Nachwuchs

Die neuen Götzes

Sie sind erst 18, aber schon viel Geld wert. Bayern und Dortmund setzen große Hoffnungen auf diese zwei Spieler

- Borussia Dortmund hat einen neuen Slogan. Auf Werbebanden im Trainingslager steht er schon gedruckt. "Echte Liebe", heißt er. Doch was hilft so ein Werbespruch, wenn er nicht gelebt wird? Und wie schafft der Klubs es, dass sich auch die Neuen mit ihm identifizieren, sich also in den Klub verlieben? Bei Leonardo Bittencourt hatten sie da eine besondere Idee. Der junge Mann wurde mit der Person gewordenen Vereinsliebe in ein Zimmer gesteckt.

Bittencourt konnte drüber lachen. Der 18-Jährige von Borussia Dortmund wohnte im Trainingslager in Österreich in einem Zimmer mit Kevin Großkreutz. "Ich musste mir Lieder anhören wie: Dortmund, meine Stadt, mein Leben. Bis ich sie mir eingeprägt hatte, das Handy von Kevin lief die ganze Zeit", so Bittencourt. Musikalische Früherziehung im Ruhrpott-Stil. Wer beim BVB spielt, soll den BVB kennen. Besonders Bittencourt, von dem sie sich im Klub viel erwarten. Der die Zukunft sein soll. Der das Potenzial hat, der nächste Mario Götze zu werden.

Bittencourt ist 18 Jahre jung - und hat den Deutschen Meister schon drei Millionen Euro Ablöse gekostet. Siebenmal so viel wie Oliver Kirch (29), der vom 1. FC Kaiserslautern kam und 125 Bundesligapartien absolviert hat. Bittencourt noch keines. Erst 18 Mal hatte er in der Zweiten Liga gespielt, als Dortmund ihn vergangenes Jahr verpflichtete.

Die Borussia liegt im Trend: Die deutschen Topvereine sind bereit, für viel Talent viel Geld zu bezahlen. Bayern München hat für Mitchell Weiser immerhin 500.000 Euro an den 1. FC Köln überwiesen. Er ist ebenfalls 18 und auch noch ohne Bundesligaspiel von Beginn an. Beide sind Söhne ehemaliger Profis: Bittencourts Vater Franklin spielte für Cottbus, Patrick Weiser für Köln und den VfL Wolfsburg. Ihr Nachwuchs gehört zu den vielversprechendsten Spielern des Landes. Eine neue Generation will die Bundesliga stürmen.

Bittencourt nimmt sich Götze als Vorbild, dem mit 18 sein Durchbruch in Dortmund gelang. Inzwischen ist er Nationalspieler. "Er ist zwar nicht viel älter als ich, trotzdem kann ich eine Menge von ihm lernen", sagt Bittencourt. Trainer Jürgen Klopp vertraut jungen Spielern und gesteht ihnen Fehler zu, siehe Ilkay Gündogan, das hat Bittencourt überzeugt. Und dazu gebracht, andere lukrative Angebote auszuschlagen.

Auch Weiser hatte Optionen, Bayer Leverkusen wollte ihn verpflichten. Der Leiter der Kölner Nachwuchsabteilung hält den Wechsel zu den Bayern für zu früh. Weiser nicht: "Ich werde sicher nicht sagen, dass ich Arjen Robben aus der Mannschaft kicken will. Aber wieso sollte ich nicht auch mal spielen?" Bei einem Test konnte er kürzlich mit den Stars Mario Mandzukic und Claudio Pizarro zusammenspielen - und war wegen der Statistik danach überrascht. "Ich habe vier Tore vorbereitet? Echt?", so Weiser. Im Trainingslager am Gardasee musste er auch Bälle einsammeln und Tore schleppen. Das macht ihm nichts. Gut für ihn: In Matthias Sammer hat der Rekordmeister einen Sportvorstand, der stark auf den Nachwuchs setzt.

Sohn eines Ex-Profis zu sein, das hat aber auch Nachteile. Im Fußball vergleichen einen viele automatisch mit dem Vater, die Erwartungen sind besonders hoch. Dass trotzdem eine Karriere gelingen kann, zeigt Michal Kadlec: Der 27-jährige Sohn des ehemaligen Leverkuseners Miroslav Kadlec hat bereits 32 Mal für Tschechien gespielt und steht seit 2008 bei Bayer Leverkusen unter Vertrag.

Bittencourt besitzt die deutsche wie die brasilianische Staatsbürgerschaft. Sein Denken sei aber Deutsch, Disziplin und Pünktlichkeit seien sehr wichtig. Seine Eltern sind mit nach Dortmund gezogen. Im Gepäck das Foto eines Spiels des Papas, das Leonardo Bittencourt in Erinnerung geblieben ist: Auf dem Bild trägt ihn der Vater auf Schultern durch das Stadion. Es war nach einem 1:0 - gegen die Bayern.