Nationalmannschaft

Basketball-Neustart mit "dem Alten"

Svetislav Pesic soll Generation nach Nowitzki zurück an die Spitze führen

- Sie rennen und schwitzen, und kaum einer nimmt Notiz davon. Alle Blicke sind momentan auf die Olympischen Spiele gerichtet. Selbst ihr einstiger Anführer Dirk Nowitzki schaut nach London und wünscht dem deutschen Team via Twitter alles Gute: "Ich werde es mit Tränen in den Augen verfolgen. Auf geht's Deutschland", schrieb er. Der NBA-Star und die Basketball-Nationalmannschaft sind nicht qualifiziert. Bei den Spielen 2016 soll das anders aussehen, das Team befindet sich im Umbruch. Die Generation nach Nowitzki muss jetzt übernehmen, und sie kann sich dabei kompetenter Führung sicher sein. Denn der, den seine Spieler respektvoll den "Alten" nennen, ist zurück: Svetislav Pesic, der Deutschland 1993 sensationell zum EM-Titel führte, hat mit seiner unvergleichlichen Lautstärke bei den Riesen mit dem Adler auf der Brust wieder das Sagen.

Erstes großes Ziel des "Alten" und seiner Youngster ist die Qualifikation für die Europameisterschaft kommendes Jahr in Slowenien, die Mitte August gegen Georgien, Luxemburg, Bulgarien, Schweden und Aserbaidschan beginnt. "Wir haben uns zusammengesetzt und analysiert, welche Spieler wir haben", erklärt Pesic, "und von der Generation Nowitzki ist ja nur noch Dirk selbst da. Wenn wir uns für die EM qualifizieren, rechne ich mit ihm, wenn er gesund ist. Aber er wird nächstes Jahr 35!" Es bleibe nur der Neuaufbau, die Generationen von 1988 bis 1991 zu einer neuen Nationalmannschaft zu formen. 15 Spieler hatte er in das Leistungszentrum nach Kienbaum eingeladen, und die brachten den Meistermacher zum Staunen. "Alle waren pünktlich da, das war für mich eine große Überraschung."

Zu den 15 werden noch zwei, drei Spieler aus der U20 ihre Chance bekommen. Auch hatte Pesic Niels Giffey und Elias Harris eingeladen, die müssen aber an ihren Colleges in den USA für ihr Studium büffeln. "Schade", sagt der Bundestrainer, verweist aber gleich auf seinen Erfahrungsschatz, "dass man nicht alles haben kann, was man sich wünscht". Auch ohne die Beiden habe er die "jüngste Nationalmannschaft aller Zeiten". Mit drei erfahrenen Spielern, Jan-Hendrik Jagla (31), Heiko Schaffartzik (28) und Yassin Idbihi (29). Wobei Pesic jetzt kaum noch auf Idbihi bauen kann, der sich ein Außenband im Sprunggelenk riss. Aber auch für Spieler wie Tibor Pleiß (22) oder Robin Benzing (23) sei "die Zeit gekommen, nicht nur mitzuspielen, sondern Verantwortung zu übernehmen". Es werde interessant sein, zu beobachten, denn diese Rolle hatten sie bislang auch in ihren Vereinen nicht.

Was es mit der neuen Generation zu erreichen gilt, ist für den Mann, der mit Jugoslawien Welt- und Europameister wurde und mit dem FC Barcelona in einer Saison Meister und Pokalsieger wurde und die Euroleague gewann, klar. "Ziel der deutschen Nationalmannschaft muss es sein, bei allen großen Turnieren, Welt- und Europameisterschaften und wenn möglich auch den Olympischen Spielen dabei zu sein", sagt Pesic. Wobei das mit dem olympischen Basketballturnier nicht ganz einfach sei, weil sich nur zwölf Teams qualifizieren. Aber nach London beginne ein neuer olympischer Zyklus. Wenn alles gut laufe, bestehe schon die Chance, dabei zu sein. Man müsse sich ohnehin immer die höchsten Ziele setzen.

Und natürlich den ersten Schritt vor dem zweiten tun. Die Chance, sich jetzt für die EM zu qualifizieren, sei gut, sagt Pesic. Allerdings treffe sein Team auf "sehr erfahrene Mannschaften", die schon weit öfter dem Druck einer Qualifikation ausgesetzt waren. Bei den Heimspielen sei das sicherlich nicht der ganz große Faktor, "aber auswärts in Bulgarien, in Baku oder in Schweden zu spielen, ist für viele im Team eine neue Herausforderung. Nach meiner Rechnung muss man auch auswärts gewinnen, wenn man sich qualifizieren will." Bislang laufe alles gut, aber "mal sehen, wie es läuft, wenn die Beine schwer sind, auch das müssen die Spieler lernen".

Bis zum Ernst der Qualifikation stehen jetzt an diesem Mittwoch erst mal ein Länderspiel gegen Österreich und am Wochenende ein Vier-Nationen-Turnier in Oberwart/Österreich an. Danach geht es nach Istanbul. "Wir werden auch während der Turniere morgens eineinhalb Stunden wie im Trainingslager in Kienbaum trainieren. Die Spiele abends sind der Ersatz für das Abendtraining", erklärt Pesic. "Die Spiele helfen uns dabei zu sehen, was wir bisher gut gemacht haben, wo wir noch arbeiten müssen. Wie weit sind die einzelnen Spieler? Wie ist unser Teamspiel? Solche Fragen stehen jetzt im Vordergrund."

Und die "jüngste Nationalmannschaft aller Zeiten" kann sich sicher sein: All diese Fragen werden vom "Alten" erschöpfend beantwortet.