Olympia

Kamera an, das Spektakel beginnt

ARD und ZDF zeigen 900 Stunden olympischen Sport aus London. Die meisten Events werden im Internet zu sehen sein

- Danny Boyle begann seine Karriere einst als Regisseur im Londoner Theaterhaus der "Joint Stock Theatre Company", später zeichnete er für solche Blockbuster wie "Trainspotting", "The Beach" oder "Slumdog Millionaire" verantwortlich. Wer die Filme mal gesehen hat, wird wenig verwundert darüber sein, dass Boyle bei der Eröffnungsfeier am Freitag auf etliche Klischees baut. Die für England angeblich so typischen Kühe, Ziegen und Schafe auf einer Weide werden im Olympiastadion ebenso zu sehen sein wie ein Cricket-Spiel und eine Mini-Version des Musik-Festivals in Glastonbury.

Seit Monaten feilt er an dem zum Sportspektakel passenden Startschuss. Zuletzt aber musste Boyle das Programm noch einmal reduzieren. Auf eine kleine Fahrrad-Stuntshow werden die Besucher nun verzichten müssen, weil die Eröffnungsfeier (in Deutschland beginnt die Übertragung um 21.30 Uhr) sonst nicht wie vorgesehen in drei Stunden zu Ende gegangen wäre. Es ist gleichzeitig der Auftakt für einen heftigen TV-Marathon. Inklusive ihrer Berichterstattung im Internet senden ARD und ZDF 900 Stunden olympisches Sportprogramm. Allein in den beiden Hauptprogrammen sind 260 Stunden Live-Sport vorgesehen. "Unser Ziel ist es, dass die Fernsehzuschauer den Sport so miterleben, als seien sie hautnah dabei", sagt ZDF-Chefredakteur Peter Frey.

Rund 20 Millionen Euro lassen sich ARD und ZDF die 17 Tage London kosten, insgesamt sind sie mit 480 Mitarbeitern vor Ort - vor vier Jahren in Peking waren es noch knapp 700. Während die privaten Sender den Gigantismus bei der Übertragung aus London anprangern, wähnen sie sich bei den Öffentlich-Rechtlichen auf dem richtigen Weg. Zumal sie den Spartenkanal Eurosport übertreffen, der von den 302 Entscheidungen in den 26 Sportarten 435 Stunden berichten wird.

Bei den Moderatoren setzen beide Sender auf Altbewährtes - Gerhard Delling und Michael Antwerpes für die ARD, Rudi Cerne und Michael Steinbrecher für das Zweite. Bei den Experten dagegen gibt es einige Neuerungen. Für das ZDF arbeiten Christian Keller (Schwimmen), der seit einem Trainingsunfall querschnittsgelähmte Ronny Ziesmer (Turnen), Kathrin Boron (Rudern) und Philipp Crone (Hockey) sowie der Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann. Die ARD setzt auf Franziska van Almsick (Schwimmen). Insbesondere von Hermann, sonst für Joachim Löw bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Einsatz, versprechen sie sich beim ZDF viel. "Er kann für uns einen Blick in den Athleten hineinwerfen", sagt ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. Zudem solle Hermann den Zuschauern auch bestimmte Rituale der Sportler erklären.

Technische Innovationen sind bei den Übertragungen laut Gruschwitz dagegen nicht geplant. Neu ist allerdings, dass sowohl ARD und ZDF verstärkt auf das Internet setzen.

Was bei den vergangenen Spielen meist auf Digitalsender wie Eins Plus oder ZDFdoku ausgelagert wurde, ist nun in sechs parallelen Livestreams auf den Online-Seiten beider Anbieter umfassend zu verfolgen. Die Bilder übernehmen ARD und ZDF dabei von der gastgebenden Sendeanstalt Olympic Braodcasting Services. ARD-Teamchef Walter Johannsen: "Das Angebot bietet dem Publikum eine bislang nicht gekannte Vielfalt." Dazu gehört auch, dass jeder Stream angehalten und nach einer Pause an derselben Stelle weiter angesehen werden kann. Darüber hinaus haben die Nutzer die Möglichkeit, in einem laufenden Stream vor- und zurückzuspringen. Voraussetzungen sind ein aktueller Browser, ein aktueller Flashplayer und ein DSL-Anschluss mit einer Datenübertragungsrate von mindestens zwei Mbit/s.