Interview

"Ich bin eine Marke"

Ruderer Marcel Hacker über Imagepflege und seine Sehnsucht nach Olympia-Gold bei den Spielen in London

- Einerfahrer Marcel Hacker (35) startet zum vierten Mal bei Olympischen Spielen. Die Vorläufe der Ruderer beginnen am 28. Juli, der Endlauf im Einer steigt am 4. August. Morgenpost-Mitarbeiter Jan-David Sutthoff sprach mit ihm.

Berliner Morgenpost:

Herr Hacker, Sie sind der einzige Popstar des deutschen Rudersports.

Marcel Hacker:

Ich habe ein gewisses Alter, es sind meine vierten Olympischen Spiele, dann wird man wohl dazu.

Sie wissen, wie man sich inszeniert. Sie sind einer der Ruderer, die man kennt.

Das ist richtig, aber ich bin erst mit der Zeit dazu gewachsen. Da habe ich mich hingearbeitet.

Muss man das, wenn man im Einer an den Start geht?

Man muss generell sein Image pflegen, oder? Es ist schwierig, das Image vom verrückten Hacker in das des seriösen Hacker umzuwandeln und trotzdem seiner Marke treu zu bleiben.

Macht es der Einer einfacher, sich in Szene zu setzen? Verdammt er einen sogar dazu?

Es gibt unterschiedliche Einerfahrer. Weil ich so lange dabei bin, bin ich da mehr oder weniger unbewusst hineingerutscht.

Sie starten zum vierten Mal bei Olympia und Ihr Ziel ist Gold. Machen Sie sich zu viel Druck?

Warum nicht? Gerade, weil es die vierten Spiele sind - zweimal Platz sieben, einmal Platz drei - ist das Ziel nicht zu hoch gegriffen. Wenn man auf die letzten Ergebnisse schaut, denke ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

In Peking hieß es, dass Sie der Druck überfordert hat.

Wir sind vier Jahre weiter. Ich bin viel weiter, verheiratet und habe ein Kind.

Warum soll es im reifen Alter klappen?

Warum soll es nicht klappen, wenn es bisher nicht geklappt hat?

Weil der Körper nicht leistungsfähiger wird. Fühlen Sie sich fitter als vor vier Jahren in Peking?

Ja, ich fühle mich besser. Ich habe mich akribisch vorbereitet. Die Zeiten, die ich momentan fahre, geben mir Recht.

Wie schätzen Sie die Konkurrenz ein, auf die Sie in London Treffen werden?

Stark, denn neun Leute können ins Finale fahren.

Sie sind 35. Sind diese Spiele Ihre letzten?

Kann ich nicht sagen. Ich will erst mal diese Spiele machen, dann sehen wir weiter.

Wenn Sie Ihr Ziel, also Gold, erreichen sollten, ist dann Schluss mit der Karriere? Widmen Sie sich dann der Familie?

Der widme ich mich ja jetzt auch schon.

Aber es ist schwierig, wenn man sein Kind während der Trainingslager nur übers Internet sieht, das haben Sie selbst gesagt.

Das ist richtig. Aber wie gesagt: Ich will mich nicht festlegen.

Warum fahren Sie eigentlich Einer?

Weil ich das will. Nicht, weil mir das einer vorschreibt.

Sind Sie ein Einzelgänger?

Würde ich nicht sagen. Ich spiele ja auch mit den anderen Jungs Fußball oder so.

Sie sind eine Weile Vierer gefahren, und das Experiment ist gar nicht übel gelaufen.

Ich kann mich nicht beschweren. Ich habe die Zeit genossen. Es war wichtig, dass ich mal ein Jahr rauskomme aus dem Einer.

Die Zeit im Vierer war eine Auszeit mit dem Hintergedanken, wieder Einer zu fahren?

Genau. Ich brauchte nach Peking Zeit, um runterzukommen und danach wieder neu zu starten. Jetzt sind wir wieder da, wo wir hingehören: an der Weltspitze.

Hat Sie die Zeit im Vierer weitergebracht?

Auf jeden Fall. Ich konnte mir keinen Querschläger leisten, weil die anderen sehr genau geschaut haben, was ich mache. Ich hatte eine Vorbildfunktion wegen meines Alters und der Erfahrung.

Hat Sie die Zeit gelassener gemacht?

Auf jeden Fall hat mich dieses Jahr gelassener gemacht. Seitdem mein Sohn da ist, ist Sport Sport und Familie Familie. Man sortiert Leistung auf einmal anders ein.

Nehmen wir an, es läuft bei Olympia nicht gut und Sie werden wieder nur Siebter: Könnten Sie damit jetzt also besser umgehen als 2008?

Ja. Weil es meinem Sohn egal ist, mit welcher Platzierung ich nach Hause komme - ich bin sein Papa. Und meiner Frau auch, denn ich bin ihr Ehemann.

Sie repräsentieren alle anderen Bootsklassen. Wenn es bei Ihnen nicht läuft, denken viele, dass es bei den Ruderern nicht läuft.

Das Schlimme ist: Egal, wie ich abschneide, ich habe meinen Artikel und mein Bild in der Zeitung. Wenn ich Zehnter werde oder Zwölfter, bekomme ich eine ganze Seite. Wenn der Doppelvierer Olympiasieger wird, bekommt er ein kleines Foto.

Das ist aber nicht in erster Linie so, weil Sie Einer fahren, sondern liegt vor allem daran, dass Sie Marcel Hacker sind.

Ja, ich bin eine Marke, die habe ich mir erarbeitet. Ich hatte die Aufmerksamkeit auch, als ich Doppelvierer gefahren bin. Es saß jemand anderes im Einer, für den hat sich kaum jemand interessiert.