Kommentar

Löw muss Spieler austauschen

| Lesedauer: 2 Minuten
Lars Wallrodt

Lars Wallrodt fordert Veränderungen im Nationalteam

Es war die wuchtigste Rede, die der deutsche Fußball in den vergangenen Jahren erlebte. Die Abrechnung von Bundestrainer Joachim Löw mit den Kritikern, die seine Spieler nach dem EM-Aus zu Memmen und Luxus-Versagern abstempelten, wird wohl nur dank ihrer geschliffenen Wortwahl kein Quotenrenner bei Youtube. Es war der Inhalt, der zählte, dort ging Löws Rundumschlag weit über eine Rechtfertigung hinaus.

Vieles in seinen Ausführungen war richtig. Pseudo-Diskussionen wie die, ob alle Spieler die Hymne mitsingen sollen, sind nicht "zielführend", um es mit Löws Worten auszudrücken. Auch die Leitwolfdebatte rührt nicht am Kern der Italien-Niederlage. Spieler wie Oliver Kahn oder Stefan Effenberg, als Urväter aller Leitwölfe angesehen, haben mit dem Nationalteam nichts gewonnen. Und Spanien, das Überteam unserer Zeit, hat mit Xavi und Andres Iniesta zwei taktgebende Spieler, die alles andere als gegnerzerbeißende Heißsporne sind. In einem Punkt aber liegt Löw falsch: Er sparte seine Spieler komplett aus in seiner Kritik.

Dass beiden Treffern von Mario Balotelli individuelle Fehler vorausgegangen waren und dass Spieler wie Lukas Podolski, Mario Gomez und der angeschlagene Bastian Schweinsteiger keinerlei Akzente gesetzt haben in diesem immens wichtigen Spiel, erwähnte Löw nicht. Auch wenn es für ihn spricht, seine Spieler öffentlich unbeschadet zu lassen, muss er nun intern klare Worte finden. Denn nicht nur im Italien-Spiel waren einige mit der neuen Situation überfordert, dass die Gegner eben nicht mehr fröhlich anrennen gegen das deutsche Team, sondern dass sie wegen dessen Stärke das Hauptaugenmerk auf die Defensive legen. Konterte sich die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika noch in die Herzen der Fans, so muss sie nun lernen, aus der Position der eigenen Dominanz heraus Spiele zu entscheiden.

Genau das wird Joachim Löws wichtigste Aufgabe werden in den zwei Jahren bis zur WM in Brasilien: Seinem Team ein System zu verpassen, das der neuen Stellung der DFB-Auswahl im Weltfußball gerecht wird. Das bedeutet aber auch, dass er sich von Spielern trennen muss, die dieser Aufgabe nicht gewachsen sind. Nur dann hat der Rundumschlag vom Montag seine Berechtigung.