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Wird Besitz von Dopingmitteln bald strafbar?

Bayerns Justizministerin Merk startet neue Initiative

- Bayern geht in der Doping-Bekämpfung weiter voran. Mit schärferen Strafrahmen für Sportbetrüger und größeren Eingriffsrechten für Staatsanwälte will Justizministerin Beate Merk (CSU) den Kampf gegen den Einsatz verbotener Mittel forcieren. Gleichzeitig kündigte die selbst ernannte Doping-Bekämpferin aus dem Freistaat bei der Vorstellung ihres neuen Entwurfes überraschend an, vorerst nicht weiter auf ein bundesweites Anti-Doping-Gesetz zu drängen. Jahrelang hatte sich Merk vehement für ein allumfassendes Rechtspapier gegen Dopingsünder eingesetzt, auf Bundesebene aber keine politischen Mehrheiten für ihre Vorschläge gefunden.

"Daran hat sich leider nichts geändert, dafür lassen sich auch weiterhin nicht die nötigen Mehrheiten finden", betonte Merk in München. Allein als "langfristiges Ziel" will sie eine solche Regelung im Kopf behalten. Gemeinsam mit zwei Mitstreitern - dem Präsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Clemens Prokop, und Dopinganalytiker Detlef Thieme - verwies die CSU-Politikerin dennoch vehement auf lückenhafte Gesetze, "die die Anti-Doping-Bekämpfung erschweren".

Doch nicht nur aus Teilen der Politik, sondern auch von Verbänden gibt es seit langem Widerstand gegen noch mehr Verschärfungen. "Man hat mir deutlich gesagt, dass der Sport eine Unterstützung durch das staatliche Strafrecht nicht braucht", berichtete Merk. Anstatt einer neuen Anti-Doping-Schrift verlangt sie nun mehrere Verschärfungen des Arzneimittelgesetzes, das zuletzt vor fünf Jahren abgeändert wurde. Merk will, dass der Besitz von Dopingwirkstoffen schon ab dem ersten Milligramm unter Strafe gestellt wird - was zurzeit nicht der Fall ist.

Fall Franke nicht ad acta gelegt

Darüber hinaus forderte die Landesministerin die Erhöhung der Strafrahmen für Dopingvergehen - auf hohe Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren. Jegliche Dopingmethoden sollen nach ihrem Willen verboten werden, ohne Einschränkung auf bestimmte Stoffe. "Das hätte beispielsweise der Erfurter Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen im Fall Franke geholfen", erklärte Merk.

Die Ermittler hatten vergangene Woche ein Ermittlungsverfahren gegen den Mediziner Andreas Franke vorzeitig eingestellt. Franke war vorgeworfen worden, mehreren Sportlern Blut entnommen, dieses mit UV-Licht behandelt und anschließend in den Körper der Athleten reinjiziert zu haben, was einem Dopingvergehen gleichkomme.

Leichtathletik-Chef Clemens Prokop kritisierte die Einstellung des Verfahrens und will die Entscheidung vom Thüringer Justizministerium nun noch einmal überprüfen lassen. Dazu legte der DLV eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein.