Boxen

Leiser Zweifel am Ring

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Matthias Brzezinski

Sauerland-Team zurückhaltend vor Abrahams WM-Kampf gegen Stieglitz

- Eines der deutlich häufiger als sonst gewählten Worte im Sprachgebrauch des Sauerland-Profiboxteams ist momentan "normalerweise". Teamchef Wilfried Sauerland leitete seine Einschätzung zum bevorstehenden Weltmeisterschaftskampf zwischen seinem Schützling Arthur Abraham und Titelverteidiger Robert Stieglitz wie folgt ein: "Es wird auf jeden Fall ein spannender Kampf. Es geht für beide Kämpfer um alles. Für mich wäre Arthur normalerweise der Favorit."

Trainer Ulli Wegner analysierte die Vorbereitungen des ehemaligen Champions auf das Duell im Supermittelgewicht (25. August, O2 World) gegen den Titelträger des Weltverbands World Boxing Organization (WBO) ebenso zurückhaltend. "Normalerweise muss sich Arthurs größere Schlagkraft durchsetzen. Er ist genauso erfahren wie Robert und sollte sich, wenn er sich an unsere Taktik hält, durch seine etwas bessere Physis den entscheidenden Vorteil verschaffen."

Normalerweise also. Das Wort steht durchaus für ein gewisses Maß an Unsicherheit. Arthur Abrahams Wechsel vom Mittel- ins Supermittelgewicht ist bislang nicht die Erfolgsgeschichte, die er hätte werden sollen. Der 32-jährige Ex-Champion konnte nicht überzeugen, erlitt bei vier Siegen auch drei Niederlagen. Stieglitz (31) dagegen ist im 76-Kilo-Limit zu Hause. Der gebürtige Russe lebt in Magdeburg und boxt seit 2001 für das SES-Team von Manager Ulf Steinforth.

Mittelprächtige K.o.-Quote

Der ausgebildete Sportlehrer bevorzugt einen Stil, der viel Bewegung, viele Aktionen, aber auch eine mäßige K.o.-Quote aufweist. Nicht eben ein Pluspunkt, zumal er auch nur durchschnittlich gute Deckungsqualitäten mitbringt. Beides kompensiert Stieglitz aber mit seinen Stärken sehr geschickt und seit Jahren erfolgreich. Die Kampfstatistiken der beiden Protagonisten machen das deutlich.

Stieglitz hat 42 seiner 44 Kämpfe gewonnen, davon 23 (Quote: 52,27 Prozent) vorzeitig. Abraham hat in 34 von 37 Kämpfen gesiegt, davon 27-Mal (Quote: 72,97 Prozent) vorzeitig. Das spricht für Abraham - normalerweise. Doch er hat ein wenig an Renommee eingebüßt. Seinen Siegen fehlte der aus dem Mittelgewicht gewohnte Glanz, und der auf ihm lastende Druck ist deutlich größer als jener auf Stieglitz. Verliert Abraham, droht das Karriereende.

Damit rechnet man im Team Sauerland aber nicht. "Arthur ist eher ein Wettkampftyp. Da ist das Sparring genau richtig für ihn. Da kommt über die Schlagkraft dann auch die nötige Sicherheit zur Kondition dazu", sagt Ulli Wegner mit einer großen Portion Überzeugung. Und Abraham stimmt zu. "Der Trainer hat recht. Ich mag die Sparringsphase. Ausdauerläufe zählen nicht zu meinen Lieblingsdisziplinen. Das Sparring hingegen macht mir wirklich Spaß - genau wie der Wettkampf. Schließlich bin ich Boxer geworden, um zu kämpfen."

Stieglitz hat seinen Weltmeister-Gürtel 2009 gegen den Ungarn Karoly Balzsay gewonnen und seither sechsmal erfolgreich verteidigt. Seine Gegner erreichen allerdings nicht annähernd die Klasse jener Kontrahenten, gegen die Abraham angetreten ist. Normalerweise spricht auch das für den Berliner.