London Calling

Das Beste zum Schluss - aber nicht für alle

Alexandra Gross über ein merkwürdiges Computer-Los in der Dressur

Computer machen uns das Leben leichter. Und wenn sie mal nicht spuren, kann man herrlich auf sie schimpfen, die Tastatur malträtieren oder dem Bildschirm einen leichten Klaps geben. Nur, es kommt halt keine Reaktion, da verpufft der Ärger meist so schnell, wie er gekommen ist. Streiten alleine macht ja auch keinen veritablen Spaß. So ist der Groll im deutschen Dressur-Lager über die Auslosung für den Einzel-Wettbewerb zwar groß, aber produziert auch nur halb so viel Wut. Weil ein Computer die Startreihenfolge festgelegt hat - per Zufallsgenerator. Und kein Mensch. Früher war eben alles besser, noch bei der Reit-WM 2010 in Lexington wurde per Menschenhand ausgelost. Wenn einem das Ergebnis nicht gefiel, konnte man wenigstens auf die vermeintliche Glücksfee geradeheraus sauer sein.

Pikant aber bleibt die Computer-Auslosung im Greenwich Park allemal. Da hatten die deutschen Dressurreiterinnen gerade ihr Team-Silber mit ihren Pflegern, Pferdebesitzern und dem Trainerstab gebührend gefeiert, da kam Equipe-Chef Klaus Roeser mit der Starterliste um die Ecke. Und fast blieb den Athletinnen ihr Dessert im Halse stecken. Denn laut Auslosung müssen heute Kristina Sprehe, Helen Langehanenberg und Dorothee Schneider direkt nacheinander ins Dressurviereck. Anschließend folgen noch alle drei britischen Reiter, die am Dienstag schon Mannschaftsgold gewonnen hatten. Und die Holländerin Adelinde Cornelissen. Damit dürfte es schwer werden mit der Einzelmedaille für Deutschland, denn erfahrungsgemäß bewahren sich die Richter die besten Bewertungen bis zum Ende auf. Ähnlich wie im Eiskunstlaufen. Motto: Das Beste kommt zum Schluss. Das ist nicht fair, aber sportliche Realität. Oder eben auch unsportliche. Wie man es eben nimmt.

Der deutsche Bundestrainer Jonny Hilberath jedenfalls nahm die Auslosung mit einem guten Schuss Galgenhumor auf: "Wir werden uns jetzt sicher nicht alle drei Einzelmedaillen schnappen." Und ganz Gentleman, bedachte er dann auch noch die britischen TV-Anstalten. "Es ist eine sehr günstige Reihenfolge für das britische Fernsehen." Nun ja, dem Computer sei Dank.