia-Medaille aus dem Jahr 2012. Steffen Deibler schlug über 100 Meter Schmetterling beim Sieg von Phelps als Vierter an. Er hätte Bronze, wenn der Amerikaner Gold zurückgeben müsste. Deibler aber sagt: "Ich würde es ungerecht finden, wenn Michael Phelps aus diesen Gründen die Medaillen aberkannt würden."