Sicherheitsbelange

"Tägliche Arbeit mit der Fanbasis hat Vorrang"

Unions Präsident Zingler zum Sicherheitskodex

- Fast 100 Jahre ist das Stadion an der Alten Försterei alt. Bald aber wird es moderner sein als je zuvor. Am Mittwoch feierte der 1.FC Union die Grundsteinlegung für die neue Haupttribüne, das letzte noch fehlende Teilstück im Gesamtkonstrukt der Stadionsanierung. Demnächst wird der Klub aus der Zweiten Fußball-Liga also auf einer Baustelle spielen, nächsten Sommer sollen die Arbeiten beendet sein. Viel Stress also in Köpneick. Marcel Stein wollte von mit Union-Präsident Dirk Zingler wissen, ob darin der Grund liegt, dass Union als einziger Klubs dem Sicherheitsgipfel aller Profiklubs am Dienstag fernblieb.

Berliner Morgenpost:

Gab es schon eine Reaktion von Verband oder Liga?

Dirk Zingler:

Nein, gab es nicht.

Ist es strategisch gesehen nicht vielleicht ungünstig, sich als einziger Klub der drei Profiligen der Konferenz um dem entworfenen Kodex zu entziehen?

Unser Handeln entspricht unserer grundsätzlichen Strategie, welche wir seit Jahren verfolgen. Wir müssen uns selbst und unserem Weg treu bleiben, denn es geht hier um unsere Fans und Mitglieder. Die Menschen, die zu uns ins Stadion kommen, haben ein Recht, Gehör zu finden. Und zwar vorher.

Könnte das bei Verband und Liga nicht als Affront gesehen werden und sich irgendwann nachteilig auswirken?

Diese Überlegungen können doch nicht Basis unserer Entscheidungen sein. Zu unserem Weg, den Dialog mit seinen Fans zu führen, natürlich mit einem Rahmen aus Regeln und Sanktionen, stehen wir auch bei schwierigen Entscheidungen. Ich wüsste nicht, warum uns das zum Nachteil gereichen sollte.

Der 1.FC Union war immer eng mit seinen Fans verbunden. Aber war die Entscheidung gegen den Kodex so unausweichlich?

Wir haben uns nicht gegen einen gemeinsamen Kodex entschieden. Sondern gegen die Art und Weise seiner Entstehung.

Wäre es nicht besser, bei so einem Thema auf ein wenig Demokratie zu verzichten und Entscheidungen einfach zu treffen, ohne mit der Basis alles durchzudiskutieren? Zumal ein Konsens da nur schwer bzw. erst nach langen Gesprächen zu erreichen wäre.

Ich glaube, in Deutschland wird zurzeit auf eine Menge Demokratie, oder wie Sie es bezeichnen 'ein wenig Demokratie' verzichtet. Der Verzicht darauf, die Menschen mitzunehmen, um die es geht, stellt die Wirksamkeit solcher Beschlüsse in Frage. Wenn ein Kodex eine Verhaltensänderung bewirken soll, dann muss er doch von einem breiten Konsens innerhalb eines jeden Vereins getragen werden. Das ist natürlich mühsam, aber diese Mühe muss man sich machen.

Welche Standpunkte vertritt Unions Leitung zu Prävention, Kontrollen und Sanktionen? Welche Meinung herrscht zum Thema Pyrotechnik?

Wir haben bereits in unserer Absage zum Ausdruck gebracht, dass neben dem Dialog mit der Fanszene auch Regeln und Sanktionen die Basis für den friedlichen Ablauf unserer Fußballspiele gehören. Bestehende Verbote werden wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln durchsetzen. Ob jedes bestehende oder zukünftige Verbot auch die erhoffte Wirkung zeigt, werden wir sehen. Das Thema Prävention ist uns ganz wichtig. Wir haben mit dem Anstieg unserer Besucherzahlen auch unsere Fanbetreuung erweitert. Hier zu einheitlichen Regelungen für die Vereine zu kommen, halte ich für sinnvoll.

Wie wird sich Union in die weitere Entwicklung des Themas einbringen? Wird der Klub dem Kodex irgendwann doch noch zustimmen und unterschreiben?

Wir arbeiten seit Jahren an dem Thema Fankultur, auch mit ihren problematischen Seiten. Was die Ereignisse um unseren Verein herum betreffen, auch recht erfolgreich. Wir unterschätzen das politische Signal eines Kodex' keinesfalls. Wir werden ihn in unseren Gremien und Fanvertretungen besprechen und das daraus resultierende Ergebnis dem DFB und der DFL mitteilen. Die tägliche Arbeit mit der Fanbasis hat für uns jedoch Vorrang.