Tour de France

Wiggins fährt ins Geschichtsbuch

Als erster Brite gewinnt der ehemalige Bahnfahrer die Tour de France, die auch das Doping-Thema wieder im Programm hatte

- Bradley Wiggins siegt im Auftrag ihrer Majestät, die deutschen Profis feiern die beste Bilanz seit Jahren, und auch das Dauerthema Doping begleitet das Peloton: Mit dem vorhersehbaren Sieger und nur vereinzelten Aufregern wird die 99. Auflage als eine der langweiligeren in die Geschichte der Tour de France eingehen. Nicht einmal der hinterhältige Sabotageakt mit auf die Straße gestreuten Teppichnägeln brachte die Himmelsstürmer vom Sky-Team um Wiggins vom Kurs ab.

"Es gibt viele Romantiker im Radsport, die gerne Attacken der Pantanis dieser Welt sehen würden", sagte Wiggins und sieht die Art und Weise, wie er seinen Sieg herausgefahren hat, als Zeichen für einen besseren Radsport: "Wir fahren die Anstiege in hohem Tempo hoch, da wird ein Angriff deutlich schwerer, es sei denn man hat ein paar Liter Blut extra. Die Tour ist viel menschlicher." Für Wiggins' These spricht zumindest, dass auf den Bergetappen wie schon im Vorjahr keine großen Zeitabstände zwischen den Spitzenfahrern zustande kamen. Allerdings muss das Experiment von Tour-Direktor Christian Prudhomme, die Bergfahrer durch die vielen Zeitfahrkilometer zu Attacken zu animieren, als gescheitert betrachtet werden. "Die Fahrer haben die Möglichkeiten des Kurses nicht genutzt", sagte Prudhomme.

Gleich bei der ersten Gelegenheit, dem steilen Anstieg nach La Planche des Belles Filles in den Vogesen, übernahm Wiggins das Gelbe Trikot und gab es nicht mehr ab. Dabei erinnerte die Fahrweise seines Sky-Teams sehr an die des mittlerweile als dopingverseucht bekannten Armstrong-Rennstalls US Postal. Wiggins war allerdings nicht amüsiert, als die "L'Equipe" seine Mannschaft zu UK Postal umtaufte. Auch der Sabotageakt, als Zuschauer auf der ersten Pyrenäen-Etappe Teppichnägel ausstreuten und für unzählige Defekte sorgten, senkte Wiggins' Laune. Mit seinem Teamkollegen Christopher Froome, der in den Bergen als deutlich stärkerer Fahrer von Angriffen absah, gibt es hingegen angeblich keine Probleme. Dazu komplettierte Mark Cavendish die Sky-Festspiele mit drei Etappensiegen. Der Weltmeister gewann auch den Prestigesprint gestern auf den Champs Elysees in Paris.

Weit mehr als ein festliches Essen dürfte sich auch Andre Greipel nach der Tour genehmigen. Seine drei Etappensiege sorgten für die beste deutsche Bilanz seit vier Jahren. In der Gesamtwertung spielten die Deutschen keine Rolle, Andreas Klöden verpasste als Elfter die Top Ten.

Die Hoffnungen auf eine Tour ohne das Thema Doping zerschlugen sich derweil schon früh. Was mit der Aufdeckung von Ermittlungen gegen das französische Team Europcar begann, fand seinen Höhepunkt mit der Verhaftung des französischen Cofidis-Profi Remy Di Gregorio wegen des Verdachts auf Handel mit Dopingmitteln. Dann wurde der Luxemburger Fränk Schleck positiv getestet. Schleck, ein Star der Branche, beteuert seine Unschuld und will Anzeige wegen Vergiftung erstatten. Mit den juristischen Schritten kennt sich Lance Armstrong bestens aus. Obwohl längst im Radsport-Ruhestand, hielt die Vergangenheit des siebenmaligen Siegers die Tour in Atem. Wird der Texaner des systematischen Dopings für schuldig befunden, müssen die Tour-Organisatoren wieder einmal die Siegerlisten umschreiben.