Serie: Mein Olympia

Swing, London, swing!

Teil 4 der Morgenpost-Serie "Mein Olympia". Warum die Sängerin Sonya First auf die große Karriere nach den Spielen hofft

- Sonya First hat Liam Gallagher von der Rockband Oasis eines voraus. Die 19 Jahre alte Musikerin wird ihre Lieder vor vielen tausend Olympiatouristen spielen. Ganz so privilegiert wie Damon Albarn, Gallaghers liebster Feind, ist sie jedoch nicht. Der Brite darf mit seiner Band Blur bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele auftreten. Aber während von dem jüngeren der Gallagher-Brüder nur ein großes Plakat in einem Schaufenster nahe des Olympiaparks hängt, holt First einfach ihre Gitarre aus dem Koffer und spielt. Ihre Bühne ist die Straße.

Sonya First könnte jetzt auch für die Universität lernen, anstatt hier in der Nähe der Stratford Station zu spielen. Andererseits ist dieser Auftritt wahrscheinlich das beste Training - sie studiert Musik, im Speziellen Gesang. Was gibt es da Besseres, als sich sein Publikum selbst zu suchen und die Reaktionen abzuwarten. Zumal First nicht nur bekannte Lieder großer Künstler spielt, sondern auch ihre eigenen Songs. "Ich liebe es, auf der Straße zu spielen. Hier sind immer Menschen, die dir zuhören", sagt die 19-Jährige. Wenn es hier in der Nähe der Stratford Station, wo ein großer Teil der Olympiatouristen aussteigen wird, zu voll sein sollte, zieht sie jedoch um. "Richtung South Bank", sagt sie.

Eigentlich aber möchte First genau hier mittendrin sein, wo alles passiert. "Jeder ist total gespannt und aufgeregt. Die Spiele haben so viel Tradition. Dass ich ein Teil davon sein kann, ist eine Ehre", sagt die gebürtige Russin. Ohne Musik ging es bei ihr noch nie: Mit sechs Jahren lernte First Klavier und Mandoline, mit neun Jahren versuchte sie erstmals, eigene Lieder zu schreiben. Mit 14 Jahren brachte sie sich selbst bei, Gitarre zu spielen. "Ich lebe und atme die Musik", sagt sie. Eines Tages möchte sie eine professionelle Sängerin und Musikerin sein.

Muse haben diesen Schritt längst geschafft. Die britischen Kunstrocker liefern mit ihrem Song "Survival" die offizielle Olympiahymne. Immer dann, wenn die Sportler ins Stadion einlaufen, wird sie zu hören sein. "Ich träume natürlich davon, dass auch ich eines Tages die Hymne für die Olympischen Spiele schreiben darf", sagt First. Wie sie klingen würde? "Positiver als das Lied von Muse", sagt sie. Einen Tick zu kämpferisch, zu bombastisch ist es für ihren Geschmack.

Für diese Olympischen Spiele hat First aber erst einmal eine andere Hoffnung: Dass einer der Topathleten, vielleicht sogar ein Olympiasieger, zufällig an ihr vorbeischlendert. "Egal, wer es ist", sagt sie, "ich würde für ihn spielen." Dass solch eine Begegnung unwahrscheinlich ist, stört sie nicht - eigentlich würde sie sowieso am liebsten für eine ehemalige Athletin spielen. "Kelly Holmes war eine großartige Sportlerin und eine inspirierende Persönlichkeit", sagt First über die ehemalige Leichtathletin und Doppelolympiasiegerin. Sportbegeistert? Ja, das ist die junge Frau. Aber sie selbst macht lieber weiter Musik. Die Olympischen Spiele seien eine Inspirationsquelle, sagt sie. Und als die Studentin zum Abschied "Wonderwall" von Oasis anstimmt, ist Liam Gallagher dann doch irgendwie dabei.

Lesen Sie morgen in Teil 5: Taxifahrer Muhammed Ahmed, der von Beckham als Gast träumt