Personalien

Herthas Trainer-Versteher

Marcel Ndjeng kennt Jos Luhukay wie kein anderer Spieler: Gemeinsam stiegen beide zweimal auf

- Lucien Favre hat es zu seiner Berliner Zeit wie ein Mantra vor sich hergetragen: "Es sind die Details. Die Details machen den Unterschied." Jos Luhukay, Nachfolger des früheren Hertha-Trainers, geht seine Arbeit ähnlich akribisch an. So ließ sich Luhukay von Teamleiter Nello di Martino die Speisepläne für die Woche im Trainingslager in Stegersbach vorlegen: Genehmigt, genehmigt. Nicht genehmigt. Da brauchen wir was anderes. Genehmigt...

Luhukay überlässt bei der Mission Aufstieg nichts dem Zufall. Im Kader von Hertha BSC gibt es einen, der genau weiß, was den Klub in der kommenden Zweitliga-Saison erwartet. "Der Trainer hat klare Vorstellungen", sagt Marcel Ndjeng (30). Den Mittelfeldspieler verbindet eine im deutschen Profigeschäft einmalige Liaison mit seinem Vorgesetzten. Nach den Stationen beim SC Paderborn (beginnend im Juli 2005), bei Borussia Mönchengladbach (2007/08) und dem FC Augsburg (2009 bis 2012) ist Ndjeng mittlerweile zum vierten Mal Spieler bei Luhukay.

Wer sich nun fragt, warum diese Beziehung so langlebig ist, hört zunächst nur Einwände: Ndjeng sei ein ordentlicher Profi, aber kein Überspieler. Er ist auch nicht der verlängerte Arm des Trainers auf dem Platz. Wer mit Ndjeng redet, bekommt aber einen Eindruck, warum der Deutsch-Kameruner so viel Wertschätzung bei Luhukay genießt. Ndjeng hat etwas Fröhliches, etwas Lässiges und etwas Ernstes an sich. Er lacht, vor allem aber ist er präzise. Über allem stehe für Hertha BSC das große Ziel Aufstieg. Da sind sie Experten, Luhukay und Ndjeng. 2007 sind sie mit Gladbach aufgestiegen, 2011 mit Augsburg. Nun soll mit Hertha der dritte Streich gelingen.

"Ein guter Start hilft", sagt Ndjeng. Wichtig werde es, "schwere Zeiten zusammen zu überstehen". Der Trainer und sein Profi wissen, dass die Probleme in einer langen Aufstiegssaison verschiedene Gesichter haben können. Sei es, dass die Ergebnisse ausbleiben. Sei es, dass es Personalsorgen durch Ausfälle oder Verletzungen gibt. Sei es, dass interne Unstimmigkeiten die Mannschaft lähmen.

"Wir haben Spieler mit sehr viel Qualität und viele auf dem gleichen Niveau", sagt Ndjeng, "da ist es entscheidend, wie sehr man als Mannschaftsgefüge gefestigt ist. Dass sich wirklich alle auf das eine Ziel, den Aufstieg fokussieren. Jeder von uns muss in der Lage sein, die persönliche Ziele mal hintenan zu stellen." Er selbst macht gerade so eine Erfahrung. Ende Juni, bei seiner Ankunft in Berlin wurde Ndjeng als schneller Mittelfeldspieler für die rechte Seite im Mittelfeld vorgestellt. Nach knapp vier Trainingswochen gilt es jedoch als ausgemacht, dass Ndjeng zum Saisonstart am 3. August gegen Paderborn die Lösung für Herthas Problem auf der Position des rechten Außenverteidigers ist. Ndjeng schmunzelt. "Ich habe da schon gespielt. Und da sind wir bei der Frage des persönlichen Zurücknehmens. Ich habe schließlich auch was davon. Auch mit 30 Jahren kann ich dazulernen und mich entwickeln."

Ndjeng hat 106 Spiele in der Zweiten Liga absolviert, er weiß, was Hertha gegen Ingolstadt, Aue, Dresden, Sandhausen und Aalen erwartet. "Jeder Konkurrent wird sich unbedingt gegen den Klub aus der Hauptstadt beweisen wollen. Wir müssen lernen, dem Gegner zu zeigen: Heute habt ihr keine Chance gegen Hertha. Aber dahin zu kommen, das wird ein harter Weg."

34 Runden wird das Spieljahr dauern, das eine Aufstiegssaison werden soll. Hertha wird durch die vielen späten Verpflichtungen, die späten Urlaubsrückkehrer wie Roman Hubnik und die späten Abgänge (Raffael?/Djuricin?) beim Start gegen Paderborn nicht in Bestform sein. "Wir wissen, dass wir uns im Lauf der Saison steigern müssen", sagt Ndjeng.

Eis gibt's nicht

Und was ist vom Trainer zu erwarten, wenn es mal unrund läuft? Sowohl mit Gladbach als auch mit Augsburg gab es Holperphasen. Ndjeng grinst, zeigt mit den Armen eine zwei mal zwei Meter große Tasche an, da hole der Trainer dann "seine Peitsche raus. Nee, im Ernst: So klar, wie er jetzt in seinen Ansagen ist, dann wird der Trainer richtig deutlich. Sehr deutlich. "

Auf was sich die Spieler von Hertha BSC einstellen können - eine kleine Begebenheit gab ihnen einen Vorahnung, warum der Niederländer sich in Augsburg den Spitzenamen "der kleine General" erworben hat. Am ersten Abend des Trainingslagers in Stegersbach hatte die Küche des Fünf-Sterne-Hotels zum Nachtisch Eis auffahren lassen. Jos Luhukay genügte ein Blick, um die Situation zu erfassen: Eis ist keine sportlergerechte Ernährung. Ein kurzes Nicken. Und postwendend räumte die Bedienung die von niemandem angerührten Schüsseln wieder ab. Wie war das? Immer an die Details denken...