Nationalmannschaft

Neuanfang mit Niederlage

DFB-Team verliert 1:3 gegen Argentinien. Rot für Torwart Zieler, Eigentor von Khedira

- Es sollte ein Neuanfang sein, ein Spiel gegen die Enttäuschung und gegen die Zweifel, die sich nach dem verlorenen Halbfinale der Europameisterschaft über den Glanz der deutschen Nationalmannschaft gelegt hatten. Doch das 1:3 (0:1) gegen Argentinien taugte nicht, um neues Selbstbewusstsein aufzubauen. Auch wenn die Umstände der Niederlage unglücklich waren, immerhin spielte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw eine Stunde in Unterzahl, weil Torhüter Ron-Robert Zieler die Rote Karte sah. "Wir hatten uns viel vorgenommen", meinte Sami Khedira, "und haben bis zur Roten Karte vieles umgesetzt." Löw sagte: "Die Rote Karte hat uns ins Hintertreffen gebracht. Dann kam auch noch das Eigentor hinzu. Danach war es schwer für uns." Der argentinische Sieg sei verdient gewesen, gab Khedira zu.

Der Druck auf die Nationalmannschaft war groß. Natürlich auch, weil immer noch die EM in der Luft lag. Aber das Publikum hatte die Enttäuschung über das 1:2 gegen Italien offenbar aus den Klamotten geschüttelt hatte, jedenfalls wurden die Spieler mit Applaus empfangen. Auch wenn das Raunen ungleich lauter war, als der Name des argentinischen Kapitäns auf dem Videowürfel erschien: Lionel Messi. Und als bei der argentinischen Hymne der Spielmacher des FC Barcelona eingeblendet wurde, brandete spontaner Jubel auf. Das hat es bei einem gegnerischen Spieler auch lange nicht mehr gegeben. Der Weltfußballer des Jahres konnte zusehen, wie sein deutsches Pendant geehrt wurde. Marco Reus wurde zum Spieler der abgelaufenen Saison gewählt. Und die erste Premiumaktion des Spieles gehörte auch dem Neu-Dortmunder, der sich nach zwei Minuten genial durch die argentinische Abwehr schlängelte, für seinen Pass in die Mitte allerdings keinen Abnehmer fand. Das klappte in der zwölften Minute besser, als er Miroslav Klose steil schickte, dessen Hereingabe Mesut Özil dem argentinischen Torhüter Sergio Romero vor die Schienbeinschoner schoss.

Für die Hitze und den Termin kurz vor Saisonstart war es ein munteres Spielchen. Bitter für Bundestrainer Löw war die frühe Auswechslung von Mats Hummels (24.), der nach einem Zusammenstoß mit Gonzalo Higuain eine leichte Halswirbelverrenkung davontrug; Benedikt Höwedes ersetzte ihn. Noch bitterer die 30. Minute, als Torwart Ron-Robert Zieler den heranstürmenden Jose Sosa von den Beinen holte, Schiedsrichter Jonas Eriksson auch in einem Freundschaftsspiel die Regeln konsequent auslegte und neben Strafstoß auf Platzverweis entschied. Es war der erste Platzverweis eines deutschen Torhüters im 864. Länderspiel.

Zieler war für den verletzten Manuel Neuer ins Team gerückt, nun musste der dritte Torwart Marc-Andre ter Stegen ran. Der sah sich plötzlich Auge in Auge mit Messi. Der 20-jährige Gladbacher blieb cool: Lange blieb er stehen, tauchte dann nach links ab und hielt den Schuss des Superstars sogar fest. Dann die Nachspielzeit der ersten Hälfte: Da hielt Sami Khedira seinen Fuß in einen argentinischen Eckball und fälschte das Leder ins eigene Tor ab. Ein Abend der Kuriositäten.

Auch nach Wiederanpfiff war dem deutschen Spiel die Unterzahl nicht anzumerken. Kaum fünf Minuten waren gespielt, da zog der überragende Reus ab, sein abgefälschter Ball klatschte an den Pfosten, und als Özil den Ball dann versenkte, entschied der Referee auf Abseits. Im Gegenzug überrannte Higuain die deutsche Abwehr, und diesmal hatte ter Stegen keine Chance gegen Messi: Sein Schuss schlug zum 2:0 ein (52.). Das zog dem Spiel den Stecker. Die Deutschen konnten nicht mehr, die Argentinier ergötzten sich an Ballstafetten. Und hätte Angel di Maria in der 73. Minute nicht aus 30 Meter so dermaßen wuchtig abgezogen, dass ter Stegen nicht einmal Zeit blieb, ein verdutztes Gesicht zu machen, hätten die Zuschauer wohl mit einem Schulterzucken den Heimweg angetreten. Das 0:3 tat weh, und den Schmerz konnte auch der wunderschöne Flugkopfball von Benedikt Höwedes zum 1:3 in der 82. Minute nur lindern. Schlusswort des Schalkers: "Das erste Länderspiel-Tor ist schön, aber enttäuschend ist die Niederlage."