Interview

"Wir brauchen sofort Ergebnisse"

Manager Preetz will Hertha nach der Abstiegssaison erfolgreicher und sympathischer machen

- Als Profi hat er von seinem Behauptungswillen gelebt, so ist es auch im Job als Manager: Viele Kritiker waren sich einig, dass die Zeit von Michael Preetz als Geschäftsführer Sport und Medien bei Hertha BSC nach dem zweiten Abstieg in seiner Amtszeit abgelaufen sei. Doch Preetz erhielt das Vertrauen des neuen Präsidiums und verantwortet die Zusammenstellung des Kaders für die neue Saison. Mit Morgenpost-Redakteur Uwe Bremer sprach Preetz über eigene Fehler, Entlassungen auf der Geschäftsstelle und die Perspektive für den angestrebten Wiederaufstieg.

Berliner Morgenpost:

Hertha hat drei Stürmer an einem Tag verpflichtet, ist mit einem XXL-Kader ins Trainingslager gereist, wohnt im 5-Sterne-Hotel und hat gleichzeitig eine heftige Sparwelle ausgerufen, die unter anderem zur Entlassung von 14 Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle geführt hat. Wie passt das zusammen?

Michael Preetz:

Dieses Trainingslager ist finanziert durch die Freundschaftsspiele gegen Norwich City und den TSV Hartberg, insofern kostet das kein zusätzliches Geld. Diese Saison steht unter der Überschrift "Fahne pur, Fußball pur". Es geht bei uns um die Konzentration auf den Fußball. Wir müssen alle Ressourcen im Verein auf unser Kerngeschäft vereinen. Dass wir Mitarbeiter entlassen mussten, hängt damit zusammen, dass wir auf der Geschäftsstelle umstrukturieren müssen. Deshalb darf man das eine nicht unmittelbar mit dem anderen in Zusammenhang stellen.

Vor zwei Jahren hat Hertha das Stichwort "Demut" ausgegeben: Die Privilegien eines Erstligisten müssten erst wieder verdient werden.

Demut und vor allem Disziplin sind Leitgedanken in der neuen Spielzeit! Fehlende Disziplin war in der letzten Saison unser großes Problem. Wir haben ein neues Trainerteam, neue Spieler und vor allem eine neue Spielphilosophie. Dazu müssen wir so schnell wie möglich eine Einheit auf und außerhalb des Platzes werden. Man kann in dieser Vorbereitung sehen, dass Trainer Jos Luhukay täglich daran arbeitet.

Hertha muss für die Zweite Liga den Personaletat von 26 auf 13 Millionen Euro halbieren. Wie sind da Profis wie jetzt Allagui, Sahar und Wagner zu finanzieren?

Wir haben sechs neue Spieler geholt, davon kommen fünf ohne Ablöse. Es stimmt, wir haben für Sami Allagui Geld eingesetzt (1,5 Mio. Euro/Anm.d.Red.). Wir haben mit Mainz 05 Lösungen gefunden, die diesen Transfer ermöglichen. Das Geld wird nicht sofort im ersten Schritt fällig. Davon abgesehen ist die aktuelle Transferperiode noch geöffnet. Dazu gibt es die zweite im Winter, in der wir Einnahmen generieren können.

Ist Hertha auf die Millionen-Einnahme aus dem Verkauf von Raffael angewiesen?

Wir sind ein Verein, der grundsätzlich auf Transfererlöse angewiesen ist. Aber wir müssen Raffael nicht verkaufen. Die Saison ist auch ohne einen Verkauf durchfinanziert.

Vor zwei Jahren gab es im Kader einen radikalen Umbruch, um die Mentalität zu ändern. Diesmal fallen die Wechsel moderater aus. Wie soll diesmal die Mentalität in der Mannschaft geändert werden?

Auf der einen Seite schon auch durch Personalwechsel, auf der anderen Seite wird tagtäglich an den Basics gearbeitet. Wir wollen einen anderen Fußball spielen, als es die Leute von uns zuletzt gewohnt waren. Wir wollen aktiver und dominanter spielen. Das ist aber ein Prozess, der nicht nach sechs Wochen abgeschlossen sein wird.

Sie sind nach der letzten Saison in den Ruf geraten, schnell die Trainer zu wechseln. Wie sicher ist Jos Luhukays Arbeitsplatz?

