Eröffnung

Olympiafieber in der Königsfamilie

Queen Elizabeth eröffnet die Spiele von London, ihre Enkelin startet als Vielseitigkeitsreiterin

- Nein, sagte William Arthur Philip Louis Mountbatten-Windsor, Herzog von Cambridge, er werde nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen. Es sei ihm schließlich zu Ohren gekommen, berichtete er auf einer großen Gala für Britanniens Olympia- und Paralympics-Teilnehmer, "dass es in London Tauben mit größeren athletischen Fähigkeiten" als den seinen gebe. Die Gäste in der Royal Albert Hall zeigten sich amused - dabei stehen seine sportlichen Fähigkeiten außer Zweifel.

Der künftige König ist sogar äußerst sportlich. Er war an der Universität in St. Andrews Kapitän der Wasserball-Mannschaft, nimmt an Polo-Turnieren teil, spielt Tennis, Rugby, Hockey, Fußball, Basketball und Golf. In London fungiert William zusammen mit seiner Gattin Kate (spielte früher Hockey), und Bruder Harry als Botschafter.

Es wäre übrigens ganz und gar nicht ungewöhnlich, nähme Prinz William an Olympischen Spielen teil. Williams Tante, Prinzessin Anne, startete 1976 in Montreal als Vielseitigkeitsreiterin, sie belegte im Einzel Rang 24. Die Tochter der Queen (Elizabeth II wird übrigens wie in Montreal die Spiele eröffnen) war damals die einzige Athletin, die sich keinem Sextest unterziehen musste, das wurde als unangemessen eingestuft. Prinzessin Anne heiratete übrigens 1973 Mark Phillips, der 1972 in München mit den britischen Vielseitigkeitsreitern Gold gewonnen hatte. Die Ehe der Princess Royal wurde 1992 geschieden. Tochter Zara Anne Elizabeth Phillips, Enkelin der Queen, kann in London ihrer Mutter nacheifern. Die 31-jährige Zara holte 2006 bei den Weltreiterspielen in Aachen Einzel-Gold und Silber mit der Mannschaft in der Vielseitigkeit. 2004 und 2008 konnte sie wegen Verletzungen ihrer Pferde nicht an Olympia teilnehmen, diesmal ist sie dabei.

Generell ist Blaues Blut bei Olympia keine Seltenheit. Mitglieder diverser Königshäuser waren vor allem beim Reiten und im Segeln aktiv. Graf Hermann Alexander de Pourtales (Schweiz) gewann mit seiner Yacht 1900 Gold und Silber. Seine Gattin Helene war Mitglied der Crew und damit zugleich die erste Teilnehmerin und Medaillengewinnerin bei Olympia. Segel-Gold gewannen auch die späteren Könige Olaf V. von Norwegen (1928) und Konstantin II. von Griechenland (1960).

Die Royals können bei Olympia allerdings auch Verwirrung stiften. So geschehen 1948 in London. Fanny Blankers-Koen aus den Niederlanden, auch bekannt als "fliegende Hausfrau", holte damals dreimal Einzelgold, jeweils vor einer britischen Sportlerin. Nach dem Rennen über 80 Meter Hürden, das sie vor der zeitgleichen Maureen Gardner gewann, glaubte Blankers-Koen schon, verloren zu haben, weil plötzlich die britische Nationalhymne gespielt wurde. Die Enttäuschung war überflüssig: "God save the King" wurde gespielt, weil gerade George VI. das Stadion betreten hatte.