Trainer

Werbefachmann macht Herthas Pokalgegner stark

Ex-Nationalspieler Borchers trainiert Wormatia Worms

- Wenn der Nachwuchs im Training am Ball ist, geht es bunt zu. Der eine kommt zum Beispiel im Bayern-Trikot, der nächste trägt Manchester United, ein anderer Real Madrid. Auch in Worms. Aber Ronald Borchers hat zuletzt eine Veränderung festgestellt. "Die Kinder tragen wieder Wormatia-Trikots", sagt Borchers. Nur eine kleine Beobachtung, aber doch eine erfreuliche Entwicklung, "eine Bestätigung für unsere Arbeit", sagt der Wormatia-Trainer.

Nun denkt die breite Öffentlichkeit beim Stichwort Worms immer noch eher an die zurzeit laufenden Nibelungen-Festspiele als an den Verein für Rasenspiele Wormatia Worms 08 und Fußball. Aber der Klub hat zuletzt für viele positive Schlagzeilen gesorgt. Das hatte in der jüngeren Vergangenheit des ehemaligen Zweitligisten Seltenheitswert. 2009 und 2010 war die Wormatia sportlich aus der Regionalliga abgestiegen. Klingt kurios, ist jedoch angesichts der mitunter bizarren Abstiegsentscheidungen unterhalb der Zweiten Liga möglich. Beide Male gab es aus finanziellen Gründen genug Zwangsabsteiger. Im September 2010 steuerte der Klub erneut zielgerichtet dem Tabellenende entgegen und die Vereinsführung entschied sich, den früheren Nationalspieler Ronald, genannt Ronny, Borchers als Trainer zu holen.

Mit ihm hielt die Mannschaft die Klasse und lieferte danach "auch mit ein bisschen Glück bei den Verpflichtungen neuer Spieler" (Borchers) erstmals seit langem eine Saison fern der Niederungen ab. Am Ende stand völlig überraschend Rang vier, und der Gewinn des Südwestpokals bedeutete die Eintrittskarte für den DFB-Pokal. Dort empfängt Wormatia am Sonntag in der ersten Runde Hertha BSC. Wenn einer beim Außenseiter weiß, wie sich DFB-Pokal anfühlt, dann Borchers. 1981 gewann er ihn mit Eintracht Frankfurt, erzielte beim 3:1 gegen Kaiserslautern ein Tor und bereitete eins vor. Als sein größtes Spiel hat er diese Partie einmal bezeichnet. Der feine Techniker von einst, der an guten Tagen gegnerische Abwehrspieler in den Wahnsinn trieb, aber auch manchen Trainer auf die Palme brachte, ist heute Chef einer Werbeagentur. Doppelbelastung als Problem? Ach was, sagt Borchers: "Ich habe Glück, dass mir meine beiden Mitarbeiterinnen viel Arbeit abnehmen." An trainingsfreien Tagen ist er dennoch auf Kundenterminen unterwegs.

Gut 22 Monate ist der 55-Jährige inzwischen in Worms. Nicht nur tabellarisch oder in Sachen Oberbekleidung beim Jugendtraining hat sich seitdem einiges geändert "Als ich hier anfing", erinnert sich Borchers, "hatten wir beim Training keinen Physiotherapeuten dabei". Verletzte Spieler konnten nicht gleich behandelt werden. Eine weitere Verbesserung der Infrastruktur in Form eines neuen Funktionsgebäudes ist beschlossene Sache.

Viele Trainer in der Regionalliga Südwest sehen Worms schon jetzt als Kandidaten für die ersten beiden Plätze, die zur Teilnahme an der Aufstiegs-Relegation berechtigen. "Wir sprechen in dieser Saison nicht vom Aufstieg, die Entwicklung soll Schritt für Schritt gehen", sagt dagegen Borchers. Zunächst einmal muss der Kader größer werden, Wormatia kommt mit Nachwuchsspielern auf knapp 20.

Der Saisonauftakt belegt, dass seine Worte wohl mehr als das übliche Weiterreichen der Favoritenbürde sind. Sowohl gegen Bayern Alzenau als auch gegen die zweite Mannschaft von Kaiserslautern gab es nur ein Unentschieden. Oder, wie Borchers nach dem Spiel gegen Alzenau sagte: "Mal so richtig einen auf die Nase" für seine junge Mannschaft, die in der Vorbereitung unter anderem mit einem 2:0 gegen Drittligist SV Darmstadt 98 hatte aufhorchen lassen.

Aber Alzenau oder Lautern II interessieren nun erst einmal nicht mehr. Jetzt betritt Wormatia die nationale Bühne, erst zum vierten Mal in den letzten 20 Jahren. Und dafür haben sie im Klub hinter den Kulissen mächtig gewirbelt. Statt der üblichen - und mehr als ausreichenden - Kapazität von 5400 Plätzen dürfen gegen Hertha dank der Öffnung sonst gesperrter Tribünen 7500 Fans rein. Am Sonntag, wenn die Nibelungen-Festspiele enden.