DFB-Pokal

Berliner Viertligist wird zu Babbels Albtraum

Der BAK gewinnt im Poststadion mit 4:0 gegen Bundesligist Hoffenheim. Cakmak (2), Gerlach und Kruschke sorgen für eine Pokal-Sensation

- Keine Zeit, einfach keine Zeit. Metin Cakmak stand da mit seinem roten Turban-Verband, völlig verschwitzt, mit Badelatschen, und er wollte so gern erzählen. Aber hinter ihm zog und zerrte dauernd jemand. "Metin muss jetzt!" Aber Metin beantwortete noch eine Frage, und noch eine. Wann hören ihm schon mal alle gebannt zu, diesem Fußballspieler aus der Vierten Liga. "Metin muss jetzt wirklich zum Flugzeug!" Dann ging er mit, denn ihm stand noch viel Größeres bevor. Das ZDF hatte ihn eingeladen ins Aktuelle Sportstudio, ganz spontan, weil sein Verein in der ersten Runde des DFB-Pokals für eine Sensation gesorgt hat. Der Berliner AK 07 fertigte den Bundesligisten 1899 Hoffenheim brutal mit 4:0 (3:0) ab - und Metin Cakmak traf dabei zweimal.

Sportstudio also, der Name BAK schaffte es an diesem Tag, in ganz Deutschland die Runde zu machen. Das wird lange in Erinnerung bleiben. Nicht nur wegen der unglaublichen Geschichte dieses Sonnabendnachmittags, wo bei drückender Hitze ein kleiner Berliner Sportverein mit einem Etat von 300.000 Euro, aber unglaublich viel Herz und Charakter, einen Klub bis auf die Knochen blamierte, der zweistellige Millionenbeträge für seine Zugänge ausgegeben hat. "Dass es so gut laufen würde, dass wir unsere Chancen so eiskalt reinmachen, hätte ich nicht gedacht", sagte Cakmak. Genauso wenig, wie jemand damit gerechnet hätte, dass die Aufmerksamkeit im ganzen Land, die sich der Klub so wünschte, ein solches Ausmaß annehmen würde.

Sonst interessiert sich nämlich kaum jemand für die tapferen Pokal-Helden. Nach Spielschluss dauerte es kaum zehn Minuten, bis die Tribünen im Poststadion leer waren, keine großen Jubelstürme, keine minutenlangen La Olas. Es waren nur 1468 Besucher dort. "Hoffentlich hilft uns das jetzt, etwas bekannter zu werden", sagte Philip Malinowski. Der meiste Andrang herrschte da gerade am Bus der Verlierer aus Hoffenheim.

Markus Babbel war das sichtlich peinlich. Der Mann ist in Berlin bekannt, führte Hertha BSC als Trainer in die Bundesliga und lieferte sich mit dem Klub dann eine unrühmliche Trennungsschlacht. Nun war er mit Hoffenheim wieder in der Stadt. "Langsam wird Berlin mir unsympathisch", sagte er. Es war ein Scherz, aber einer, der ihm nicht leicht über die Lippen ging. Überhaupt musste er Worte finden, die ihm allesamt nicht gefallen haben. "Das Schockierendste für mich war nach dem 2:0 diese Einstellung, dieses Schultern-hängen-lassen, das Sich-gegenseitig-anmaulen. Das hat mich irritiert", sagte Babbel. Obwohl es fast unnötig war, das zu sagen, das kollektive Versagen seines Ensembles hatte jeder gesehen.

Am Anfang wirkte es nur, als sei Hoffenheim noch nicht ganz raus aus der Kabine, als Cakmak nach nicht einmal drei Minuten Torhüter Tim Wiese mit einer Bogenlampe überwand. Kurz danach bekam der Torschütze seinen Kopfverband. "Ich weiß gar nicht, wobei das passiert ist. Es tut aber auch nicht weh", sagte er im Adrenalinrausch. Schon bald nach dem Treffer wurde aber deutlich, dass die Gäste trotz des großen Ligenunterschieds Probleme bekommen würden. Der BAK stand weit hinten und sehr dicht bei den Gegenspielern, ließ kaum eine Ballannahme ungehindert zu. "Es ist auch schwer, gegen so einen tief stehenden Gegner zu spielen", nahm Malinowski den Gegner fast in Schutz. Fast jeder Ball der Hoffenheimer nach vorn kam postwendend zurück, meist sogar so, dass daraus gefährliche Konter entstanden. Zwei davon wurden wegen mangelhafter Abseitsfallen zu Toren. Beide Male spielte Christian Siemund den tiefen Pass, einmal traf Justin Gerlach (31.), ein Innenverteidiger, das 3:0 besorgte Kevin Kruschke (41.).

Die paar Fans aus Hoffenheim hielten es da nicht mehr aus, sie pöbelten und riefen die Polizei ganz kurz auf den Plan. Wenig später waren sie komplett bedient und rollten ihre Fahnen ein, als Cakmak einen verunglückten Abschlag von Wiese in das 4:0 umwandelte (48.). "Wir haben uns gut vorbereitet und genau umgesetzt, was der Trainer wollte", erzählte Cakmak. Coach Jens Härtel hatte ganz penibel gearbeitet, Videoanalysen aller Hoffenheimer Spieler angefertigt und seinen Jungs dazu noch etliche Notizen über den Gegner mit auf den Weg gegeben. "Das war nicht nur Glück, wir haben alles dafür gegeben", so Malinowski. Hoffenheim verzweifelte letztlich an diesem BAK, nur bei einer einzigen Gelegenheit, bei der der frühere Berliner Sejad Salihovic verpasste (78.), erzeugte der Bundesligist mal einen Hauch von Gefahr. Als Salihovic zum Bus ging, wurde er von einem Fan gefragt. "Man Alter, wat war da los?" Eine Antwort bekam er nicht.

Vor zwei Jahren war der BAK noch in der ersten Runde an Mainz knapp mit 1:2 gescheitert. Das war bis dato der größte Erfolg in der Geschichte des Klubs, der im Fußball erst seit Beginn der 90er Jahre auf der Bildfläche ist. Für Präsident Mehmet Ali Han war es ein teurer Tag, die Mannschaft hatte vorher eine Prämie von etwa 25.000 Euro ausgehandelt. Und die Feier kostete bestimmt auch einiges. "Heute war sowieso ein Mannschaftsabend geplant, der fällt jetzt noch ein bisschen größer aus", kündigte Verteidiger Denis Osadchenko an. Für Metin Cakmak galt das nicht, der war ja in Mainz.