Nationalhymne

DFB-Sportdirektor Dutt will niemanden zum Singen zwingen

Der Nachfolger von Sammer erläutert seine Pläne

- Vier Tage ist es erst her, da erklärte Robin Dutt im Interview mit der "Welt", dass der Job als Bundesligatrainer sein absoluter Traumberuf ist. Obwohl es eine kräftezehrende Arbeit sei, von der sich der 47-Jährige nach seinem Rauswurf bei Bayer 04 Leverkusen ein paar Spieltage vor Schluss der vergangenen Saison erst einmal erholen musste. Nach der bitteren Erfahrung beim Werksklub, so Dutt, "wusste ich, dass ich in diesem Sommer keinen Job machen werde".

Am Mittwochmittag wurde mal wieder der Beweis erbracht, dass es im Fußballgeschäft manchmal schneller geht als gedacht - und morgen schon wieder alles anders sein kann. Denn da stellte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in Frankfurt am Main Robin Dutt als neuen Sportdirektor vor. Bereits am Dienstagabend war die Personalie von "bild.de" öffentlich gemacht worden. Der gebürtige Kölner tritt damit die Nachfolge von Matthias Sammer an, der Anfang des Monats den Posten des Sportvorstands beim FC Bayern München übernommen hat. Dutt, dessen Vater aus Indien stammt, erhält einen Vertrag für vier Jahre und beginnt seinen Dienst offiziell am 1. August. Als Sportdirektor wird Dutt beim DFB alle Auswahlmannschaften unterhalb der A-Nationalmannschaft verantworten.

"Beim DFB sind Konzepte vorhanden, die in den letzten Jahren wahnsinnig erfolgreich waren", sagte Dutt und lobte damit die Arbeit seines Vorgängers Matthias Sammer, in dessen Amtszeit der Gewinn der EM-Titel bei den Nationalmannschaften U21 (2009), U19 (2008) und U17 (2009) fiel. Als Hauptaufgabe nannte Dutt deshalb auch zunächst, "diese Konzepte weiter voranzutreiben". Nach Sammers überraschenden Abgang beim DFB war heftig über mögliche Nachfolger spekuliert worden. Namen wie Oliver Kahn und Steffen Freund machten die Runde. Beim DFB aber stand Robin Dutt von Anfang an ganz oben auf der Wunschliste. "Er war der erste, den ich angerufen habe", sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock. Dutt passe mit seine "sportlichen Vita genau in unser Anforderungsprofil", so Sandrock, und verwies auf die umfangreichen Erfahrungen, die Dutt unter anderem als Trainer der Stuttgarter Kickers, des SC Freiburg und eben von Bayer 04 Leverkusen gesammelt habe. Als Spieler hatte es Dutt nie über die Verbandsliga hinausgebracht.

Vor seiner offiziellen Vorstellung hatte sich Dutt mit Bundestrainer Joachim Löw auf eine gemeinsame Strategie verständigt. Beide werden in Zukunft eng zusammenarbeiten. Löw, dem ein angespanntes Verhältnis zu Sammer nachgesagt wurde, freute sich über die Verpflichtung: "Ich bin froh, dass der DFB so schnell und gut gehandelt und diese kompetente Lösung gefunden hat", sagte Löw. Zwischen beiden gäbe es Parallelen, wie man sich den Fußball vorstellt, so Dutt. "Wir haben eine gemeinsame Wellenlänge entdeckt", sagte der neue Sportdirektor, der keine Angst vor den großen Fußstapfen seines Vorgängers hat: "Matthias Sammer hat hervorragende Arbeit geleistet. Aber ich muss meinen eigenen Weg finden."

Einen ersten Versuch der Profilschärfung unternahm Robin Dutt dann sogleich am Mittwoch. Nachdem der DFB-Ehrenpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder jüngst gefordert hatte, dass das Mitsingen der Nationalhymne vor Länderspielen für die Nationalspieler zu Verpflicht werden sollte, äußerte sich auch Dutt zu der Debatte. "Das ist ein interessantes Thema", sagte Dutt. Er wolle in Zukunft besonders Nachwuchsspieler für das Mitsingen der Hymne sensibilisieren: "Wenn man es erst im A-Bereich thematisiert, ist es aber grundsätzlich zu spät." Eine gemeinsame Singpflicht werde es aber dennoch nicht geben. "Das muss aus Überzeugung kommen. Wenn man Sportler zu etwas zwingt, wird nie das herauskommen, was man erreichen will."