Interview mit Carsten Keller

"Es wird bestimmt ein aufregender Moment für sie"

Olympiasieger Carsten Keller freut sich für seine Tochter

- Bislang trugen vier Mal in Berlin geborene Sportler die Fahne bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele durchs Stadion, in London wird mit Natascha Keller nun der ersten Berlinerin diese große Ehre zuteil. Ihre einzigartige Familievita - Vater Carsten, zwei Brüder (Andreas und Florian) sowie sie selbst gewannen bereits Olympiagold, Großvater Erwin brachte Silber mit nach Hause - prädestiniert die 35-Jährige aus der Kellerschen Hockeydynastie geradezu für die Aufgabe. Marcel Stein sprach mit Vater Carsten über den Job als Fahnenträgerin und die Freude der Familie.

Berliner Morgenpost:

Herr Keller, was sagen Sie dazu, dass ihre Tochter das deutsche Team in London beim Einmarsch anführen darf?

Carsten Keller (72):

Sie hat es so verdient, das ist einfach toll für sie, dass sie die Fahne tragen darf. Auch für den Hockeysport ist es ein Aufwind. Denn man darf nicht vergessen, dass es viele andere gibt, die es ebenso verdient gehabt hätten.

Haben Sie ein bisschen damit gerechnet, dass die Wahl auf Natascha fallen würde?

Nicht gerechnet, aber gehofft, weil sie ja schon länger im Gespräch war.

Eigentlich war es doch an der Zeit, dass mal einem Mitglied der Keller-Familie diese Gunst gewährt wird. Oder etwas nicht? So eine Vita als Deutschlands erfolgreichste Olympiafamilie kann schließlich niemand anders aufweisen.

Ach, da will ich lieber nichts zu sagen. Wir sind stolz darauf, dass Natascha es geworden ist. Es wird für sie bestimmt ein aufregender Moment. Ich habe damals in München 1972 die Fahne bei der Abschlussfeier rausgetragen aus dem Stadion. Das fand ich auch einen bewegenden Moment.

Dann können Sie ihr ja noch ein paar kleine Tipps geben, wie so eine Fahne am besten getragen wird.

Für den Fall, dass sie es wirklich wird, habe ich ihr vorher schon gesagt, dass die Fahne bei so einer ganzen Runde ganz schön schwer wird. Das ist nicht so einfach, die immer so schräg nach vorn zu halten. Natascha wird vorher bestimmt kurz üben.

Titel gibt es wie Sand am Meer in der ihrer Familie. Wie besonders ist da so eine Ehre noch, als Fahnenträgerin die deutsche Mannschaft anführen zu dürfen?

Wenn ich sagen würde, dass das nichts Besonders ist, dann wäre das völlig falsch. Die Fahne trägt ein Sportler doch nur ein einziges Mal. Und wer kann so was schon mal machen? So viele Fahnenträger gibt es nicht, nur alle vier Jahre sind Sommerspiele. Da muss man ganz klein, bescheiden und stolz sein. Das ist schon schön.

Gibt es jetzt auf olympische Ebene etwas, was ihre Familie eigentlich noch nicht erlebt hat?

An sich war alles schon dabei, aber es fehlt noch, dass Natascha jetzt eine Bronzemedaille gewinnt. Die haben wir noch nicht. Ich sage das mal ganz bescheiden, denn sich eine Goldene zu wünschen, ist ja auch immer ein bisschen vermessen.