Triathlon

Frodeno wird bei Brownlee-Show guter Sechster

Seine Schritte wurden kürzer, das Tempo immer langsamer und dann stoppte er. Dabei waren es nur noch ein, vielleicht zwei Meter zum Ziel.

Triathlet Alistair Brownlee war jedoch weit davon entfernt, entkräftet aufzugeben oder mit letzter Energie über die Ziellinie zu kriechen. Der 24 Jahre alte Brite konnte es sich schlicht leisten. Mit der Nationalflagge als Umhang ging der Topfavorit nach 1,5 Kilometern Schwimmen, 40 Kilometern auf dem Rad und zehn Kilometern Laufen langsamen Schrittes ins Ziel - und legte sich erschöpft auf den Boden. Kurz danach lag der Spanier Javier Gomez neben ihm. Dann schon kämpfte sich der nächste Brownlee ins Ziel.

Der Triathlonwettbewerb geriet zu den erwarteten Festspielen der Brownlee-Brüder. Nur der kleine Spanier Gomez verhinderte den totalen Triumph. Jan Frodeno, 2008 sensationell Olympiasieger in Peking, kämpfte nach einer verkorksten Vorbereitung lange Zeit tapfer vorn mit und wurde Sechster. "Es war ein ganz harter Fight und ich bin glücklich, dass es so ausgegangen ist", sagte der 30-Jährige.

Bereits vor dem Rennen war klar: Wer hier im Hyde Park Gold oder Silber holen will, braucht ein Geheimrezept gegen dieses unglaubliche Brüderpaar. Sie leben zusammen, sie trainieren zusammen, sie puschen sich gegenseitig. "Sie haben schon immer ihre Duelle ausgetragen, Schach, Monopoly oder die Frage, wer eher aufsteht", erzählte ihr Vater Keith der Zeitung "Independent". "Der eine wäre ohne den anderen nicht dort, wo er ist."

Die Brownlees waren die Topfavoriten, die wohl nur durch einen Fehler oder ein Missgeschick zu besiegen sein würden. Alistair, 24 Jahre alt, hatte sich im vergangenen Jahr zum zweiten Mal den WM-Titel gesichert. Doch wie Frodeno war auch der Brite in der Olympiavorbereitung verletzt gewesen und erst Ende Juni in Kitzbühel in die WM-Serie gestartet. Brownlee hatte sich im Februar eine Achillessehnenverletzung zugezogen. Und dennoch konnte ihn die Konkurrenz schon in Kitzbühel nicht zähmen - Platz eins nach langer Wettkampfpause und Trainingsausfall. Dahinter lief sein zwei Jahre jüngerer Bruder Jonathan ein. Der hatte zuvor die Abwesenheit seines Bruders genutzt und zwei große Rennen gewonnen. Jetzt in London hatten sich einen Kilometer nach dem Wechsel auf die Laufstrecke die Brownlees und Gomez von allen anderen abgesetzt. Frodeno, zuvor noch ganz vorn mit dabei, lief als Sechster, Steffen Justus auf Platz 16 und Petzold auf Rang 31 ins Ziel. Dort, wo vorher die Brownlees gelegen hatten, fiel auch Frodeno zu Boden. Völlig ausgepumpt lag er da, ein Volunteer eilte herbei, stützte ihn, half ihm auf. "Ich bin im Ziel zusammengebrochen, habe alles aus mir herausgeholt", sagt er. "Das macht mich glücklich."