Pleiten, Pech und Pannen

Deutsche Pleiten: Selbst die Exoten sind besser

Am ersten Wochenende nur Pleiten, Pech und Pannen

Nicht einmal der höchste Gold-Trumpf stach: Als Säbelfechter Nicolas Limbach mit versteinerter Miene von der Planche stieg, stand die deutsche Equipe noch immer mit leeren Händen da. Britta Steffen und Freund Paul Biedermann waren baden gegangen, die hoffnungsfrohen Schützen hatten nicht getroffen, auch die Radfahrer holten nicht mal eine Medaille.

Ein fliegender Start sieht wahrlich anders aus. Rein statistisch bleibt festzuhalten, dass es eine derartige Nullnummer nach zwei Wettkampftagen wie jetzt in London zuletzt 1968 bei den Spielen in Mexiko-Stadt gegeben hatte. Ohnehin sind die Deutschen keine guten Starter. 2008 in Peking hatten sie erst eine Bronzemedaille, 2004 in Athen einmal Silber und einmal Bronze. Vier Jahre zuvor in Sydney hieß es: je einmal Gold und Bronze, dreimal Silber. Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), war freilich um Gelassenheit bemüht. "Wir werden nicht nervös", sagte er am Sonntag. Am Montag, ergänzte er, "wollen wir im Wasser was reißen, und es gibt auch noch andere Medaillenchancen". Eine echte aber haben nur die Wasserspringer Sascha Klein/Patrick Hausding (Riesa/Berlin) im Synchronspringen vom Turm.

Für Bundespräsident Joachim Gauck hat sich der Besuch in London jedenfalls kaum gelohnt. Er blicke, verriet das Staatsoberhaupt bei seiner Stippvisite, regelmäßig auf den Medaillenspiegel, dort wurde die 392-köpfige deutsche Mannschaft aber zunächst nicht einmal geführt: null Gold, null Silber, null Bronze. Kolumbien, Nordkorea oder Usbekistan waren am ersten Wochenende erfolgreicher als die Deutschen. Und China dominiert Olympia scheinbar nach Belieben.

Am Sonntagnachmittag hatten sich die Hoffnungen auf Säbelfechter Limbach konzentriert. Er hatte in diesem Jahr vier Weltcup-Turniere gewonnen und dazu bei den letzten drei Weltmeisterschaften jeweils im Finale gestanden. Dann unterlag er im Viertelfinale - und das Warten ging weiter. Bei den Spielen in Peking 2008 hatte Slalom-Kanute Alexander Grimm erst am vierten Tag im Einerkajak die erste deutsche Goldmedaille holte.

Die Schwimmer versenkten sich am ersten Wochenende zeitweise selbst mit verfehlter Taktik. Ähnliches ereignete sich im Rasport. Hinterher wollte Andre Greipel im Straßenrennen um eine Medaille mitsprinten. Bei der entscheidenden Attacke war aber kein deutscher Fahrer mitgegangen. Ein Fehler: Greipel gewann zwar den Sprint aus dem Feld, wurde mit 40 Sekunden Rückstand auf den Sieger Alexander Winokurow (Kasachstan) aber nur 27.

Nicht viel besser erging es den Frauen. Bei strömendem Regen sprintete die Düsseldorferin Ina-Yoko Teutenberg nach einem Rennen mit vielen Stürzen als Vierte über die Ziellinie - allerdings hatte eine dreiköpfige Ausreißergruppe da längst die Medaillen unter sich ausgemacht. Früher war wenigstens auf die Schützen Verlass gewesen, doch auch die dreimalige Skeet-Weltmeisterin Christine Wenzel schoss so ungenau, dass es nicht mal zu einer Medaille reichte. Dagegen war die Nationalhymne Chinas nach den ersten 26 von 302 Entscheidungen der Spiele bereits sechs Mal gespielt worden.

Zu allem Überfluss erwischte dann auch noch Tennisprofi Philipp Kohlschreiber den DOSB auf dem falschen Fuß. Kohlschreiber sagte mit einem Handy-Video seine Teilnahme am olympischen Turnier verletzt ab, erst viel später informierte er dann die DOSB-Verantwortlichen. Einziger Deutscher ist im Herren-Einzel Nachrücker Philipp Petzschner.