Spielertransfer

Mönchengladbach im Kaufrausch

Nach Xhaka und Dominguez verpflichtet die Borussia in dem 21 Jahre alten Niederländer de Jong den teuersten Spieler der Klubgeschichte

- Am Morgen gab sich der Vizepräsident noch wortkarg. Es gebe nichts zu erzählen, wollte Rainer Bonhof glauben machen. "Wir haben noch einiges zu tun, wir müssen heute noch vieles auf den Weg bringen, dann können wir ja noch mal reden." Es waren die letzten verbalen Ablenkungsmanöver, die die Mönchengladbacher versuchten, denn zu jenem Zeitpunkt stand der größte Coup der Vereinsgeschichte schon fest: Für 14 Millionen Euro verpflichtet die Borussia Stürmer Luuk de Jong von Twente Enschede. Niemals zuvor gab der Klub so viel Geld für einen Spieler aus.

Der Transfer des 21 Jahre alten Nationalspielers leitet gleich in doppelter Hinsicht eine Zäsur ein. De Jongs Wechsel ist nicht nur der Königstransfer der Borussia. Mit nunmehr gigantischen Ausgaben in Höhe von 33,2 Millionen Euro hat der Bundesligavierte in diesem Sommer sogar die Branchengrößen Bayern München (29,8 Millionen Euro für Zugänge) und Borussia Dortmund (26,5 Millionen) überflügelt und durch den fortgesetzten Kaufrausch erhöhten Pulsschlag bei vielen Fans ausgelöst. Nur bei der gefeierten Rückkehr von Stefan Effenberg 1994/1995 war die Euphorie in der jüngeren Vergangenheit ähnlich groß wie in diesen Tagen.

Mittwochnachmittag wurde der neue Heilsbringer der Borussia offiziell vorgestellt. "Ich wollte in die Bundesliga zu einem guten Klub, um mich weiterzuentwickeln. Ich bin der Überzeugung, dass die deutsche Liga dafür die richtige für mich ist", sagte de Jong. Gladbach sei eine große Chance für den weiteren Verlauf seiner Karriere. "Wir freuen uns sehr, dass der Transfer nun endlich über die Bühne ist und Luuk am Freitag mit ins Trainingslager am Tegernsee reisen kann", erklärte Borussia-Sportdirektor Max Eberl. "In Luuk de Jong bekommen wir einen hoch talentierten Angreifer, der trotz seiner erst 21 Jahre schon reichlich internationale Erfahrung mit dem FC Twente und der niederländischen Nationalmannschaft gesammelt hat. Er ist unser Wunschspieler. Ich kenne ihn schon seit Jahren und freue mich, dass wir solch einen Spieler nach Gladbach holen konnten."

Beim Transfer, der sich wochenlang hinzog und in dessen Verlauf sich Twente-Präsident Joop Mustermann als harter Widersacher für Borussia-Sportdirektor Eberl erwiesen hatte, profitierte die Borussia auch von einer selten Aktion. De Jong hätten laut Vertrag 20 Prozent der erzielten Ablöse zugestanden, immerhin 2,8 Millionen Euro. So hatte es sich der Stürmer 2010 bei seinem Wechsel von De Graafschap nach Enschede in den Kontrakt schreiben lassen. Doch de Jong verzichtete kurzerhand auf seinen Anteil, um den Wechsel endlich zu ermöglichen. Die 14 Millionen Euro Ablöse fließen nun komplett in die Klubkasse von Enschede; Nachzahlungen für den Fall, dass Mönchengladbach im August die Qualifikation für die Champions-League-Gruppenphase meistert, könnten noch folgen. In dem Niederländer Luc Castaignons (19) von Inter Mailand hat Enschede bereits einen Nachfolger für de Jong in Aussicht.

Den Kaufrausch der Borussia ermöglichten zuvor hohe Einnahmen. Für den zu Meister Dortmund gewechselten Nationalspieler Marco Reus hatte die Borussia 17,1 Millionen Euro erhalten - auch das ist ein Rekord in der Vereinsgeschichte. Der zu Bayern München transferierte Innenverteidiger Dante bescherte dem Klub 4,7 Millionen Euro. Deshalb hatte Mönchengladbach schon vor dem de-Jong-Transfer kräftig investiert und den Schweizer Granit Xhaka (FC Basel, 8,5 Millionen Euro), den Spanier Alvaro Dominguez (Atletico Madrid, acht Millionen) sowie den Hoffenheimer Peniel Mlapa (2,5 Millionen) und den Schweden Branimir Hrgota (Jönköpings Södra IF, 200.000) verpflichtet.