Wir wollen es hinbekommen, auf der wichtigsten Position im Verein, dem Trainerposten, eine gute, vertrauensvolle und kontinuierliche Zusammenarbeit herzustellen. Mit Blick auf die Vergangenheit will ich anmerken: Dazu gehören immer zwei Seiten, also der Trainer und der Verein, die es miteinander machen wollen. Bei Jos Luhukay habe ich ein sehr, sehr gutes Gefühl und freue mich auf die kommende Zeit mit ihm und seinem Team.

Sie haben auch vom neu gewählten Präsidium das Vertrauen erhalten für die Zusammenstellung des Kaders. Was können Sie lernen aus den desaströsen vergangenen sieben Monaten?

Wir haben die Saison gründlich analysiert und wissen, dass ein paar Umstände zusammengekommen sind, die schwer zu beeinflussen waren. Aber es gab auch Dinge, die wir nicht gut gemacht haben. Wie Hertha BSC in der hektischen Phase im Frühjahr öffentlich wahrgenommen worden ist, war nicht gut.

Es geht vermutlich um die öffentliche Auseinandersetzung mit Markus Babbel. Welche Fehler haben Sie gemacht?

Ich bin vom Naturell her jemand, der zu getroffenen Vereinbarungen, zu klaren Absprachen steht. Leider war das in diesem Fall aber einseitig. Doch das werde ich beim nächsten Mal anders handhaben. Ich werde offensiver mit den Themen umgehen und auch mal öffentlich Klartext sprechen, wenn es sein muss. Aber wir werden künftig nicht alles neu machen, aber vieles vielleicht besser - zum Beispiel was die Außendarstellung von Hertha BSC angeht. Es wird darum gehen, als Mannschaft und Verein diszipliniert aufzutreten. Fußball lebt von Emotionen, deshalb wird hier oder da auch mal jemand ausscheren. Die Grundrichtung aber muss klar sein: Wir wollen wahrgenommen werden als sympathischer Verein, der auf die Leute zugeht. Wir sind uns bewusst, dass es etwas dauern kann, bis wir verlorene Sympathien zurückgewinnen.

In der bundesweiten Wahrnehmung ist Hertha nach den vergangenen sieben Monaten ein Synonym für einen Skandalverein. Wie soll etwa das Verhältnis zum Deutschen Fußball-Bund mit den Schiedsrichtern verbessert werden?

Damit sollten wir uns nicht so lange aufhalten, weil es nichts bringt. Wir müssen uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren. Wenn wir guten Fußball spielen, werden wir automatisch nicht so viel Kontakt haben zum DFB wie in den vergangenen Monaten. Wir haben uns mit dem DFB auf die Zuschauerbeschränkungen für das erste Heimspiel gegen Paderborn bewusst vor Saisonbeginn geeinigt, um unter die jüngere Vergangenheit einen Schlussstrich zu ziehen. Uns ist es vor zwei Jahren nach dem Abstieg schon einmal gelungen, relativ schnell die Stimmung im Umfeld des Vereins zu drehen. Das versuchen wir wieder.

Sie sind in der Krise persönlich attackiert worden wie noch nie. Was bleibt hängen?

Ich bin von Hause aus relativ robust und habe in meiner Karriere gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen. Aber klar, es war keine einfache Zeit. Besonders für mein persönliches, privates Umfeld war es sehr unangenehm. Ich will das abschließen. Wir wollen mit allen zusammen nach vorne arbeiten. Das heißt aber nicht, dass ich mir nicht das eine oder andere gemerkt habe.

Ist Hertha nach den Verpflichtungen der drei Stürmer der Aufstiegsfavorit?

Ein Verein wie Hertha ist in der Zweiten Liga immer ein Kandidat für den Aufstieg. Wir verheimlichen nicht, dass wir in die Bundesliga zurück wollen. Ob wir Topfavorit sind, sollen andere entscheiden. Für uns ist wichtig, dass wir möglichst schnell in die Spur kommen. Das wird vor dem Hintergrund der Veränderungen nicht leicht, denn die Saison beginnt bereits in 14 Tagen. Wir brauchen Geduld, damit die Automatismen sich einspielen. Aber wir haben keine Zeit, weil wir sofort Ergebnisse brauchen. Das wird ein Spagat sein, den wir hinbekommen müssen.