Publikumsmagnet

Leichtathletik auf dem Sprung

Mit der Veranstaltung "Berlin fliegt" kommen die Olympiaasse direkt zu den Menschen

- Leichtathletik ist in. Zumindest bei den Fernsehzuschauern in Deutschland. In keiner anderen Sportart wurden bei den Olympischen Spielen in London so hohe Einschaltquoten verzeichnet wie bei den Läufern, Springern und Werfern. Spitzenreiter war Diskuswerfer Robert Harting, bei dessen Goldwurf mehr als 10 Millionen vor den TV-Geräten dabei waren. Nummer zwei in der Rangliste ging auch an die Leichtathletik: Usain Bolts 100-Meter-Sieg sahen gut 8 Millionen. "Der Schwung soll mitgenommen werden", sagt Frank Hensel, der Generalsekretär des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), mit Blick auf den kommenden Sonntag.

Dann wird auf dem Pariser Platz zwar weder Robert Harting seinen Diskus übers Brandenburger Tor werfen, noch wird Bolt durchs Tor sprinten, dennoch gibt es ab 13.00 Uhr dort Spektakuläres zu sehen. Nach dem großen Erfolg im Vorjahr gibt es eine Neuauflage von "Berlin fliegt". Bei dem Wettkampf treten vier Nationen (Deutschland, Frankreich, Russland und die USA) mit jeweils einer Weitspringerin, einem Weitspringer und einem Stabhochspringer in vier Runden gegeneinander an. Jeder Versuch zählt. Es sei ein Wettbewerb, der "weltweit ein Unikat darstellt", betont Hensel.

Zuschauer haben freien Eintritt

Der Eintritt ist frei, von 13.15 Uhr an überträgt die ARD live aus der "Hauptstadt der Leichtathletik", wie Hensel sagt. "Nach dem Olympiasieg von Robert Harting kann man Berlin ja jetzt so nennen." Die historische Kulisse rund um das Brandenburger Tor wird entsprechend schöne Bilder vom Länderkampf liefern.

Die Besetzung des vom DLV veranstalteten Events ist erstklassig. "Für B-Promis ist kein Platz", erklärt Frank Lebert, Geschäftsführer der Deutschen Leichtathletik Promotion- und Projekt GmbH, die gemeinsam mit der MMP Veranstaltungs- und Vermarktungs GmbH den Wettkampf organisiert und vermarktet. Für die USA starten im Weitsprung Olympiasiegerin Brittney Reese und der Dritte von London, Will Claye, der im Dreisprung dazu noch Silber holte. Ex-Weltmeister Brad Walker (Stabhochsprung) komplettiert Team USA. Bei den Russen sticht der Olympiavierte im Stabhochsprung, Dimitri Starodubtschew, heraus, bei Frankreich Siebenkampf-Europameisterin Antoinette Ida, die im Weitsprung antritt. Deutschland schickt Sebastian Bayer, den Weitsprung-Europameister, Sosthene Moguenara, die EM-Vierte im Weitsprung, und Stabhochspringer Björn Otto, in London mit Silber dekoriert. Als Ersatzmann ist auch der drittplatzierte Raphael Holzdeppe dabei. Als "Edeljoker", wie es Lebert nennt.

Trotz der Spiele in London mit acht Medaillen - die Leichtathletik in Deutschland hat es nicht leicht, immer weniger Stadien haben Laufbahnen, die Zahl der deutschen Meetings geht dramatisch zurück. Rühmliche Ausnahme ist das Stadionsportfest Istaf, das jedes Jahr mehr als 50.000 Zuschauer ins Berliner Olympiastadion zieht. Die Sportart muss kämpfen, an Attraktivität gewinnen, sich aufhübschen. Da sind Erfolge der Leuchttürme wie Harting oder Otto zuletzt in London wichtig und hilfreich. Es muss aber auch mit neuen Ideen, Kreativität und Mut zu Innovation und veränderter Dramaturgie das Publikum angesprochen werden. "Wir müssen zu den Menschen gehen", sagt Hensel. Wie mit "Berlin fliegt".

Es fehlt an Meetings

Events in diesem Stil können und werden aber nicht allein die Zukunft der Leichtathletik sein. Dessen ist man sich auch beim DLV im Klaren. In der kommenden Woche wollen sich die Verantwortlichen zusammensetzten, um zu beraten, wie man künftig mit dem Thema Meetings umgehen wird. Hensel weiß, "dass jungen Athleten und Sportlern aus der zweiten Reihe" Startmöglichkeiten in Deutschland fehlen. "Und bei großen internationalen Meetings bekommen sie ja so gut wie keine Plätze." Ein Dilemma, das dadurch noch eher verstärkt wurde, dass der DLV - wie schon 2011 - in diesem Jahr erneut auf seine eigene "Gala" verzichtet hat. Auch das wird ein Thema sein.

Die Sprung- und Flugshow am Brandenburger Tor dient dem Verband und der Stadt auch dazu, "bella figura" zu machen: Berlin und der DLV haben sich um die Austragung der Leichtathletik-Europameisterschaft 2018 beworben. Etliche Council-Mitglieder des europäischen Verbandes EAA werden in der Hauptstadt erwartet. Ihnen soll auf dem Pariser Platz demonstriert werden, wie Berlin auf Leichtathletik fliegt.